Retromania: Die heiligen Schlachten in der ASM und das Stundengrab Happy Computer

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Wer in die Zukunft blicken will, muss die Vergangenheit verstehen. So sagt man. Genau das wollen wir heute in Retromania tun. Denn etliche Ausgaben der legendären Computermagazine ASM und Happy Computer kann man kostenlos im Netz lesen und dabei in Erinnerungen schwelgen. Und nein, früher war nicht alles besser. Nur etwas übersichtlicher.

Die Webseite archive.org archiviert nicht nur Bücher, Filme und Webseiten, sondern auch Magazine. Darunter fällt beispielsweise die ASM – die Abkürzung steht für „Aktueller Software Markt“ –, die Kultstatus erlangte. Das lag weniger an der Vorstellung neuer Spiele und der zwar coolen, aber irgendwie nie wirklich witzigen Space-Rat-Comics, sondern in einer seltsamen Verknüpfung von Nerdtum, Gamerslang und MAD-artigem Irrsinn, der sich über die Leserbriefseiten ergoss. Ja, nicht nur eine Seite, sondern Leserbriefe und Kommentare ergossen sich über gefühlt hunderte von Seiten.

ASM-Hefte auf archive.org

ASM-Hefte auf archive.org

Man kann die ASM mit Fug und Recht als erstes Internetforum inklusive erheblichem Trollaufkommen bezeichnen, nur eben in gedruckter Form. Legendär waren die verbalen Auseinandersetzungen zwischen Atarianern und Amiganern. Das 1986 gegründete Magazin erschien immerhin bis 1995. Artikel des späten Chefredakteur Peter Schmitz findet man übrigens immer noch im Zeitschriftenhandel: er betreut den Spielebereich der c’t und haust in einem aus der Zeit gefallenen Technik-Paradies versteckt in den weitläufigen Gebäuden der Heise-Redaktion. Wer das Glück hatte, ihn dort besuchen zu können, wird das nie vergessen.

Happy Computer auf archive.org

Happy Computer auf archive.org

Eine Spur seriöser als die ASM trat die Happy Computer mit ihrem bunten Themenmix zu allen seinerzeit aktuellen Heimcomputern auf. Ein Blick ins Innere lässt allerdings manchen gestandenen Recken mit Grausen an dunkle Zeiten im Keller erinnern, in denen man seitenweise Spiele-Listings für Brotkastencomputer einhackte. Nach stundenlanger Arbeit ging es meist auf Fehlersuche, denn entweder man selbst hatte etwas falsch abgetippt, oder irgendwer anders: der Setzer, der Programmierer, weiß der Geier. Manchmal erschienen vielleicht irgendwann Korrekturen, meist musste man selbst rausfinden, was nicht stimmte. Man könnte im Prinzip also von einem Erfolgserlebnis sprechen, wenn das Programm am Ende fehlerfrei lief. Die Freude währte in der Regel aber nun kurz. Für dieses grottige Spiel hatte man Tage seines Lebens verschwendet? Der Weg soll das Ziel sein? Pah! Happy Computer erschien von November 1983 bis 1990. Dem wachsenden Erfolg des Spieleteils geschuldet war der Ableger Power Play. Aber das ist eine andere Geschichte.

Listings des Grauens: Ausschnitt aus der Happy Computer.

Listings des Grauens: Ausschnitt aus der Happy Computer.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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