Sennheiser Momentum 4 Wireless: Mein Fazit nach 3 Monaten

Sennheiser Momentum 4 Wireless: Mein Fazit nach 3 Monaten

Neues Design, überarbeitete App und eine sehr lange Akkulaufzeit – die Momentum 4 Wireless machen eine ganze Menge anders als der Vorgänger. Nach knapp drei Monaten im Alltag weiß ich aber, dass der eigentliche Star im Ensemble ein anderer ist. Welcher genau, erfährst du in meinem Erfahrungsbericht.

Radikaler Designwechsel der Momentum 4 Wireless hat Gründe

Fangen wir direkt mit dem Elefanten im Raum an. Das Design. Zugegeben, ich bin ein großer Fan vom edlen Retro-Look des Vorgängers mit dem schicken Metallbügel, sichtbaren Kabeln und echtem Leder. Beim Momentum 4 Wireless (M4W) vollführt Sennheiser hingegen eine radikale Kehrtwende, aber warum? Mit dieser Frage konfrontiere ich noch vor dem Test direkt Christian Ern, den verantwortlichen Produktmanager von Sennheiser für den M4W.

Er erzählt mir, dass es für diese Entscheidung beim Entwicklungsprozess des Kopfhörers mehrere gute Gründe gab. Da wäre als Erstes die Touch-Steuerung, die mit der Bügelaufhängung des Vorgängers nicht möglich gewesen ist. Die Bügel haben zudem eine optimale Platzierung der Mikrofone verhindert und Sprachaufnahmen beeinträchtigt. Neben den aus technischer Sicht logischen Veränderungen will Sennheiser mit den M4W analog zu Sony, Bose und Co. aber ganz simpel auch eine größere Kundschaft ansprechen. Mit meinem Faible für den Vintage-Look bin ich also nur eine kleine Tech-Bubble-Randgruppe im Vergleich zur großen Mehrheit, die ein alltagsfreundlicheres Design favorisieren dürfte.

Sennheiser mit Gespür für feine Details

Das wird auch schnell klar, als ich meine Frau frage, wie sie die Momentum 4 Wireless optisch findet. „Total schick“, stellt sie ohne große Umschweife fest. Die Vorgänger sind ihr hingegen etwas zu „speziell“. Trotzdem schade um den Wiedererkennungswert. Im Gespräch mit Christian werden zudem noch weitere Feinheiten deutlich. So hat man in der Mitte des ausziehbaren Kopfbügels eine kleine Delle gelassen. Da ist es wieder, dieses warum? Kein Wunder, handelt es sich nämlich um ein Detail für eine Zielgruppe, zu der ich zum Glück (noch) nicht gehöre. Die R&D-Abteilung von Sennheiser hat festgestellt, dass viele Menschen einen „kleinen Huckel“ in der Mitte des Kopfes haben, für den genau diese Stelle ausgespart wird.

Den Huckel erfühle ich zwar just in diesem Moment, dank etwas Haar auf dem Kopf habe ich aber auch mit normal geformten Kopfbügeln keine Probleme. Wie gesagt: Noch. Sennheiser setzt übrigens auf eine sehr weiche, gummierte Polsterung. Die austauschbaren Ohrpolster sind hingegen aus einem Kunst- bzw. Protein-Leder. Damit schmiegen sie sich besonders angenehm an den Kopf, das Material wirkt aber nicht so hochwertig wie das echte Leder der Vorgänger. Für mich geht Tragekomfort jedoch vor – und der ist über jeden Zweifel erhaben. Selbst nach mehreren Stunden vor dem PC drückt es an keiner Stelle und auch der Anpressdruck lässt sich von schnellen Kopfdrehungen nicht beirren. Im Gegensatz zu den Ei-förmigen Ohrmuscheln der PXC 550-II Wireless (Test), die immer noch etwas Justierbedarf nach dem Aufsetzen erfordern, sind die Ohrmuscheln der M4W für meine Ohren optimal geformt und die Gelenke angenehm leichtgängig.

