Retromania: Zehn innovative Notebooks von 1989 bis heute

taichi2Manche Ideen gibt es, die gibt es gar nicht. Andere sind zu gut, um wahr zu sein, und sind es auch: Manche Notebooks waren ihrer Zeit einfach voraus. Dann ist da noch der kleine Rest, der Ausrufezeichen setzte und die weitere Entwicklung maßgeblich beeinflusste. Wir stellen zehn Notebooks aus den drei Kategorien vor, vom Atari Portfolio über das MacBook Air bis hin zu Asus Taichi und Microsoft Surface.

Atari Portfolio (1989)

Den Reigen der innovativsten Notebooks beginnen wir im Jahr 1989: Der Atari Portfolio erschien. Obwohl das ultrahandliche Gerät, das nur 500 Gramm wog, kaum als ausgewachsenes Notebook durchgeht, bot es doch eine Besonderheit: ein MS-DOS-kompatibles Betriebssystem. Andere Systeme mit ähnlichem Formfaktor setzten meist proprietäre Entwicklungen ein. Der nur mit 4,92 MHz getaktete Prozessor durfte sich über einen Arbeitsspeicher von 128 KB freuen. Der monochrome Bildschirm stellte gerade mal 240 x 64 Pixel dar. Betrieben wurde das Kleinst-Notebook mit AA-Batterien, die für eine sagenhafte Laufzeit von bis zu sechs Wochen sorgten. Der Rechner erfreute sich auch in Deutschland einer kleinen Fangemeinde. Im gleichen Jahr brachte Apple das Gegenstück zum Atari Portfolio heraus: Der Macintosh Portable wog 7 Kilogramm und floppte.

Sony Vaio C1 (1998)

Das Sony Vaio C1 war mein erstes Notebook. Und das bis heute „schrägste“, das ich je besessen hatte. Es glänzte durch kompakte Abmessungen und das geringe Gewicht von rund 1 kg, womit es sich in die Kategorie der Subnotebooks einordnet. Die 1998 in Japan gestartete Reihe konnte sich über mehrere Jahre halten. Kamen am Anfang noch Intel Pentium-Prozessoren zum Einsatz, entschied sich Sony später um und setzte auf Crusoe-Prozessoren von Transmeta. Ungewöhnlich am Vaio C1 war beispielsweise, dass sich Sony für ein Display im Breitbild-Format entschied. Durch die geringe vertikale Auflösung von nur 480 Pixeln bei 1024 Breite war die Bedienung von Windows, bei meinem Gerät kam Windows 98 SE zum Einsatz, allerdings kein Vergnügen. Innovativ war die Webcam. Abgesehen davon, dass Webcams in Notebooks seinerzeit noch kein Standard-Feature waren, konnte man diese auch noch um 180 Grad drehen. Sie eignete sich also für Selfies und Schnappschüsse. Sony bewarb das „Picturebook“ dann auch als ideale Begleitung für Leute, die ihre Reisen dokumentieren wollen.

Die passende Software gab es gleich dazu, mit der man Daten, Bilder und Medien auf einer Timeline ablegen konnte. Womöglich war die futuristisch gestaltete Software sogar Vorbild für Apples Time Machine. Blöd nur, dass die Bildqualität der Webcam sehr bescheiden und die Akkulaufzeit des Gerätes unterirdisch kurz war. Abhilfe schuf ein optionaler sehr teurer Akku mit doppelter Dicke und Kapazität. Da das Platzangebot der Base-Unit doch arg begrenzt war, entschied sich Sony für die Bedienung via Trackpoint, wie man ihn auch in IBM-Notebooks findet. Hinzu kam eine Spezialität, die seinerzeit in tragbaren Sony-Computer anzutreffen war: Ein kleines Drehrädchen in der rechten Rahmenkante, mit dem man durch Menüs scrollen sowie einen Mausklick simulieren konnte. Wie bei anderen Sony-Subnotebooks besaß auch das Vaio C1 kein internes CD-Laufwerk.

MacBook Air (2008)

Als das MacBook Air herauskam, erregte es vor allem Aufsehen durch die Möglichkeit, es in eine Versandhülle zu stecken. Es war die Flunder, eines der flachsten Notebooks überhaupt. Dabei hatte das erste MacBook Air beziehungsweise seine Anwender mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen: Der Prozessor war noch nicht wirklich schnell, Anschlüsse rar, eine hintergrundbeleuchtete Tastatur gab es auch nicht. Und es war sehr, sehr teuer. Trotzdem stellte Apple damit das Referenz-Design nicht nur für seine Notebook-Linie vor, sondern schuf auch die Vorlage für Intels Ultrabooks. Das MacBook Air ist heute das erfolgreichste Notebook von Apple. Wer hätte das damals bei der Vorstellung gedacht?

