Retromania: Der wahre Vorgänger der DVD/Blu-ray – die Laserdisc

laserdisc_teaserAls die VHS-Kassette noch das Maß aller Video-Dinge war, erblickte ein System für anspruchsvolle Film-Liebhaber das Licht der Welt: die Laserdisc. Nach den LaserVision-Playern von Philips und DiscoVision von MCA stellte Pioneer die LaserDisc 1986 vor. Auf Schallplatten-großen Silberscheiben mit 30 cm Durchmesser wurden Filme im Gegensatz zur DVD analog gespeichert, die Abtastung durch Laser gab dem Format ihren Namen.

Die Entwicklung der ersten Bildplatten geht auf das Jahr 1971 zurück: MCA entwickelte das System DiscoVision, das aber erst 1978 auf den Markt kam. Philips folgte 1982 mit LaserVision, bevor Pionieer 1986 mit der LaserDisc die Weiterentwicklung veröffentlichte.

Die gute alte Videokassette wirkte gegen das neue Medium hoffnungslos veraltet: Die Bildqualität der LaserDisc war wesentlich besser und bot beispielsweise mit 640 x 576 Pixeln eine höhere Auflösung (VHS: 320 x 576/SVHS: 533 x 576). Zudem waren die optisch abgetasteten Scheiben nicht durch VHS-Kassetten-typische Verschleißerscheinungen nach mehrmaligem Gebrauch geplagt.

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Allerdings gibt und gab es Probleme, dass sich die Beschichtung der LaserDisc nach etlichen Jahren lösen kann (Laserrot). Man kennt das Problem auch von frühen CD-Pressungen. Das betrifft allerdings nur Discs aus bestimmten Produktionen, japanische Bildplatten sollen beispielsweise einwandfrei funktionieren.

Im Audio-Bereich konnte die LaserDisc später mit DTS und Dolby Digital (AC-3) punkten. AC-3 blieb auf deutschsprachigen Bildplatten allerdings eine Ausnahme, mit Tödliche Weihnachten und True Lies erschienen gerade mal zwei Titel. Die LaserDisc nahm noch mehr Errungenschaften der DVD vorweg: Es erschienen liebevoll aufbereitete Editionen mit Zusatz- und Bonusmaterial. Vor allem die US-Ausgaben der Criterion-Collection genossen einen hervorragenden Ruf. Auf der Webseite des Anbieters findet man eine Liste, die etliche Blu-ray-Neuveröffentlichungen der alten Laserdisc-Filme aufzeichnet. Zudem gab es bei manchen NTSC-Ausgaben Untertitel, bis zu drei Sprachspuren und Audiokommentare.

Lang ist es her, dass ich einen LaserDisc-Player mein eigen nannte. Die „Filmsammlung“ dazu blieb überschaubar: Zur geringen Auswahl von insgesamt rund 1200 deutschsprachigen Titeln gesellten sich hohe Preise. Vor allem Japan-Importe schlugen eine beachtliche Delle in den Geldbeutel. Heute vermisse ich die LaserDisc, was durch einen ähnlichen Effekt bedingt ist, der Leute heute auch zurück zum Vinyl treibt: Die analoge Aufnahme besitzt einen eigenen Charme, aber vor allem das Medium an sich fasziniert: Man hat etwas in der Hand und die großen Cover sind in manchen Fällen echte Hingucker.

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OK, da verklärt die Zeit etwas den Blick, denn gerade deutsche Pressungen hatten teilweise grottenhässliche Cover. Und der WOW-Effekt der gold- oder silberfarben schimmernden Platte nimmt natürlich im Laufe der Zeit ab, dafür melden sich die Nachteile zu Wort. Beispielsweise, dass man die Platte umdrehen musste.

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Dieses Problem ließ sich zumindest mit einem teureren Player umgehen, dessen Lasereinheit auf die andere Seite wechselt. Schließlich bot eine Seite eine Laufzeit von lediglich 34 Minuten (CAV-Modus) oder 64 Minuten (CLV-Modus). Letzterer wurde häufiger genutzt, allerdings ging das auf Kosten von Zeitraffer und Zeitlupe: Im CAV-Modus waren diese Funktionen sogar ohne Bildbeeinträchtigungen möglich.

Die letzten deutschsprachigen Discs wurden 1999 veröffentlicht, zwei Jahre nach dem Start der DVD. Bis Ende 2001 erschienen zumindest in Japan noch LaserDiscs, Pioneer beendete die Produktion von Playern erst 2009. Eine Komplettliste deutschsprachiger Discs im PDF-Format mit Cover-Abbildungen von Jörg Schreiber lässt sich über die informative Seite von Michael Holin abrufen.

Mit Informationen aus der Wikipedia und von Michael Holin. Bilder: YouTube.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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