Dank ovaler Ohrmuscheln sitzen die M4W angenehmer als das Business-Pendant PXC 550-II

Momentum 4 Wireless ist sofort startklar

Öffnet man das Hard-Case der ANC-Kopfhörer zum ersten Mal, erkennt man ebenfalls die Sorgfalt und Gedankengänge, die in die Momentum 4 Wireless geflossen sind. Und das ist nicht nur der Fall, weil es sich hier nicht um einen Kopfhörer-Kini handelt. Sennheiser platziert Aufkleber auf den Ohrmuscheln und zeigt so nicht nur direkt alle wichtigen Touch-Befehle, sondern leitet mich via QR-Code auch an die neue Smart Control App im Apple oder Google Play Store weiter.

Laut Christian Ern war man bestrebt, nicht mehr als 15 Sekunden vom ersten Auspacken bis zur Nutzung verstreichen zu lassen. Ich habe nicht gemessen, aber die Koppelung mit dem Smartphone klappt schnell und reibungslos – auch ohne App. Die Installation von Smart Control ist trotzdem sinnvoll, denn es bietet ziemlich coole Funktionen. Das fängt schon bei der schrittweisen Ersteinrichtung an, die für viele technisch nicht so versierte Nutzende sicherlich sehr hilfreich ist. Es gibt aber noch weitere Features. Mit dabei ist ein Equalizer, der laut Ern demnächst von drei auf fünf Bänder ausgebaut wird.

Neue Smart Control App ist modern, praktisch und setzt auf coole Features

Neben den klassischen Presets sowie einem Bass-Boost- und Podcast-Modus ist das erste wirklich neue Feature der App der Sound Check. Wie er funktioniert? Indem man sich schrittweise zum bevorzugten Klangprofil tastet. Man hört Musik und wählt in jedem Schritt aus drei unterschiedlichen Presets aus, bis man am Ende beim am besten zum aktuellen Genre passenden Preset angelangt ist. Cooles Feature, aber eine Registrierung ist dafür notwendig. Für einige vielleicht interessant: Die Speicherung der Daten wird via Microsoft Azure abgewickelt. Bei Angabe eines EU-Landes werden die Daten DSGVO-Konform auf Servern im Europäischen Wirtschaftsraum gespeichert.

Das gilt auch für die von Sennheiser neu eingeführten Soundzonen. Konkret handelt es sich dabei um Klangeinstellungen, die auf Basis der Geo-Location bzw. aktuellen Position vorgenommen werden. Das Ganze funktioniert wie folgt: Man legt für bestimmte Gebiete wie das Zuhause, den Arbeitsstandort oder das Fitnessstudio eigene Zonen fest. Diese bis zu 20 Zonen werden mit unterschiedlichen ANC- und Klang-Modi verknüpft. So kann man bspw. einstellen, dass mit dem Betreten des Büros der ANC-Modus auf Transparenz wechselt.

Beim ANC bietet der Momentum 4 Wireless abseits von der Intensität zwischen ANC und Transparenz ebenfalls diverse Möglichkeiten. So gibt es einen adaptiven ANC-Modus, aber auch eine Windgeräuschreduzierung. Parallel dazu kann festgelegt werden, dass bei voller Transparenz die aktuelle Wiedergabe pausiert wird. Für Telefonate ist das Sidetone-Feature relevant. Damit lässt sich die Wahrnehmung der eigenen Stimme in Telefonaten regulieren, was je nach Geräuschkulisse der Umgebung nützlich sein kann.

Die App „Smart Control“ hat nicht nur ein optisches Update, sondern auch neue Funktionen bekommen

Die ANC-Kopfhörer verfügen ebenfalls über eine Smart-Pause-Funktion und eine On-Head-Erkennung. Anrufe und Wiedergaben werden also automatisch gestoppt, wenn man den Kopfhörer abnimmt. Gleichzeitig werden Anrufe automatisch angenommen und die Wiedergabe wird fortgesetzt, wenn man sie aufsetzt. Das klappte im Alltag übrigens einwandfrei. Eine Sleep-Funktion schont parallel den Akku. Die App ist nicht nur schick und modern, sondern auch performant und logisch in Kacheln aufgebaut. Wenn ein Feature nicht gebraucht wird, lässt sie die jeweilige Kachel einfach deaktivieren.

Automatisches Einschalten ist mein Game-Changer

Das klingt alles schon ziemlich gut, aber wie komfortabel die Momentum 4 Wireless den Alltag wirklich machen, merkt man erst, wenn man sie täglich nutzt. Sennheiser hat das mir bekannte Fold-Control Feature der PXC 550 nämlich auf ein neues Level gehoben. Das ständige Einschalten via Power-Button war sowieso schon von vorgestern. Die Ohrmuscheln müssen jetzt aber nicht mal mehr gedreht werden, damit sich der ANC-Kopfhörer einschaltet. In die Hand nehmen, sie gehen an und verbinden sich. Fertig. Klingt simpel – ist aber einfach genial und für mich ein echtes Killer-Feature.

