Retromania: Sinclair C5 – das Elektrovehikel vom ZX-Spectrum-Erfinder

C5_Alive_rally
Sir Clive Sinclair: Etwas ältere Semester erinnern sich an die Heimcomputer-Legenden ZX81 und ZX Spectrum. Vor 30 Jahren brachte Sinclair das Elektrovehikel C5 auf den Markt und wollte damit den Personenverkehr revolutionieren. Das Unternehmen endete in einem finanziellen Desaster, obwohl die zukunftsweisende „Karre“ nur 400 Pfund kostete. Zu den wenigen frühen stolzen Besitzern gehörten Sir Elton John und Sir Arthur C. Clarke (2001: Odyssee im Weltraum). Als Sinclair den Segway testete, enthüllte der Erfinder, dass er an einem Nachfolger, dem Sinclair C6 arbeite.

Sinclair_C5_with_high_vis_m

Vor allem waren sie eines: günstig. ZX 81 und ZX Spectrum waren die erfolgreichsten Heimcomputer Großbritanniens und spülten ihrem Erfinder Sir Clive Sinclair ordentlich Geld in die Kasse. Anstatt es auf einem Bankkonto versauern zu lassen oder einfach nur zu verprassen, investierte Sinclair in ein neues Projekt: ein Elektro-Vehikel (die Bezeichnung „Auto“ scheute der Erfinder).

Am 10. Januar 1985 war es so weit, Sinclair stellte den Sinclair C5 auf einem spektakulären Event im Alexandra Palace in der Nähe von London vor. Es sollte eine denkwürdige Veranstaltung werden. Sechs uniformierte Fahrerinnen „düsten“ im grau-gelben Outfit über das Gelände und Sinclair verkündete eine drei Millionen Pfund teure Werbekampagne für den C5. Nur 400 Pfund sollte das Gefährt kosten und die Journalisten durften es vor Ort gleich ausprobieren. Das erwies sich als Desaster: Es war Winter, das Gelände um den Veranstaltungsort mit Schnee und Eis bedeckt und hügelig. Der schwachbrüstige Motor, den man per Pedalkraft unterstützen konnte und oft wohl auch musste, überhitzte ständig. Männer brachten liegengebliebene Geräte schwitzend zum Ausgangspunkt zurück. Die Presseberichte fielen danach entsprechend negativ aus. Auf dem Event verkaufte Sinclair weniger als 200 Sinclair C5.

Aber nun zu den Details: Das Herzstück des Sinclair C5 war ein 250 Watt starker oder besser schwacher Motor, der über einen 12-Volt-Akku mit Energie versorgt wurde. Während das dreirädrige Kunststoff-Gefährt lediglich 30 kg auf die Waage brachte, schlug allein die Batterie noch mal 15 kg oben drauf. Sie sollte laut Hersteller bis zu 300 Ladezyklen verkraften. Das von Lotus Cars stromlinienförmig gestaltete Vehikel erreichte eine Geschwindigkeit von maximal 24 km/h. Die Reichweite gab Sinclair mit immerhin 32 Kilometern mit einer Akkuladung an. Steigungen waren für das Elektro-Gefährt Gift und der Fahrer wurde aufgefordert, in die Pedale zu treten, um ein Überhitzen des Motors zu verhindern. Der überhitzte trotzdem gerne und schaltete sich dann immerhin automatisch ab. Nach einer Ruhepause konnte es dann weitergehen.

Der Elektromotor des Sinclair C5.

Der Elektromotor des Sinclair C5.

Nicht nur wegen diesem Problem stand die Presse dem Gefährt skeptisch gegenüber. Vor allem die Verkehrssicherheit wurde bemängelt, aber auch die Gefahr, dass Jugendliche in frisierten Sinclair C5 ihre Umgebung terrorisieren könnten.

Insgesamt ließ Sinclair angeblich 14.000 C5 produzieren. Probleme mit dem Kunststoffgehäuse plagten frühe Exemplare, die aufwendig in der Fabrik behoben wurden. Zudem blieben die Verkäufe mehr als schleppend, Sinclair fuhr die Produktion von 1000 CS5 auf 100 pro Woche herunter. Trotzdem sammelten sich allein in der Fabrik bis zuletzt 3000 unverkaufte Exemplare an. Hinzu kamen jene, die bei den 500 Händlern angeboten wurden. Sinclair selbst gibt an, dass insgesamt nur 5000 Exemplare verkauft wurden.

Dabei hatte der Sinclair C5 prominente Fürsprecher: Zum Beispiel fuhren Prinz William und Prinz Harry in ihrer Jugend in ihren C5 um den Kensington Palace herum. Sir Elton John und Sir Arthur C. Clarke nahmen je gleich zwei Exemplare ab und der Bürgermeister von Scarborough tauschte sogar seinen Dienst-Daimler gegen einen C5.

Der C5 wurde nur wenige Monate lang hergestellt: Bereits im August 1985 stoppte die Produktion und wurde nicht mehr aufgenommen. Das Abenteuer hinterließ Verpflichtungen in Höhe von 7,75 Millionen Pfund, wenn man Sinclairs Einlage von 7 Millionen Pfund mit einrechnet. Immerhin 5 Millionen konnte er für sich retten, was bei anderen Gläubigern für Unmut sorgte. Mit dem C5 starben auch die Pläne für weitere Elektro-Vehikel. Der C10 sollte ein Zweisitzer werden, der C15 sogar vier Passagieren Platz bieten und eine Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern erreichen. Sie kamen über das Zeichenbrett allerdings nie hinaus.

Die verbliebenen Sinclair C5 kaufte die Ellar Ltd. Of Liverpool auf, zu 70 Pfund das Stück. Im Gegensatz zu Sinclair konnte Ellar die restlichen 7000 Exemplare gut verkaufen, für bis zu 700 Pfund pro Vehikel. Der Geschäftsführer Maurice Levensohn erklärt es sinngemäß so: Jeder Junge wünsche sich ein solches Elektrovehikel, man müsse es nur als Luxusprodukt verkaufen und nicht als Alltagsgefährt.

Das Sinclair C5 als Luxusgefährt? Die Preisentwicklung spricht dafür: Heute ist das Vehikel ein gesuchtes Sammlerstück, das ein Vielfaches seines Originalpreises wert ist. Kein Wunder, dass Sir Clive Sinclair von einem Comeback träumt(e): Als er im Jahr 2003 den gerade neu vorgestellten Segway testete, hatte er für das neue Gefährt viel Lob übrig, kritisierte aber Preis und Gewicht. Sein C6 sollte im nächsten Jahr alles besser machen. Seit der Ankündigungen sind nun etliche Jahre vergangen und man darf sich getrost von dem Gedanken verabschieden, dass der C6 noch mal das Licht der Welt erblickt. Aber Sir Clive Sinclair ist noch nicht vergessen: The Spoof widmete ihm einen satirischen Beitrag. Darin vermählt Sinclair ein neues, solarbetriebenes Elektroauto mit Restbeständen vom ZX81.

Fotos: Wikipedia, Prioryman

Weitere Informationen: Die englischsprachige Wikipedia hält einen äußerst ausführlichen Artikel bereit.

Alle Retromania-Artikel von der Laserdisc bis zum Virtual Boy findest du hier im Überblick.

Das könnte dich auch interessieren:

avatar

Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.