Retromania: IBM 5100, der allererste All-in-One-PC

ibm5100

In einem anderen Retromania-Artikel habe ich behauptet, der PET 2001 wäre der erste All-in-One-PC gewesen. Irrtum! Die Krone gebührt eher dem hierzulande nur wenig bekannten IBM 5100 Portable Computer, der bereits 1975 und damit zwei Jahre früher auf den Markt kam als die Legende von Commodore. Dabei hatte der IBM-Oldie einiges auf dem Kasten.

Nach dem ab 1973 entwickelten Prototypen IBM SCAMP gelangte der IBM 5100 Portable Computer am 9. September 1975 auf den Markt und bot wie der PET 2001 eine Komplettausstattung: Im Gehäuse befand sich nicht nur ein Bandlaufwerk und ein 5-Zoll-Monitor, sondern auch eine Tastatur. Wer Lust hatte, konnte also das Gerät durchaus in den Wagen wuchten und mit auf die Baustelle nehmen, wie es die Werbung von IBM nahelegt. Immerhin gab es ein optionales Tragegehäuse für den Rechner. Bei einem Gesamtgewicht von 25 kg dürften das aber wohl nur wenige gemacht haben.

Während das Konzept zwar gelobt wurde, schreckte wohl hauptsächlich der Preis zwischen 9000 und 20.000 US-Dollar Käufer ab. Der IBM 5100 verkaufte sich nur schwach, was den Hersteller nicht daran hinderte, weitere Modelle zu entwickeln. Der IBM 5110 Portable Computer Model 1 folgte 1978, danach Model 2 und zuletzt 1980 Model 3 alias IBM 5120. Das Wort Portable strich IBM beim 5120er allerdings, wog der letzte Rechner aus der Reihe doch satte 50 kg.

Immerhin überlebte das Urmodell bis 1982 also noch knapp die Einführung des ersten IBM PCs, der zwar die Typenbezeichnung IBM 5150 trug, allerdings kaum noch etwas mit der Reihe zu tun hatte und auch kein All-in-One-System mehr war. Der IBM PC schrieb dann Geschichte und begründete den Erfolg der PCs, von dem allerdings hauptsächlich Microsoft und Intel profitierten.

Von Intel war im Modell IBM 5100 noch nichts zu sehen, IBM setzte auf einen Prozessor von Palm. Eine Besonderheit war die Software: Käufer hatten die Wahl zwischen den Programmiersprachen BASIC oder APL (A Programming Language). APL stammte von IBM und zeichnete sich durch interaktive Anwendung aus: Programme mussten nicht kompiliert werden, sondern liefen direkt ab. Käufer hatten auch die Wahl, beide Programmiersprachen zu nehmen. Mit einem mechanischen Schalter konnte man bequem zwischen den Sprachen umschalten. Was für ein Luxus!

Teaser-Bild: Marcin Wichary via Wikipedia, CC by 2.0 – Einige Rechte vorbehalten.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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