T minus 3 Tage: Mit den Autos zur Abnahme

Gestern war der erste Tag seit unserer Ankunft hier in Mexiko, an dem wir nicht morgens wieder in mehrere hundert Kilometer entfernte Stadt aufbrechen mussten, das hieß aber nicht, dass wir uns auf die faule Haut legen und am Pool Cocktails trinken, obwohl das alles im Preis inbegriffen wäre.

Stattdessen lautete Plan, wie es die Überschrift bereits verrät, die Autos zur technischen Abnahme ins „Registration Park“ zu bringen. Ohne Registrierung und die technische Abnahme durch strenge Prüfer werden die Autos nicht für das Rennen zugelassen:

Bevor wir also in diesen „Registration Park“ sind, übrigens einfach ein abgesperrter großer Parkplatz, bin ich noch kurz mit Harald in die Innenstadt zur Bank, um Geld umzutauschen. Dabei habe ich eine Situation erlebt, die die etwas andere Sicherheitslage hier in Mexiko wieder bewusst werden ließ. Bis jetzt hatte ich nämlich noch keine Sekunde das Gefühl irgendwie unsicher oder bedroht zu sein, deshalb hatte ich schon etwas verdrängt, dass es in Mexiko etwas gefährlicher werden kann als bei uns in Deutschland. Harald hat also die Euros am Schalter abgegeben, allerdings mussten wir uns einige Minuten abseits des Schalters gedulden, bis ein Bankmitarbeiter die Pesos aus dem Tresor geholt hat. In dieser Zeit ging ein Einheimischer an den Schalter und kurz Zeit später auch wieder raus. Harald erschien er irgendwie verdächtig, so dass er ihm nach draußen gefolgt ist und geschaut hat, ob dieser Einheimische sich nicht um die Ecke versteckt und auf uns lauert, da er vermutlich gesehen hatte, wie viel Geld wir umtauschen wollten. Für deutsche Verhältnisse nicht viel, für einen Mexikaner allerdings schon. Kurze Zeit später kam er aber wieder rein und gab Entwarnung. Wenn ich alleine bei der Bank gewesen wäre, wäre ich niemals auf die Idee gekommen so etwas zutun. Das ist der Grund warum ich immer so gerne mit Harald unterwegs bin. Er kennt sich hier halt aus und erzählt mir unglaublich interessante Details über Land und Leute oder wie man sich zu verhalten hat, die in keinem Reiseführer stehen. Manchmal ist es so banales Zeug über irgendwelchen Pflanzen am Straßenrand oder aber auch hilfreiche Sachen wie, dass man in einer Bank besser keinen Hut und Sonnenbrille tragen sollte, falls man nicht mit einem Bankräuber verwechselt werden will, da die ja üblicherweise eine Kopfbedeckung bevorzugen, um nicht auf den Kameras erkannt zu werden wie man es an diesen Fahndungsfotos auch sieht:

Nachdem wir bei der Bank fertig waren, haben wir noch einen kurzen Abstecher zum Rathausplatz gemacht, um mir einen Hut zu kaufen. Dort haben wir diese wunderschöne Kapelle vorgefunden. Ich wäre gerne mal da rein gegangen, aber dafür blieb leider keine Zeit:

Im Registration Park angekommen, war noch keines der Autos aus unserer Truppe schon da, weshalb ich bei gefühlten 40 °C über den Platz geschlendert und promt ein anderes Team aus Deutschland mit ihrem schönen Corvette angetroffen habe:

Kurze Zeit später sind dann auch unsere Jungs & Mädels auf dem Platz eingetrudelt und haben mit der Schrauberei bei der Mittagshitze begonnen. Dass die nicht irgendwann einfach umgekippt sind, wundert mich ehrlich gesagt schon etwas, so viel wie ich schon geschwitzt habe, obwohl ich meistens nur durch die Gegend gerannt bin und die ganzen schönen Autos fotografiert habe:

Zum Mittagessen sind wir zurück ins Hotel gefahren und haben auf dem Rückweg unsere frisch eingetrudelten Piloten Tim Mälzer und seinen Co-Piloten Frank Meyer mitgenommen.  Die beiden waren von Anfang an sehr sympathisch und freundlich, müssen sie ja auch, weil sie außer uns hier niemanden kennen 🙂

Angekommen, mussten die beiden aber direkt mal zur Fahrer-Registrierung und zum kurzen Medizin-Check. Danach hat sich Tim aber nach kurzer Begutachtung von außen in seinen Rennwagen für die nächsten Tage gesetzt:

