Surface Pro (2017) im Kurztest: Nur ein Refresh(?)

      Surface Pro (2017) im Kurztest: Nur ein Refresh(?)

      Im Mai dieses Jahr hat Microsoft mit dem Surface Pro (2017) ein Refresh des Surface Pro 4 vorgestellt. Eine neue Nummer gab es nicht, da die Änderungen laut Microsoft nicht umfassend genug waren, um eine ganz neue Generation auszurufen. Geändert hat sich aber dennoch etwas, daher schauen wir uns den neuesten Spross der Surface Pro Serie einmal genauer an.

      In Sachen Optik und Haptik hat sich tatsächlich nicht wirklich viel verändert. Das Magnesiumgehäuse ist gegenüber dem Surface Pro 4 bis auf wenige Details unverändert. So hat Microsoft lediglich die Kanten etwas abgerundet, damit es angenehmer in der Hand liegt. Displayrahmen, Tasten, Anschlüsse und die sonstige Haptik blieben aber unverändert.

      Größte Neuerungen gegenüber dem Surface Pro 4 sind die neuen Scharniere, die nochmals verbessert wurden, und dass das Surface Pro nun auch in der Core i5 Version mit passiver Kühlung erhältlich ist. Wer also ein besonders leises Gerät sucht, wird hier fündig, ohne auf die Leistung verzichten zu müssen. Dazu gibt es außerdem mehr Akkulaufzeit – bis zu 13,5 Stunden ruft Microsoft aus. Beim Surface Pro 4 war man mit 9,5 Stunden nicht ganz so optimistisch.

      Ein Punkt hat sich allerdings auch verschlechtert: Der Lieferumfang. Ein Surface Pen ist nun nicht mehr im Lieferumfang enthalten. Der Rest bleibt aber wie gehabt. Surface Pro nebst Netzteil und ein wenig Zettelwerk, das wars.

      Da sich am Gehäuse nicht allzu viel geändert hat nur ein paar Worte dazu. Das Scharnier wurde überarbeitet und bietet nun einen noch flacheren Winkel als im Vorgänger. Auch lässt es sich etwas leichter und exakter einstellen, es hat weniger Spiel direkt im Scharnier. Die Änderungen sind auch recht gut zu sehen, wenn man einen Blick hinein wirft. Dass Teile der Mechanik sichtbar sind gefiel mir auch schon bei den Vorgängern, und mit jeder Ausbaustufe setzt Microsoft hier noch einen drauf.

      Ansonsten hat sich haptisch nicht viel getan. Die Anschlüsse und deren Positionierung sind identisch, auch der Displayrahmen und die Abmessungen sind unverändert. Nur an den Kanten wurde wortwörtlich etwas gefeilt, die sind nun etwas stärker abgerundet als zuvor, damit es besser in der Hand liegt. Das macht es spürbar angenehmer, es in einer Hand zu halten.

      Surface Pro (2017) bei notebooksbilliger.de

      Kommen wir nun direkt zur Leistung und ob das lüfterlose Konzept im Core i5 Modell aufgeht. Schon im Surface Pro 4 konnte Microsoft das Kühlkonzept deutlich verbessern gegenüber dem Pro 3, auch eine erste passive Version auf Intel Core M Basis war mit dem Surface Pro 4 verfügbar.

      Die entscheidende Frage ist vor allem, ob es zu Throttling kommt – also ob der Prozessor bei Last den Grundtakt verringert um die Abwärme zu reduzieren. Das ist besonders dann interessant, wenn das System über einen längeren Zeitraum belastet wird, beispielsweise bei Foto- oder Videobearbeitung oder auch anspruchsvoller 3D-Bearbeitung.

      Dazu lief eine Reihe von Tests, angefangen beim Klassiker Prime 95 über AIDA64 bis hin zu einem größeren Adobe Premiere Projekt. Zur Protokollierung lief im Hintergrund HWInfo mit, das die Taktung der CPU aufzeichnet und auch die Temperaturentwicklung im Auge behält.

