Retromania: HP-41C – König der Taschenrechner

HP-41CX_Teaser

Er war ein Traum und blieb für viele Anwender ein Traum: der programmierbare Taschenrechner HP-41C, der 1979 das Licht der Welt erblickte. 750 DM kostete das damalige Technik-Wunder, das man mit Steckmodulen erweitern konnte. Weitere besondere Merkmale: Das alphanumerische LCD sowie die Eingabelogik UPN. Wer sich das auch heute noch begehrte Original nicht leisten kann oder will, greift beispielsweise zur App für iOS oder Android.

Als Schüler war er damals unerschwinglich, aber Objekt der Begierde: Der HP-41C. Immerhin konnte ich einen TI-58C mein eigen nennen und ich machte mich flugs daran, die ungewöhnliche Eingabelogik UPN nachzuprogrammieren. UPN steht für „Umgekehrte Polnische Notation“, die völlig anders funktioniert als die weithin gebräuchliche algebraische Notation. Verkürzt gesagt: Bei UPN (wird auch RPN genannt) tippt man erst die Zahlen ein, dann die Operatoren. Dadurch benötigt man beispielsweise keine Klammern mehr, allerdings muss der Anwender die Logik erst „lernen“. Später hat HP seinen Taschenrechnern die algebraische Eingabemethode zusätzlich spendiert.

Das spätere Modell HP-41CV.

Das spätere Modell HP-41CV.

Abgesehen von dieser Eigenart war der HP-41C Luxus pur: Solide und robust gebaut, ein Hingucker mit Understatement, der jedem anderen handelsüblichen Rechner seinerzeit die Show stahl. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Texas-Instruments-Schwergewichten TI-58 und TI-59 mit ihren roten LED-Leuchten besaß der HP-41C ein LC-Display, das nicht nur Zahlen, sondern auch Buchstaben darstellen konnte. Wow. Buchstaben! Das war 1979 ein absolutes Novum bei programmierbaren Taschenrechnern.

Der HP-41C ließ sich beispielsweise mit Drucker und Magnetkartenleser erweitern.

Der HP-41C ließ sich beispielsweise mit Drucker und Magnetkartenleser erweitern.

Wer genügend Kleingeld hatte, konnte den HP-41C fast zu einem kleinen Computersystem ausbauen, inklusive Drucker und Magnetkartenleser. Über Module ließ sich der Rechner um Funktionen erweitern und der Speicher vergrößern. Der NASA ist die Entwicklung eines Time Module zu verdanken, womit man den Rechner um eine Echtzeituhr erweitern konnte: Die Besatzung des Space Shuttle benutzte die HP-Rechner bei ihren Ausflügen ins All, womit der HP 41C in die Kategorie „Weltraumtauglich“ fällt.

Erweiterungsmodule für den HP-41CX

Erweiterungsmodule für den HP-41CX.

Weitere Modelle der teuren Taschenrechnerreihe erschienen, bis HP die Serie am 1. Januar 1990 einstellte. Der HP-48SX sollte der Nachfolger werden. Wer noch einen HP-41C, CV oder CX erwerben will, muss für ein gebrauchtes Gerät immer noch ein hübsches Sümmchen hinlegen. Das gilt auch für Peripherie und noch mehr für seltene Module.

Die App

Die iOS-Apps i41CX und i41CX+ begeistertn durch den riesigen Funktionsumfang und ständige Updates. Das hat allerdings seinen Preis.

Wer etwas 80er-Jahre-Taschenrechner-Luft schnuppern möchte, kann das einfacher und vor allem billiger haben und findet jede Menge kostenlose Emulatoren im Netz für PCs. Richtig Spaß macht es allerdings mit Apps, die das Smartphone in den HP-41 verwandeln. Die mit Abstand beste App nennt sich i41CX und i41CX+ und ist für iOS erhältlich. Sie bietet tonnenweise Funktionen, Anpassungsmöglichkeiten und lässt sich mit virtuellen Modulen erweitern.

HP_41_Print

Die Einstiegsversion i41CX ist für knapp 8 Euro zu haben und lässt sich im Funktionsumfang per In-App-Käufe auf die große Version aufrüsten, die knapp 25 Euro kostet. Sie bietet beispielsweise eine Emulation des Druckers sowie CAS. Die App erschien bereits 2008 und beglückt Anwender mit laufenden Updates.

Auch Android-Anwender kommen in den Genuss eines Emulators. Die kostenlose Variante ist ein prima Einstieg.

Auch Android-Anwender kommen in den Genuss eines Emulators. Die kostenlose Variante ist ein prima Einstieg.

Für Android steht beispielsweise die ebenfalls prima gemachte App go41cx zur Verfügung. Die Vollversion kostet ebenso wie die Tablet-Version 8 Euro, die Einstiegsvariante go41c ist sogar kostenlos zu haben. Dafür muss man auf Sound und Module verzichten.

Fotos und weiterführende Informationen: Wikipedia

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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Eine Antwort auf Retromania: HP-41C – König der Taschenrechner

  1. avatar Georg sagt:

    HP-41C war auch für mich als Schüler unerreichbar. Aber für einen TI-58 hatte ich lange gespart. Nur um ihn dann ein halbes Jahr später und einen Monat Schülerarbeit gegen einen TI-59 einzutauschen. Das war das Teil mit den kleinen Magnetkärtchen zur Speicherung der Programme. Auch dieser kostete damals noch 500 DM, was nach heutiger Kostenstruktur so zwischen 1000-1300 Euro bedeuten würde. Dazu kam dann noch der TI-Drucker mit dem unsäglichen Thermopapier, das nach einer Stunde im Sonnenlicht schon komplett verbleicht war.
    Der HP-41C war immer mein Traum. Eben und gerade wegen der UPN, die eine sagenhafte Faszination ausstrahlte.

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