IBM ThinkPad W700ds (2008)

Bildschirmfläche kann man nie genug haben. Das dachte sich wohl auch Lenovo bei der Entwicklung des ThinkPad W700ds. Das bewarb der Hersteller nämlich als erste „Dual-Screen-Workstation“. Tatsächlich kam neben einem 17 Zoll Display ein ausziehbarer zweiter Bildschirm zum Einsatz. Der hat allerdings nur eine Größe von 10,6 Zoll. Offensichtlich war das Modell vor allem für Grafiker gedacht, wofür die Farbkalibration und das neben dem Touchpad integrierte Grafiktablett von Wacom sprechen.

Toshiba Libretto W105 (2010) und Acer Iconia 6120 (2010)

Wie wäre es, statt der Tastatur ein Touchdisplay zu verbauen? Diese Idee setzte unseres Wissens Toshiba als erster Hersteller um, bevor Acer mit dem Iconia 6120 später im gleichen Jahr nachzog. Erfolgreich waren beide Modelle nicht. Der Toshiba Libretto W105 erschien 2010 noch vor Windows 8, und bot zwei 7-Zoll-Touchscreens. Eine Besonderheit: Beide Screens boten haptisches Feedback, welche das Tippen erleichtern sollte.


Lenovo Yoga (2012)

Convertible-Rausch: Durch Windows 8 inspiriert, experimentierten etliche Hersteller mit Convertibles, Zwitterwesen von Notebook und Tablet. Viele Experimente verschwanden größtenteils berechtigt wieder vom Markt, wie das Aspire R7 von Acer. Dessen ungewöhnliches Scharnier konnte zwar überzeugen, nicht aber die Design-Entscheidung, das Touchpad hinter die Tastatur zu legen. Die bessere Entscheidung wäre wohl gewesen, das Touchpad ganz verschwinden zu lassen. Sei es drum, ein Modell stach aus der Masse heraus und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit: Das Lenovo Yoga. Das 360-Grad-Scharnier sorgt für eine flexible Aufstellung und schränkt die Notebook-Funktionalität nicht ein. Gewöhnungsbedürftig fand ich hingegen, dass man im Tabletmodus die – deaktivierte – Tastatur statt einer schmeichelnden glatten Rückseite in der Hand hält. Vom ersten Yoga gab es zwei Modelle, mit 13 Zoll und Windows 8 sowie 11 Zoll und Windows RT. Aktuelle Yoga-Modelle findet man bei uns im Shop.

Chromebook Pixel (2013)

Mit Google Chrome betrat ein neues Betriebssystemkonzept die Bühne, das sich anschickte, den Platzhirschen die Stirn zu bieten. Das System zeigt sich bei den Hardware-Anforderungen genügsam und erlaubt es, gut ausgestattete Notebooks zu günstigen Preisen herzustellen. Dass es nicht nur billig geht, wollte Google selbst mit dem Chromebook Pixel beweisen. Es bot erstmals ein hochauflösendes 12-Zoll-Touchdisplay, womit es Apple (Macbook) und Microsoft (Surface Pro 3) zuvor kam. Besonders praktisch war das 3:2-Seitenformat. Während das Design des Notebooks überzeugen konnte, ist das Konzept von Chrome bis heute umstritten: Ein Betriebssystem, das vor allem auf Cloud-Anwendungen basiert und damit munter Google mit Daten füttert? Zusammen mit dem hohen Preis war dem Chromebook Pixel kein Erfolg beschieden und Google verschenkte Geräte auf einer Entwicklerkonferenz an die Teilnehmer. Das hielt Google allerdings nicht davon ab, dieses Jahr einen verbesserten Nachfolger anzubieten. Der bietet sogar USB-C-Ports, allerdings war hier Apple einen Tick schneller. Derzeit sind Googles Chromebooks in Amerika erhältlich, während hierzulande lediglich preiswerte Modelle anderer Hersteller erhältlich sind.