Wenn man die Momentum 4 Wireless in die Hand nimmt, werden sie automatisch aktiv

Einen Power-Button hat der M4W zwar trotzdem noch, du benötigst ihn allerdings nur, wenn du den ANC-Kopfhörer mit einem neuen Gerät koppeln oder dediziert herunterfahren möchtest. Denn selbst am nächsten Tag erwacht er nur durch haptische Erkennung und verbindet sich mit dem jeweiligen gekoppelten Endgerät in der Nähe.

M4W auch im Business-Alltag nahtlos nutzbar

Ich wurde auf Facebook gefragt, wie gut sich der M4W im täglichen Meeting-Getümmel schlägt. Er sorgt zumindest erstmal für komische Blicke, denn bei der weißen Version auf weißem Hintergrund lässt Teams die kompletten Ohrmuscheln verschwinden. Haben sich die Meeting-Teilnehmenden an den „flachsten ANC-Kopfhörer“ der Welt gewöhnt, kann der Sennheiser M4W nicht nur mit einer (laut diversen Kolleg*innen) guten Sprachverständlichkeit in Meetings punkten (siehe Beispiel), sondern harmoniert auch so einwandfrei mit der Software.

Testaufnahme: Sennheiser Momentum 4 Wireless via ASUS PCE-AX3000

So wird ein Anruf via Teams am PC automatisch angenommen, wenn man den Kopfhörer in die Hand nimmt und aufsetzt. Ebenfalls praktisch: Musik wird bei einem eingehenden Anruf pausiert und nach dem Auflegen fortgesetzt. Ich bin während eines Calls sogar zur Haustür gegangen, um ein Paket entgegenzunehmen. Dabei wurde die Verbindung – übrigens an der gleichen Stelle im Haus wie bei allen Kopfhörern bisher – zwar kurz unterbrochen, aber als ich wieder am PC saß, wurde der M4W automatisch verbunden und der Call fortgeführt. Ebenfalls angenehm: Alle Befehle und Touch-Eingaben werden auch am PC von einer Sprachausgabe begleitet. Selbst die Erkennung der Multi-Touch-Gesten für ANC- und Transparenz-Modus klappt ohne Probleme.

Blöd, wenn man das Foto mit der Seite macht, an der es gar keine Touchfläche gibt

Bedeutet unterm Strich, dass die Momentum 4 Wireless auch im Business-Umfeld eine einwandfreie Audio-Option darstellen. Dafür sorgt gleichzeitig die sehr lange Akkulaufzeit von 60 Stunden, die im Alltag tatsächlich erreicht wird. Die verbleibende Laufzeit ist entweder über die App oder 5 LEDS an der rechten Ohrmuschel einsehbar. Voll geladen wird via USB-C in zwei bis zweieinhalb Stunden. Der Momentum 4 Wireless verfügt über Bluetooth-Multipoint und lässt sich mit zwei Endgeräten verbinden. Du kannst also dein Notebook und dein Diensthandy parallel mit dem ANC-Kopfhörer nutzen.

Präzises Klangbild mit leicht betontem Bass und App-Justierung

Und wie steht es um den Klang? Hier macht Sennheiser ebenfalls keine Abstriche. Die Abstimmung von Tiefen, Mitten und Höhen ist eher neutral, wobei Tiefen minimal stärker als die Höhen akzentuiert sind. Die Tonleiter wird durch die Bank sehr akkurat getroffen und die Abschirmung ist – wie es sich für einen ANC-Kopfhörer gehört – sehr gut. Wer möchte, kann das Klangbild wie beschrieben über die App und den integrierten Equalizer oder den Sound Check nach Belieben an den eigenen Geschmack anpassen.

Enjoy the silence

Als modernster Codec ist aptX Adaptive mit von der Partie. Am Smartphone muss allerdings darauf geachtet werden, dass der Codec auch automatisch aktiv ist – und nicht SBC. Das war bei meinem OnePlus 10T (Test) nicht der Fall und musste von mir erst in den Bluetooth-Optionen eingestellt werden, kann aber je nach Smartphone und Hersteller variieren.

