Retromania: 30 Jahre Atari ST

Atari-ST-Teaser
30 Jahre Atari ST: 1985 kam der erschwingliche Heimcomputer mit grafischer Oberfläche auf den Markt und konnte eine treue Anhängergemeinde gewinnen. Der „Mac für den kleinen Mann“ bot vor allem für produktive Arbeit etliche Vorteile und erfreute sich dank MIDI-Schnittstelle bei Musikern großer Beliebtheit.

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Lange Jahre war Atari vor allem als Spielehersteller bekannt und brachte mit „Pong“ 1975 den ersten massentauglichen Videospiel-Hit heraus. Mit dem VCS 2600 folgte eine Spielekonsole, die für Jahre den Markt dominieren sollte. Nach dem Crash 1983 wurde die Firma aufgeteilt. Jack Tramiel tritt auf: Der Gründer der Firma Commodore Business Machines International und Vater der Rechner PET 2001 und C64 trennte sich im Streit von Commodore und erwarb anschließend 1984 die Konsolen- und Computerabteilung vom damaligen Atari-Eigentümer Warner Bros. Entertainment. Die neue Firma nannte sich Atari Corporation und brachte unter Tramiel 1985 den Atari 260 ST auf den Markt, dem schnell der fast baugleiche 520 ST mit Betriebssystem auf ROM folgte.

Nur echt mit Biene: Das Atari-Betriebssystem TOS, das auf GEM aufsetzt.

Nur echt mit Biene: Das Atari-Betriebssystem TOS, das auf GEM aufsetzt.

Ein besonderes Merkmal der ST-Reihe war das Betriebssystem TOS mit der grafischen Oberfläche GEM, die den ST zum „Apple für arme Leute“ werden ließ und dem ST den Spitznamen „Jackintosh“ einbrachte. Niedlich war das Bienen-Symbol, wenn der Rechner beschäftigt war. Für damalige Verhältnisse großartig war der Monochrom-Monitor SM 124, der mit 70 Hz Bildwiederholfrequenz und einer Auflösung von 640 x 400 Bildpunkten auf 12 Zoll ein augenfreundliches Bild bot und auch längeres ermüdungsfreies Arbeiten ermöglichte. Ihm folgte der recht erschwingliche 19-Zoll-Monitor SM 194. Als Hauptprozessor setzte Atari bei allen Modellen Chips von Motorola aus der 68.000-Reihe ein, wie man sie auch in den damaligen Apple-Rechnern fand.

Mit Floppy auf du und du.

Mit Floppy auf du und du.

Im produktiven Bereich konnte der Heimcomputer schnell punkten und bot eine große Bandbreite an Software: Beliebt war beispielsweise die Textverarbeitung Signum, die echtes WYSIWYG bot und typografisch korrekten Formelsatz ermöglichte, oder die Desktop-Publishing-Software Calamus, eine preisgünstige aber mächtige Alternative zu Pagemaker und Quark Xpress. Der DTP-Bereich entwickelte sich zu einer der Domänen von Atari-Rechnern, eine andere war Musik-Software: Der Atari ST besaß eine eingebaute MIDI-Schnittstelle, die man bei Konkurrenten erst nachrüsten musste. Die wichtigsten Sequenzer erschienen zuerst für den Atari, beispielsweise Cubase von Steinberg. Zu den bekannten Musikern, die einen Atari ST einsetzten, gehörten Depeche Mode, Mike Oldfield und Fleetwood Mac.

Cubase auf dem Atari ST.

Cubase auf dem Atari ST.

Das bekannteste Modell aus der Atari-Reihe dürften der 1040 STE und 1040 STFM sein. Der teurere MegaSTE besaß mehr Speicher und eine externe Tastatur. Mit dem TT 030 brachte Atari einen Rechner mit 68030-CPU für Power-User auf den Markt, der aufgrund seines hohen Preises allerdings keine nennenswerte Verbreitung fand.

Legendär sind die Auseinandersetzungen zwischen Atari-ST- und Commodore-Amiga-Anwendern, die an manch heutige Streitereien zwischen Android- und iOS-Verfechtern erinnern. Geschichte wiederholt sich eben doch. Im Schatten des Streits entwickelte sich der PC zum lachenden Dritten, der ziemlich schnell Atari und Amiga ins Abseits drängte. Nach rapide sinkender Verbreitung kam Ataris Falcon 030 zu spät, um den ST gegen die PC-Übermacht zu verteidigen. Viele Software-Hersteller waren bereits abgesprungen, manche Hoffnungsträger wie Calamus SL entwickelten sich zu langsam und plagten Anwender mit Bugs. Im Januar 1994 stellte Atari die Hardware-Produktion ein und der Atari ST mit seinen Ablegern war Geschichte.

Mit Informationen von Wikipedia
Bild: Atari 1040 STF von Bill Bertram, 2006, CC-BY-2.5, einige Rechte vorbehalten

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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