      Hier noch einmal schnell die technischen Details meines Testgeräts in der Übersicht:

      • Prozessor: Intel Core i5-7300U, 2×2,4GHz, TurboBoost bis zu 3,5Ghz
      • RAM: 4GB DDR3
      • Grafik: Intel HD Graphics 630
      • Speicher: 128GB PCIe SSD
      • Display: 12,3″ Pixelsense Touchscreen, 2736 x 1824 Pixel (267PPI), Surface Dial Kompatibel
      • Gewicht: 768g
      • Kamera: 5MP Frontkamers, 8MP Hauptkamera Rückseitig, Windows Hello Support
      • Wireless: WLAN nach 802.11a/b/g/n/ac Standard, Bluetooth 4.0
      • Anschlüsse: 1x USB 3.0, MicroSD Card-Slot, Mini DisplayPort, 3,5mm Klinkenanschluss, Surface Connect Port, Typecover Port
      • Audio: Stereo-Lautsprecher mit Dolby Audio Premium

      Wichtig ist hier vor allem noch einmal zu betonen, dass es sich nicht um eine Ultra-Stromspar-Version des Core i5 handelt. Diese Versionen werden durch ein Y in der Bezeichnung gekennzeichnet, wie beispielsweise der Core i5-7Y54 mit 4,5 Watt. Die U-CPUs der aktuellen Baureihe kommen so auch in „Normalen“ Notebooks zum Einsatz. Während der Core i5-7200U mit 2,4GHz als Basis taktet, liegt der 7Y54 bei lediglich 1,2GHz.

      Das macht die Passivkühlung umso interessanter, denn in der Theorie bedeutet das die Leistung eines Notebooks ohne nervige Lüftergeräusche. Die Frage aber ist, ob die Passivkühlung auch im Alltag sinnvoll ist oder es zu starkem Throttling kommt.

      Nutzt man das Surface Pro im Alltag, also ein wenig surfen, Musik hören, Videos streamen, Office Produkte etc. kann die CPU nonstop den Grundtakt halten und liegt auch häufig darüber. Der Intel Turbo Boost ist also bei Bedarf aktiv und kann so kurzfristig den Takt anheben, um Programme schneller zu starten oder Rechenintensive Aufgaben in kürzerer Zeit abzuschließen.

      Erhöht man seine Ansprüche, also bearbeitet man ein paar Fotos, schneidet vielleicht ein kurzes Video, oder ähnliches, hat es die CPU nicht mehr so leicht. Der Takt liegt im Schnitt beim Grundtakt von 2,4GHz, der Turbo springt nur hin und wieder mal ein. Die Temperaturen bewegen sich im Bereich von 60°C – steigen sie darüber, drosselt die CPU leicht herunter um die Temperatur zu senken. Im Durchschnitt verblieb der Takt allerdings bei rund 2,4Ghz. Hier gleicht der Boost das minimale Throttling komplett aus.

      Surface Pro (2017) bei notebooksbilliger.de

      Dauerhaft hohe Last, beispielsweise im AIDA64 Stresstest oder während ein sehr umfangreiches Video rendert, quittiert das System mit leichtem Throttling, um die Temperatur unter 60°C zu halten. Umso länger die Beanspruchung, desto stärker die zeitweise Drosselung. Nach gut einer Stunde Dauerbelastung lag der CPU-Takt im Schnitt bei 2,3GHz, mit Ausreißern nach unten auf bis zu 1,5GHz und Spitzenwerten von bis zu 3,5GHz.

      Gedrosselt wird also zeitweilig, allerdings überraschend wenig und auch nicht dauerhaft. Die Ausnahme bildet hier sehr aufwändiger Videoschnitt, der das System an seine absoluten Grenzen bringt.

      Angenehm ist aber bei jedem Szenario die Hitzeentwicklung. Die Rückseite wird oben mittig zwar spürbar warm, allerdings nicht heiß. Das dürfte nicht zuletzt auch der Limitierung auf etwa 60°C geschuldet sein. Nach gut einer Stunde Dauerbelastung konnte ich an der Wärmsten Stelle unterhalb der rückseitigen Kamera gerade einmal 42°C messen – auch das für ein komplett passiv gekühltes System ein guter Wert.

      Performance

      Die darf natürlich nicht fehlen, gerade auch im Hinblick auf das neue Kühlsystem. Um es kurz zu machen: Die üblichen Office und Business-Tasks laufen ohne zu murren, das System ist flüssig, auch nach mehreren Stunden Dauereinsatz hat es damit keine Probleme. Aber das sollte letztlich in dieser Geräte- und Preisklasse auch Standard sein.

      Eng wird es dann bei leistungshungrigen Tasks. Die können das System ganz schön fordern und benötigen einfach etwas länger. Premiere Pro lässt sich beispielsweise mühelos flüssig bedienen, allerdings benötigt das Rendern der Inhalte dann entsprechend länger. Unser Testvideo benötigte mit 1 Stunde und 55 Minuten ziemlich lange. Ein auf Videoschnitt ausgelegtes System benötigt dafür nicht einmal die Hälfte der Zeit.

