Retromania: Die formidablen Roboter der 1980er Jahre von Atari-Androbot und Heathkit

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Die Roboter kommen: Ob Zowi oder demnächst Cozmo. Mechanische, intelligente und putzige Wesen schicken sich an, bei uns einzuziehen. Grund genug, sich Modelle aus den 1980er Jahren anzuschauen. Die Hero-Roboter von Heathkit sehen aus, als seien sie direkt aus einem Science-Fiction-Film der 50er Jahre in die damalige Gegenwart gesprungen. Ganz anders die Roboter von Androbot, die ihrer Zeit weit voraus waren. Nur schade, dass sie den Atari-Gründer Nolan Bushnell nahezu in den finanziellen Ruin getrieben haben.

Die Heldengeneration

1982 erblickte der Roboter Hero 1 von Heathkit das Licht der Welt. Das Design liegt irgendwo zwischen 50er Jahre Raumschiff Orion, Roboter-Schrott bei Star Wars und beigefarbenem Büro-PC. Der mit 17,5 kg schwere akkubetriebene Geselle konnte durch den Raum rollen, den Abstand zu Hindernissen sollte ein Sonar-System erkennen. Zudem besaß Hero 1 Sensoren für eine Bewegungserkennung. Noch mehr Fähigkeiten erlangte der Roboter mit zusätzlichen Modulen. Man konnte einen Arm montieren, der kleinere Gegenstände greifen konnte. Warum er das machen sollte, bleibt allerdings offen, besonders nützlich war das nicht. So wenig, wie das Sprachmodul, das allerdings mit feinster Roboter-Diktion überzeugen kann: Die Daleks sind da!

Das Gehirn des Roboters bestand aus einem Motorola 6808, dem lediglich 4 KB Arbeitsspeicher zur Seite standen. Als Massenspeicher setzte Heathkit Kompaktkassetten ein. Für die Programmierung nutzte man das Hex-Nummernpad mit 17 Tasten, als Display fungierte eine sechsstellige LED-Anzeige, wie man sie von Taschenrechnern kennt. Man kann sich vorstellen, dass die Programmierung nicht besonders intuitiv war. Eigentlich war sie es gar nicht.

Ich brauch Verstärkung, Kit

Wie der Name des Herstellers schon andeutet, konnte man den Roboter als Selbstbau-Kit erwerben. Alternativ gab es gegen Aufpreis eine fertig montierte Version, die bereits die Module Arm und Sprachausgabe mitbrachte. Billig waren beide Versionen nicht: Zum Start musste man für das Kit 1500 US-Dollar hinlegen, die fertige Version kostete sogar stolze 2500 US-Dollar. Für den Heimbereich folgte 1984 eine kleinere und für 1000 Dollar auch erheblich günstigere Version. Für den Hero jr. gab es noch mehr Zubehör, wie beispielsweise einen Infrarot-Sensor und eine Funkfernverbindung. Selbst als Heimsicherungssystem ließ sich der Junior mit entsprechendem Add-on nutzen.

We do need another hero

Zwei Jahre später, 1986, gesellte sich ein drittes Luxusexemplar hinzu, der 35 kg schwere Hero 2000. Der Roboter enthielt ganze sechs Z80-Prozessoren, die dem Hauptprozessor Intel 8088 zuarbeiteten. Damit endete die Entwicklung der Helden, die immerhin bis 1995 vom Hersteller unterstützt wurden. Erst 2007 kam noch der HE-RObot für den Erziehungsbereich auf den Markt, der stolze 8000 US-Dollar kostete und von White Box Robotics entwickelt worden war. Mit Intel Core Duo, 1 GB Arbeitsspeicher und Windows XP wirkt der HE-RObot zwar schon deutlich moderner, ein Erfolg war er allerdings nicht: Nur 50 Exemplare konnte Heathkit verkaufen, bevor die Firma im Jahr 2012 in die Insolvenz ging.

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Androbots: Zeitreise zurück in die Zukunft

Unter Retro-Roboterenthusiasten erfreut sich ein Konkurrent zum Hero großer Beliebtheit. Der Hersteller Androbots ging 1981 aus Atari-Mitarbeitern hervor, wurde von Nolan Bushnell unterstützt und brachte menschenähnlichere Kerlchen auf den Markt, die schon eher den heutigen Designvorstellungen entsprechen. Der Roboter namens Topo erschien 1983 und wurde über einen Apple II programmiert. Der Enthusiasmus war zwar groß, verkauft hat sich der 800 Dollar teure Roboter jedoch kaum. Bereits ein Jahr später übernahm Atari die Firma. 1984 konnte man für kurze Zeit den Topo II für 1600 Dollar erwerben, die Verkaufszahlen blieben jedoch lausig. Grund dafür waren wohl auch etliche ungelöste technische Probleme. Wie Bushnell später berichtete: Wenn ein Computer abstürzt, ist das nicht schlimm, aber wehe, ein Roboter gerät außer Kontrolle.

Was ist mit B.O.B.?

Vom High-End-Roboter B.O.B. (Brains on Board) sollen angeblich nur vier Exemplare gefertigt worden sein. B.O.B ließ sich erweitern, viele Sensoren erinnern an den Hero-Konkurrenten wie beispielsweise der Ultraschall-Sensor. Eine Besonderheit war hingegen beispielsweise der elektronische Kompass, den der Roboter kalibrierte, indem er sich wild im Kreis drehte. Die Standardversion sollte 4000 Dollar kosten, eine Basis-Konfiguration immerhin noch 2500 Dollar. Die Roboter wurden zwar noch entwickelt, kamen aber nicht mehr auf den Markt. Der Hersteller Androbots ging unter, nachdem das Geld ausging, wie Bushnell erklärt. Die Welt war für Haushalts-Roboter einfach noch nicht so weit. Oder anders herum, die Roboter noch nicht für die Welt. Wie Robin Webster vom PC-Magazin 1984 nach einem Test von B.O.B. sinngemäß schrieb: „Erst, wenn sie einen Martini mixen, ohne das Glas zu zerbrechen, oder dich und deine Freunde mit Jongliereinlagen amüsieren können … wenn das passiert, dann bin ich mir sicher, dass sich keiner mehr vorstellen kann, ohne Hausroboter zu leben.“

Formidabler Crash

Für Bushnell endete das Roboter-Abenteuer in einem finanziellen Fiasko, er verlor in einem jahrelangen Rechtsstreit mit dem Kapitalgeber Merrill Lynch fast sein gesamtes Vermögen. 20,6 Millionen Dollar „cash“ will Bushnell in Androbots gesteckt haben. Immerhin: Eines der Exemplare hat bei ihm zu Hause dauerhaft Zuflucht gefunden.

Anmerkung zur Überschrift: „formidabel“ wird heute im Sinn von „großartig“ gebraucht. Dabei leitet sich das Wort ursprünglich vom lateinischen formidabilis, grausig, ab und wurde früher auch so verwendet. Im Fall der Roboter stimmen wohl beide Bedeutungen.

Viele interessante Informationen und etliches Bildmaterial über die Hero-Serie, Androbot und weitere Roboter wie den RB5X findest du auf The Old Robots Website und bei Megadroid.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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