Start Me Up: Die Geschichte von Windows, Teil 1

Gates-Microsoft
Mit Windows 10 steht die neueste Version des erfolgreichsten PC-Betriebssystems zur Verfügung. Ein guter Grund, um kurz durch die Zeit zu reisen: Von den Anfängen 1985 bis in die Gegenwart. In zwei Teilen zeichnen Anton, Marcel und Robert die wechselhafte Geschichte von Windows nach.

Windows 1: Anfangsschritte (1985)

WIN.COM, das ist keine Internetadresse, sondern der Befehlssatz, mit dem sich unter MS-DOS Windows 1 starten ließ. Mit der grafischen Oberfläche sollten Anwender ab November 1985 den Spickzettel mit den Eingabebefehlen für die DOS-Kommandozeilen in der Schublade verschwinden lassen können. Doch mit einem für DOS ausgelegten PC ließ sich Windows nicht so einfach verwenden. Man musste Hardware wie Maus und Grafikkarte kaufen und installieren, was damals nur wenige taten. Obwohl der Lieferumfang mit MS-Write, Paint in Schwarz-Weiß, Taschenrechner, Notizblock, Uhr und sogar einer Kreditkartenverwaltung gut gefüllt war.

Windows 2: Apple klagt (1987)

Windows 2
So kam Windows 2 nur zwei Jahre später auf den Markt und sollte mit neuen Funktionen wie Multitasking, der Tabellenkalkulation Excel, Warntönen aus PC-Lautsprecher (Soundkarte vorausgesetzt) und individueller Anpassung der Fenstergrößen mehr Nutzer ansprechen. Da die meisten Anwendungsprogramme immer noch unter DOS liefen und nicht für Windows optimiert wurden, fehlte trotzdem vielen PC-Anwendern der Anreiz zum Kauf der grafischen Oberfläche. Stattdessen fing sich Microsoft eine Urheberrechtsklage von Apple ein. Manche Dinge ändern sich halt nie. Die Beschuldigung: Das Look and Feel der Benutzeroberfläche sei vom Macintosh kopiert worden. Das Verfahren ging zugunsten Microsofts aus und zog sich bis 1992 hin. In der Zwischenzeit veröffentlichte Microsoft mit Windows 3.0 die nächste Version der grafischen Oberfläche.

Windows 3: Willkommen bei Paintbrush (1990)

Windows 3 kam im Mai 1990 auf den Markt. Anders als bei Windows 1 und 2 verkaufte Microsoft nur noch eine Version, die mit vielen Prozessoren kompatibel war, und nicht mehrere. Praktisch bei Hardware-Upgrades, auch wenn sie damals nicht so üblich waren wie heute. Neu waren auch eine vereinfachte Netzwerkadministration, ein Datei-Manager mit Doppelklick-Unterstützung, 3D-Schaltflächen und farbige Icons. Aus Paint wurde Paintbrush (nun in Farbe), allerdings nur bis Windows 95. Argumente für mehrere Millionen Anwender, sich Windows 3 vorwiegend für den Business-Einsatz zuzulegen.

Windows 3.1: 32-Bit und Multimedia (1992)

Angespornt vom Erfolg von Windows 3.0 veröffentlichte Mirosoft Windows 3.1 schon im März 1992. Obwohl die Versionsnummer eine Architektur-Verwandtschaft zu Windows 3.0 suggeriert, unterscheiden sich die beiden Windows-Ausführungen stark voneinander. So liefen Programme für Windows 3.0 nicht unter 3.1 und andersrum. Mit Windows 3.1 war es erstmals möglich, 32-Bit-Programme auszuführen. Außerdem fanden unter anderem Drag and Drop und Vektor-Schriften Einzug in Windows. Für Privatanwender war Multimediaunterstützung nun standardmäßig integriert. Anfang 1994 veröffentlichte Microsoft mit Windows 3.11 ein kostenloses Update mit aktualisierten Treibern – quasi das erste Service Pack für Windows.

Windows 95: Start me Up (1995)

Windows 95 brachte im Sommer 1995 den legendären Start-Knopf: Passend dazu kaufte Microsoft für seine Werbung den Rolling-Stones-Titel „Start me up“ ein. Die Verhandlungssumme betrug angeblich 3 Millionen US-Dollar, mit der sich der erst verweigernde Mick Jagger überzeugt wurde, den Titel herauszurücken. Auch die Startmelodie überließ man keinem Unbekannten, denn Brian Eno produzierte beispielsweise U2, Coldplay und David Bowie. Angeblich musste er sich allerdings mit einem Salär von 35.ooo US-Dollar für den exklusiv komponierten Track zufrieden geben.

Windows 95 basierte zwar wie Windows 3.1 nach wie vor auf DOS und benötigte dessen Routinen, versteckte es aber besser und war tatsächlich ein riesiger Sprung gegenüber dem Vorgänger. Unter anderem unterstützte das Betriebssystem 32-Bit und brachte präemptives Multitasking mit. Ohne Macken war Windows 95 allerdings nicht. Neben den bekannten Bluescreens hatten manche Anwender (ich zum Beispiel) öfter mit einem zerschossenen Betriebssystem zu tun. Probleme bereitete auch die nachträglich hinterhergeschobene USB-Unterstützung.

Windows 98 und 98 SE: Reifeprüfung (1998)

Ein kleiner Schritt für die Anwender: Windows 98 erschien knapp drei Jahre nach dem Vorgänger im Sommer 1998 und brachte auf den ersten Blick wenige Neuigkeiten. Unter der Haube nutzten nun mehrere Prozesse 32-Bit und das Betriebssystem brachte von Haus aus eine gut funktionierende USB-Unterstützung mit. Letztere wurde mit Windows 98 Second Edition im Mai 1995 noch weiter verbessert. Hinzu kommt eine bessere Netzwerkunterstützung. Ganz unproblematisch war auch Windows 98 nicht und zeigte sich zuweilen recht absturzfreudig.

Windows 2000: Die Zukunft von Windows (2000)

Windows 2000 war die Weiterentwicklung der Windows-NT-Linie, die sich tatsächlich von DOS gelöst hatte und UNIX als Unterbau verwendete. Das Ergebnis war nach anfänglichen Schwierigkeiten beispielsweise mit Treibern ein äußerst solides und leistungsfähiges Betriebssystem, das schnell Freunde außerhalb der eigentlich angepeilten Business-Kundschaft fand. Meine persönlichen Erfahrungen mit Windows 2000 waren nach Windows 98 SE, mit dem ich nie warm wurde, sehr gut. Das neue System lief zuverlässig und stabil und ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass Windows erwachsen geworden ist.

Windows ME: Der Millenium-Bug (2000)

Zwei Jahre nach Windows 98 SE setzte die Millenium-Edition (Me) die 9x-Linie fort, Windows ME erschien im September 2000 für die Allgemeinheit. Großen Anklang fand die Version nicht. Sie nutzte immer noch im Unterbau DOS-Aufrufe und blieb in der Windows-Geschichte letztlich eine Fußnote. Die Zukunft sollte der NT-Linie gehören.

Link: Die Geschichte von Microsoft Windows, Teil 2

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Bilder: Microsoft, Wikipedia

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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