Das ANC überzeugt im Alltag ebenfalls und kann vor allem Höhen besonders souverän ausblenden. Unterwegs sind nur sehr tiefe Töne wie im Bus oder das Schließen der S-Bahn-Türen noch wahrnehmbar. Kommt Musik dazu, sind Umgebungsgeräusche kaum mehr hörbar. Übrigens: Es ist zwar nicht der Einsatzzweck, der dem ANC-Kopfhörer gerecht wird, aber auch als Gehörschutz beim Arbeiten mit der Flex oder Stichsäge macht der M4W eine gute Figur.

Auf Socken im Haus und ohne Musikwiedergabe ist mir ein leichter „Tritthall“ aufgefallen, was allerdings auch mit meinem festen Auftritt zusammenhängen und somit je nach Träger*in unterschiedlich ausfallen kann. Mit Schuhen, Musik und draußen unterwegs war dieser so gut wie nicht mehr wahrnehmbar. Falls du hier sensibel bist, hilft nur ein Probehören vorab.

Sennheiser Momentum 4 Wireless: Nicht nur meine neue Komfort-Referenz

Was bleibt also zu sagen? Ich finde die neuen Momentum 4 Wireless absolut empfehlenswert. Dabei geht es für mich primär gar nicht um die sehr gute Soundqualität, den einwandfreien Tragekomfort und die tolle Akkulaufzeit, sondern vor allem um die herausragende Usability und den Alltagskomfort, der bei Kopfhörern oft unterschätzt wird. Meetings, Musik, die Kopplung mit mehreren Geräten: Alles geht nahtlos ineinander über und benötigt dank kleinen automatischen Helfern kaum manuelles Eingreifen. Die vorbildliche App wartet zudem mit sehr viele nützlichen und praktischen Features auf.

Klar, mit knapp 330 Euro* ist der M4W nichts, was man mal nebenbei in den Warenkorb legt. Bedenkt man, wie flexibel und reibungsarm sich der ANC-Kopfhörer in Alltag und Berufsleben integrieren lässt, lohnt sich die Investition aber. Das gilt vor allem dann, wenn man wie ich oft zwischen Meetings hin und her springt und dazwischen, aber auch unterwegs, viel und gerne Musik hört.

Das neue Design bleibt Geschmackssache, dürfte nun jedoch vermutlich mehr Frauen ansprechen. Es bietet aber gleichzeitig weniger Wiedererkennungswert und ohne sichtbares Metall macht der M4W einen nicht ganz so hochwertigen Eindruck wie der Vorgänger, ist mit 291g aber auch etwas leichter. Der melierte Stoffbezug und die weichen Polster sind haptisch über jeden Zweifel erhaben, die Verarbeitung zudem tadellos.

Die Sennheiser Momentum 4 Wireless sind Business Casual

Die größte Einschränkung haben in meinen Augen Linkshänder, denn eine Touch-Fläche gibt es nur auf der rechten Seite. Eine Anpassung der Steuerung ist im Gegensatz zu den Frisur-freundlicheren Momentum True Wireless 3 (Test) in der App also leider nicht möglich.

Technische Daten: Sennheiser Momentum 4 Wireless
Bauform Over-Ear (geschlossen)
Wandler 42mm
Frequenz 6 Hz bis 22 kHz
Anschluss USB-C
Übertragungstechnik Bluetooth 5.2
Audiocodec aptX
aptX Adaptive
AAC
SBC
Sprachassistenten Siri, Google Assistant
Profile A2DP, AVRCP, HFP
IP-Zertifizierung Hörer: IPX4
ANC / Tranparent Hearing ja
Wear Detect/Smart Pause ja
App-Unterstützung ja
Touch-Bedienung ja
kabelloses Laden nein
Akkulaufzeit Kopfhörer: bis zu 60 Stunden
Ladezeit 4h Playtime in 5 Minuten
100% in 120 Minuten
Abmessungen (Case) Hörer:
Ladeschale: 5,9 x 4,2 x 3,4 cm
Material Kunststoff, Protein-Leder
Gewicht Hörer: jeweils 5,8g
Ladeschale: 66,4g
Preis (UVP) 329 Euro*
Sennheiser bei uns im Shop

Stand: 07.12.2022

Veröffentlicht von Alexander

Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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