Retromania: Apple QuickTake – eine der ersten digitalen Kompaktkameras

QuickTake-200-teaser_2
Kaum einer wird wissen, dass Apple 1994 eine der ersten Kompaktkameras auf den Markt brachte: die QuickTake 100. Immerhin zwei Nachfolger erblickten das Licht der Welt, bevor Steve Jobs nach seiner Rückkehr das Produkt stoppte. Die technischen Daten lesen sich heute grauenerregend, seinerzeit war die QuickTake jedoch State of the Art.

QuickTake-100-vorne

Die QuickTake 100 von vorne.

Die Entwicklung digitaler Kompaktkameras hängt eng zusammen mit dem Sensor: Das erste kommerzielle Produkt mit CCD brachte Fairchild bereits 1973 auf den Markt. Die Fernsehkamera bot eine Auflösung von 100 x 100 Pixeln. In der Geschichte der digitalen Kamera taucht kurz danach ein bekannter Name auf: Gil Amelio. 1974 bereitete er den Weg, CCD-Sensoren in Serie fertigen zu lassen. Vor diesem Hintergrund ist der Einstieg Apples in den Kompaktkamera-Markt nur folgerichtig: Amelio leitete bis zur Rückkehr von Steve Jobs die Geschicke Apples.

Bis digitale Kompaktkameras in Serie hergestellt und erschwinglicher wurden, dauerte es dennoch eine ganze Weile. Apples QuickTake 100 gehört 1994 zu den ersten Modellen, die in 24-Bit Farbe aufnehmen konnten. Das 8-mm-Objektiv bot umgerechnet auf Kleinbild die Standard-Brennweite von 50 mm, die Blendenöffnung begann immerhin bei f/2.0 und war damit recht lichtstark. Die Verschlusszeiten lagen zwischen 1/30 bis 1/175 Sekunden. Die QuickTake 100 kam für stolze 750 US-Dollar auf den Markt.

Die von Kodak hergestellte Kamera bot eine maximale Auflösung von 640 x 480 Pixeln. Lediglich acht Bilder passten in den nicht erweiterbaren Speicher. Reduzierte man die Auflösung auf 320 x 240 Pixel, passten immerhin 32 Bilder in den 1 MB großen Speicher der Kamera. Zur Ausstattung gehörte ein Blitz, auf ein Display zur Bildkontrolle musste man verzichten.

QuickTake-100-hinten

Die Rückseite der QuickTake 100: Das Display diente lediglich zur Info-Anzeige, nicht zur Bildkontrolle.

Die Übertragung der Fotos auf den Rechner gelang per serieller Schnittstelle. Etwas irritierend war dabei, dass die QuickTake die Netzwerkprotokolle unter AppleTalk nicht unterstützte und Apple die Modem-Buchse statt des Drucker-Ports für den Anschluss vorschlug. Das eigene Bildformat der Kamera lässt sich heute beispielsweise mit dem Grafikconverter unter OS X konvertieren, für die Übertragung muss man allerdings einen alten Mac mit serieller Schnittstelle aus dem Fundus kramen, der auch die alten Treiber unterstützt.

QuickTake-200-Vorne

Der QuickTake 200 war eine kurze Lebenszeit beschieden.

1995 folgte die QuickTake 150, die sich über ein Connection-Kit auch mit Windows-Rechnern verbinden ließ. Die letzte Version, die QuickTake 200, wurde 1997 von Fujifilm gebaut. Sie wartete mit einer kürzeren Verschlusszeit bis zu 1/5000 Sekunde auf und setzte SmartMedia-Karten als Speicher ein. Der Star war aber das 1-Zoll-Farbdisplay zur Bildkontrolle.

Im Gegensatz zur gescheiterten Spielekonsole Apple Pippin konnte die QuickTake trotz mauer Verkaufszahlen wenigstens als Technik-Vorläufer die Fachpresse überzeugen. Das Time Magazine führt sie immerhin in der Liste der 100 wichtigsten Gadgets aller Zeiten auf. Erfolgreicher als Apple waren allerdings die klassischen Hersteller wie Canon und Nikon, denen die Anwender eher das Know-How im Fotobereich zusprachen. 1997 beendete Steve Jobs dann Apples Ausflug in die Kompaktkamera-Sphäre.

Mit Material von Wikipedia. Teaser-Bild: Bart Everson via Flickr.com. Einige Rechte vorbehalten.

Weitere Retromania-Artikel findest du hier:
Die Laserdisc
Pippin Spielekonsole von Apple
Virtual Boy von Nintendo
10 Jahre ROKR von Motorola – Apples iTunes-Phone-Flop
Microma: Die 15 Millionen Dollar Smartwatch von Intel
HP-41C – König der Taschenrechner
Test des Apple eMate 300
10 innovative Notebooks ab 1979
Nokia 9000 Communicator

Das könnte dich auch interessieren:

avatar

Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.