Retromania: Pippin – Apples erste Spielekonsole

apple_Pippin_teaserEigentlich ist das neue Apple TV nicht nur eine Streaming-Box und rüstet Fernsehgeräte und Beamer mit aktueller Hardware nach, sondern entpuppt sich auch als Spielekonsole. Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass Apple vor 20 Jahren den Markt mit einer Konsole aufmischen wollte: Der Pippin erschien 1995 unter der Leitung des Unternehmens Bandai  in Japan.

Ehre wem Ehre gebührt, der Pippin taucht immerhin in einigen Listen auf: Die PC World nahm 2006 Apples Pippin als eines der schlechtesten Technik-Produkte aller Zeiten auf. Unter den am wenigsten verkauften Spielekonsolen aller Zeiten erreichte der Pippin mit nur 42.000 verkauften Einheiten sogar den ersten Platz.

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Dabei steckte für die damalige Zeit potente Hardware in dem Gerät: Angetrieben wurde der Pippin von einem PowerPC-Prozessor, der auch in den Macs verbaut wurde. Als Betriebssystem diente ein angepasstes Mac OS: Apple Pipp!n (so die offizielle Schreibweise) sollte nicht nur auf der Konsole laufen, sondern eine Multimedia-Plattform für Home-Entertainment im Allgemeinen werden. Man könnte fast von einem iOS-Vorgänger sprechen.

apple_pippin_kZur Ausstattung der mit 599 US-Dollar recht hoch eingepreisten Konsole gehörte ein Modem, wodurch das mit TV- und VGA-Ausgang gesegnete Gerät auch als Computer dienen sollte: Neben einem Browser gab es auch ein Text- und Zeichenprogramm für die Konsole. Ein CD-ROM-Laufwerk gehörte zur Standardausstattung. In dieser Zeit war das üblich, lediglich Nintendo widerstand länger dem Trend zum Silberling und verabschiedete sich erst beim Gamecube vom Spielmodul. Eine dedizierte 3D-Grafikeinheit besaß der Pippin nicht.

"Super Marathon" dürfte das bei uns bekannteste Spiel für den Pippin sein.

„Super Marathon“ dürfte das bei uns bekannteste Spiel für den Pippin sein.

Die Idee zur Pippin stammte allerdings nicht von Apple selbst, sondern von Bandai. Das japanische Unternehmen hatte die Idee, auf Grundlage eines PCs eine Spielekonsole mit CD-Laufwerk zu veröffentlichen, entschied sich für den Macintosh und wandte sich Anfang 1994 an Apple. Der damalige Apple-CEO Michael Spindler gab den Startschuss und die beiden Partner entwickelten auf Grundlage des Apple-Pipp!n-Betriebssystems die Konsole. Sie kam 1995 in Japan unter dem Namen Pippin Atmark auf den Markt. 1996 folgte die Veröffentlichung in Amerika. Kleine Nebenanmerkung: Bandai hatte seinerzeit arge finanzielle Probleme. Nach einer Reihe von Flops sicherte das Überleben der Firma ein kleines Kunststoff-Ei: Das Tamagotchi, das in Japan ebenfalls 1996 erschien.

Zum Scheitern der Pippin-Konsole führten neben dem hohen Preis und der fehlenden 3D-Grafikfähigkeiten auch die mangelnde Spiele-Unterstützung und der Erfolg der Playstation. Die lieferte sich anfangs mit dem Sega Saturn eine Schlacht um einen Platz vor dem Fernseher, bevor Nintendo mit dem Nintendo 64 den Markt betrat und auch ein Wörtchen mitredete. Bei der Recherche, wie viele Titel denn nun für den Pippin erschienen sind, stößt man auf allerlei unterschiedliche Listen und Angaben. Nur eines steht fest: Auch wenn die angebliche Komplettliste auf gooddealgames mit 22 Titeln nicht vollständig ist: Viel kam nicht auf den Markt. Im Westen dürfte lediglich Super Marathon etwas bekannter sein. Zu den veröffentlichten Skurrilitäten gehört beispielsweise ein Dragon Ball Z Malprogramm.

Als Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkehrte, stoppte er umgehend das Pippin-Projekt. Bandai bewies allerdings Durchhaltevermögen und unterstützte die Konsole bis zum Jahreswechsel 2002, auch wenn die Produktion schon Mitte 1997 endete.

Vielleicht ist die Pippin-Geschichte daran schuld, dass sich Apple auch heute noch dem Spiele-Markt nur zögernd nähert. Wenigstens platzierte Cupertino den iPod touch als Gameboy-Konkurrenten. Nun ist das Apple TV der 4. Generation dran. Dank Fernbedienung mit Wii-artiger Bewegungssteuerung unternimmt Apple den nächsten Anlauf.

Hier geht es zur damaligen offiziellen Pippin-Seite von Apple.
Bilder: Wikipedia/CC 3.0, some rights reserved. Console-Set Evan-Amos, Controller Museo8bits

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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