Microsoft Surface Pro (2013)

Vom Start weg viel Interesse hat das Surface Pro erregt, mit dem Microsoft den Sprung zum PC-Anbieter wagte. Die Surface-Linie diente Microsoft als Showcase für Windows 8 sowie seinerzeit noch für Windows RT und versuchte, die verschiedenen Bedienmöglichkeiten von Windows 8 in einem Gerät anzubieten: Toucheingabe, Stiftbedienung, mit Tastaturcovern klassische Tastatureingabe und Touchpad-Bedienung. Mit dem Surface Pro 3 wurde das Gerät erwachsen und erfreut sich seitdem größerer Anerkennung. Die vielleicht wichtigste Änderung gegenüber den Vorgängergeräten ist der Bildschirm mit 12 Zoll, der durch sein anderes Seitenformat sehr viel besser für die produktive Arbeit geeignet ist als die zuvor verwendeten 16:9-Bildschirme.

Asus Taichi (2013)

Innovativ ist es ja, das Asus Taichi: Statt Deckel besaß das Notebook ein zweites Display. Wie es sich für ein Convertible gehört, mutiert das extravagante Gerät zum Tablet. In diesem Fall muss man einfach nur das Notebook zuklappen und nutzt dann eben das Touchdisplay im Deckel. Aufgeklappt lässt sich das Taichi mit seinem matten Innendisplay als normales Notebook nutzen. Auf Wunsch kann der Anwender Bildschirminhalte auf das Außendisplay spiegeln oder beispielsweise Filme abspielen lassen. Asus hatte dann auch gleich eine Idee für ein mögliches Szenario: Die Mutter arbeitet am Notebook, das Kind schaut auf dem Display einen Film. Was dafür spricht, dass Asus verzweifelt auf der Suche nach einem Anwendungszweck für das ungewöhnliche Gerät war. Für notebookjournal.de testete ich das 11,6-Zoll sowie 13-Zoll-Gerät und man erfährt, warum mich das Taichi beinahe in den Wahnsinn getrieben hat. Asus hatte ein Einsehen und stellte die Taichi-Serie inzwischen ein.

Alienware 13 (2014)

Leistungsfähige Gaming-Notebooks sind meist groß, schwer und klobig, was vor allem an der benötigten Grafikkarte liegt. Stichworte: Abwärme und Stromverbrauch. Alienware löste das Problem, indem das Notebook nur eine mittelprächtige mobile Grafikkarte spendiert bekommt. Um trotzdem die gewünschte Leistung zu liefern, lässt sich eine optionale externe Box, den „Alienware Grafikverstärker“, an das Notebook anschließen, die man mit einer Desktop-Grafikkarte bestücken kann. Damit stellt auch die spätere Aufrüstung kein Problem dar, sofern die Grafikkarte nicht mehr als 375 Watt zieht.

Diese Liste ist weit davon entfernt, alle erwähnenswerten innovativen Notebooks aufzuführen. Welches Gerät haben wir vergessen oder vernachlässigt, das unbedingt dabei sein sollte? Wir freuen uns über Kommentare und Ergänzungen.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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5 Kommentare auf "Retromania: Zehn innovative Notebooks von 1989 bis heute"

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Nur 2 alte Geräte? So wirklich innovativ finde ich die meisten Geräte da nicht. Hohe Auflösung hat doch wenig mit Innovation zu tun, da war wohl eher das OS ein anderer Weg, und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Beim Vaio ist die Kamera sicher eine witzige Idee, da kann man wohl von Innovation sprechen. Der „Maussimulator“ hingegen war nicht so innovativ, schließlich gab es ähnliches schon. Zum Beispiel beim Compaq LTE Elite. Da gab es zumindest einige, die einen Trackball neben dem Display hatten. Wie es scheint sehr beliebt in Russland, zumindest finden sich Bilder auf vielen russisch-sprachigen Seiten,… Read more »
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Danke für den Hint mit dem Asus Taichi! Genau das brauche ich bei uns im Wasserbett Studio! Habe schon lange nach Möglichkeiten gesucht, aber diese geniale Idee hatte ich noch nicht!

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Ick fand det Asus Eee janz innovativ. Hat det janzen Netbook Wahn anjefangen.

Tschüssi

wie immer…euer Larry!

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Hi Marcel!
Lange nicht vorbeigeschaut hier, sorry ^^

Man kann wohl kaum alle Note-, Net-, Sub-, Power- und Sonstwas-Books kennen 😉 Das Apple-Gerät kenne ich jedenfalls nicht. Ich weiß auch nicht, ab welcher Version Compaq den Trackball neben das Display gesetzt hat. 1989 kam das erste LTE Elite, also noch vor dem PowerBook. Und was ich ja eher erwähnenswert fand, war die Tatsache, dass Compaq den Trackball nicht unter die Tastatur gepackt hat.

Das Taichi fand ich eine tolle Idee, die leider durch die Umsetzung stark gelitten hat. Verschenktes Potential 🙁

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