So wie er es erzählt hat, kennen die beiden das Auto kaum, weil ihre angesetzten Probefahrten mit dem Mustang am Sachsenring und in Spa von Pech und Pannen begleitet wurden. Dazu kommt noch, dass die beiden so gut wie keine Rennerfahrung haben, super Voraussetzungen also um mit einem 300 PS-Mustang an der La Carrera Panamericana teilzunehmen. Am Sachsenring ist das Auto nach drei Runden kaputt gegangen und in Spa wurde Tim von einer Wespe gestochen, sein Körper reagierte mit einem allergischen Schock und so durfte er statt eine Runde mit dem Mustang auf der Piste zu drehen, mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus.

Als die Mechaniker vorerst mit der Schrauberei fertig waren, sind die beiden in Begleitung eines Servicesfahrzeugs die morgige Qualifying-Strecke mit dem Mustang abgefahren. Konnte leider nicht dabei sein, weil ich zu dem Zeitpunkt, als die losgefahren sind, mit Harald im Supermarkt Wasser besorgen war.

Dazu noch eine kleine Anekdote: Hier in den warmen Gefilden Mexikos kann man wohl in jedem Supermarkt für kleines Geld einfache Kühlboxen aus Styropor kaufen. Dazu gibt es auch am Ausgang glücklicherweise Eis in 5kg Tüten zu kaufen. Jedenfalls stehe ich an der Kasse und ziehe den Einkaufswagen hinter mir her und hinter mir in ein junges Mädchen in ihrer Schuluniform, schätzungsweise 12 Jahre alt, will augenscheinlich den Einkaufswagen für mich schieben. Erst dachte ich, sie macht das weil sie vorbei will, aber als ich alle Sachen auf das Band gelegt hatte, rennt (!) sie einmal um die Kasse herum und hilft plötzlich beim Einpacken der Flaschen in die Kühlbox. Erst dann habe ich die Sache verstanden und beim Umsehen festgestellt, dass an jeder Kasse so ein Mädchen steht.  Sie machen das in der Erwartung auf einpaar Peso Trinkgeld. Als wir unser bezahltes Eis am Ausgang abholen wollten, mussten wir warten bis abgeschlossene die Kühltruhe durch das Personal aufgeschlossen wurde. Das Schulmädchen gab uns unser Eis und schloss die Kühltruhe wieder ab, das Personal war nämlich schon weg. Mich hat irgendwie beeindruckt, mit welchem Elan und Motivation sie das gemacht hat. Ich glaube, richtig angestelltes Personal zum Einpacken hätte das nicht mit dieser Motivation gemacht.

Als Tim & Frank von der Probefahrt zurück waren, war ich mal so frei und habe ihnen diesen Aufkleber an ihr Auto geklebt, weil es einfach so gut passt:

Wie man es auf dem Foto sehen kann, hat Tim es mit sehr viel Humor hingenommen. Unsere beiden Autos können erst heute zur Abnahme, sind gestern leider nicht mehr ganz fertig geworden, weil uns gestern mitgeteilt wurde, dass die Auto zwingend eine Feuerlöschanlage brauchen. Der Einbau hat teilweise gestern begonnen, heute wird es dann fertig gemacht. Wie eine Feuerlöschanlage im Auto aussieht zeige ich dann euch morgen, weil sonst dieser Post sonst zu lange wird. Bilder von den ganzen anderen Rennautos lade ich gleich hoch und dann könnt ihr sie in unserer Galerie finden.

(Alle Fotos mit einer Nikon Coolpix P7100 aufgenommen)

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Über Cihan Boz

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4 Kommentare auf "T minus 3 Tage: Mit den Autos zur Abnahme"

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Hallo Cihan,
jetzt wird es langsam ernst 🙂

Ist wirklich schön, dass du auch einiges über Land und Leute schreibst, so lernt man Mexiko besser kennen.

Viele Grüße,
Andy

P.S.: Den Wespenstich hat sich Tim doch „erst“ am Sachsenring zugezogen?! Die Rennstrecke ist 2 km von mir entfernt, hab leider erst davon gelesen als es vorbei war, hätte mir die Mustangs gerne mal angeguckt 🙂

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Hi Cihan,
grüß mal Manuel von mir!
Ich klemme heute seine Gartenpumpe ab, weil hier sind es keine 40 Grad (verdammt).

Viele Grüße
Bernd

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