      Ähnlich verhält es sich mit anderen rechenintensiven Tasks. Als Office-Werkzeug ist das Surface Pro schlicht nicht auf solche Aufgaben ausgelegt, sodass sie zwar laufen, aber letztlich nur eine Notlösung sind. Wer mehr Power benötigt findet im Surface Book die passende Alternative.

      Verglichen mit dem Vorgänger liefert es minimal mehr Leistung, wobei die Benchmarks sich hier nicht so ganz einig sind. In manchen liefert das Pro mehr Punkte, in manchen weniger. Der Schritt von Skylake auf Kaby Lake ist also weniger ein Performance-Sprung, denn ein Effizienz-Sprung. Weitere Tests erübrigen sich daher auch.

      Neu ist allerdings die SSD. Während im Surface Pro 4 eine Samsung SM951 werkelt, setzt man im Surface Pro auf die neue BGA SSD Samsung PM971. Diese ist weit kompakter und bietet selbst bei nur 128GB Kapazität schon einen sehr hohen Datendurchsatz – obwohl es sich um ein EMMC Modul handelt. Angebunden ist die SSD per PCIe und sie nutzt das NVMe Protokoll. Hinsichtlich der Leistung kann sie es nicht ganz mit der Samsung 960 PRO aufnehmen, dennoch merkt man im Alltag keinerlei Unterschied.

      Akkulaufzeit

      In der Kürze der Testphase ist es hier noch schwierig, eine klare Aussage zu treffen. Einen normalen 8-Stündigen Arbeitstag mit Surfen, ein wenig Office und Musik hören hielt es mühelos durch. Die 13,5 Stunden Videowiedergabe sind aber ziemlich optimistisch, eventuell klappt das mit deaktiviertem Funkmodul und minimaler Display-Helligkeit, was in der Praxis aber eher selten vorkommt.

      Im Work Benchmark unter PC Mark 8 variiert die Laufzeit je nach Einstellungen ziemlich stark. Bei reduzierter Helligkeit – ausreichend um in einem durchschnittlich beleuchteten Büro damit zu arbeiten – und im „Empfohlenen Energiestatus“ von Windows 10 erreicht es knappe 11 Stunden, im Modus „bessere Leistung“ mit etwa 50% Helligkeit nur noch knapp fünf Stunden. Alle Funkmodule waren dabei aktiv und der Surface Pen per Bluetooth gekoppelt.

      Fazit

      Dass das Surface Pro keine neue Nummer bekommen hat und auch nicht so richtig als Nachfolger der Pro 4 beworben wird ist nachvollziehbar. Die Änderungen sind nicht allzu spektakulär, aber dafür gut durchdacht. Die Leistung, Haptik und Qualität liegen auf einem Niveau mit dem Vorgänger, hier und da wurde ein wenig geschliffen.

      Surface Pro (2017) bei notebooksbilliger.de

      Highlight ist für mich aber die Passive Kühlung, die im Alltag ziemlich gut funktioniert. Gegenüber älteren Systemen mit Passivkühlung macht sich diese beim Surface Pro kaum bemerkbar – außer dass sie eben mit Abwesenheit eines Lüftergeräuschs glänzt. Bei alltäglichen Aufgaben kann der Core i5 sogar problemlos den Takt via Intels Turbo Boost erhöhen. Das Gehäuse wird dabei maximal Handwarm – spürbar wärmer wird es nur während starker, lang anhaltender Belastung. Doch selbst dann ist es mit rund 48°C noch vergleichsweise kühl.

      Was noch fehlt: Der überarbeitete Surface Pen und das neue Type Cover. Beide lagen mir zum Testzeitpunkt leider noch nicht vor.

      Die Frage, die sich der eine oder andere Surface Pro 4 Nutzer jetzt wahrscheinlich stellen wird: Soll ich Upgraden? In Kurz: Nein. Für den Großteil der Nutzer dürfte das Update wohl zu gering sein. Vor allem da es ja auch kein günstiges Gerät ist, das man jährlich tauscht.

      Wer aber Lüftergeräusche unter allen Umständen vermeiden will oder ein älteres Surface Pro nutzt: The Surface Pro is for you.

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      2 Kommentare auf "Surface Pro (2017) im Kurztest: Nur ein Refresh(?)"

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      Gast
      Siemens

      Ich würde sehr gerne das Produkt testen und anschließend einen Bericht über das Produkt und meine Testerfahrung verfassen.

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      Gast
      AT5

      Ich würde gerne mal wissen, wie die Haptik des Stiftes sich spontan anfühlt und wie nah sie dem Zeichnen auf einem Galaxy Note 10.1 kommt. [url=http://abload.de/image.php?img=monchleinwanddruckaufoqqol.jpg][imgcomment image[/img][/url]

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