TCL U55P6006 – 55″, UHD, HDR: 499 Euro?!

      TCL U55P6006 – 55″, UHD, HDR: 499 Euro?!

      Dass Fernseher immer günstiger werden, auch in großen Diagonalen, ist kaum noch eine Überraschung. Ein 55″ Fernseher mit 4K UHD Auflösung und HDR10 Unterstützung für unter 500 Euro ist dann allerdings schon eine Besonderheit – vor allem weil ihm ansonsten auch nichts fehlt. Ob der Fernseher die Erwartungen erfüllen kann, habe ich mir etwas genauer angesehen.

      Dass von einem Fernseher dieser Preisklasse keine Wunder zu erwarten sind, sollte bei einem Blick auf das Preisschild schon klar sein. Aktuell 499 Euro sind eine echte Kampfansage, aber auch das Datenblatt liest sich für diesen Preis sehr gut:

      • 55″ LED, 4K UHD Panel
      • Direct LED Backlight
      • Local Dimming, Area Dimming
      • Picture Quality Index (PCI) 1200
      • HDR10 Support
      • 3x HDMI 2.0b, HDCP 2.2, HDMI-CEC, HDMI-ARC (Audio-Return-Channel)
      • 2x USB 2.0, 1x Componen YPbPr), 3,5mm Klinke, 1x RJ45 LAN, 1x HF (DVB-T2), 1xZF Eingang (Sat)
      • DVB-T, DVB-T2, DVB-C, DVB-S, DVB-S2, Analog, CI+ 1.3 Slot
      • WiFI Integriert
      • HEVC/H.265 Support, DLNA
      • Smart-TV, HbbTV, Integrierter Mediaplayer (Video: AVI, MP4, TS, MKV, FLV Codec: MPEG1/2/4, H.263, H.264, H.265, VP8, VP9 Profile 1&2), Netflix, YouTube, Smartphone-Steuerung

      Soweit die groben technischen Daten. Die Ausstattung kann sich durchaus sehen lassen und auch mit deutlich teureren Geräten mithalten. Alternativ zum von mir getesteten Gerät in 55 Zoll gibt es auch noch kleinere und größere Modelle in 43, 49 und 65 Zoll. Bis auf die Diagonale sind die Geräte identisch, alle Modelle findet ihr hier.

      Beim Lieferumfang hat TCL sich allerdings auf das nötigste beschränkt: Neben dem TV selbst liegen die Standfüße, die Fernbedienung samt Batterien und ein 2-poliges Kaltgerätekabel bei. Anleitungen und Garantie-Zettelwerk sind natürlich auch dabei, wobei ich die Anleitung tatsächlich nicht benötigt habe.

      Aufbau und Einrichtung

      Der erste Schritt nach dem Auspacken. Zum Aufbau sollte man zu zweit sein und eine große, ebene Fläche parat haben, da man den Fernseher zunächst ablegen muss, um die Füße zu montieren. Hier hätte ich mir eine etwas hochwertigere Montage erhofft, aber da man das nur einmal macht, ist es zu verkraften. Nachdem die insgesamt vier Schrauben angezogen sind steht der TV sicher auf den beiden Füßen. Jetzt müssen nur noch die Kabel ran – in meinem Fall nur Strom und Netzwerk – und schon kanns losgehen. Die Anschlüsse sitzen alle auf der Rückseite und sind nach hinten ausgeführt. Eine extrem schlanke Wandhalterung könnte also ein Problem sein, hier solltet ihr vorher genau nachmessen.

      Die Ersteinrichtung ist dann auch ziemlich schnell erledigt, der TCL U55P6006 führt Schritt für Schritt durch die Einstellungen, sodass die Grundeinrichtung in wenigen Minuten abgeschlossen ist. Am längsten dauert noch der Sendersuchlauf. Die Verbindung per LAN-Kabel ist schnell erledigt, alternativ kann auch das integrierte WLAN genutzt werden. Hier fällt beim Eintippen des WLAN-Schlüssels schon auf, dass die Fernbedienung besser auf Eingaben reagiert, als beim zuletzt von mir getesteten TCL U55C7006. Aber zur Fernbedienung später mehr.

      Nach der Grundeinrichtung müssen dann nur noch die Apps eingerichtet werden, die man nutzen möchte – also beispielsweise YouTube oder Netflix. Beides ist kein Problem und könnte auch bereits über die Smartphone-Fernbedienung erledigt werden.

      Haptik & Verarbeitung

      Einmal ausgepackt und aufgebaut geht es ans Gehäuse. Die Rückseite besteht wenig überraschend aus Kunststoff. Auch einen Preis für den dünnsten Fernseher wird der TCL nicht gewinnen, aber mal im Ernst: Wie oft sieht man die Rückseite seines Fernsehers? Die Verarbeitung ist jedenfalls gut, der verwendete Kunststoff fühlt sich gut an und nichts klappert oder wackelt. Auch die Spaltmaße sind gleichmäßig.

      Von vorne betrachtet zieht sich nur ein dünner Rahmen um das Panel, der allerdings leider in Klavierlack-Optik ausgeführt ist. Also hochglänzend. Nicht unbedingt mein Favorit, egal bei was für einem Gerät, aber das ist ja wie immer Geschmackssache. Unten mittig sitzt dann noch eine Status-LED, die weiß leuchtet, wenn der TV aus ist oder kurz aufleuchtet, wenn ein Signal der Fernbedienung empfangen wird. Viel mehr gibt es zur Optik und Verarbeitung auch schon nicht mehr zu sagen – es ist ein schwarzes Rechteck, das zu über 90% aus dem Panel besteht.

      SmartTV & Software

      Ein Fernseher ist kein Fernseher, wenn er nicht das Wort „Smart“ enthält – sagen zumindest die Hersteller. TCL hat hier im Gegensatz zum teureren U55C7006 auf Android TV verzichtet und setzt ein eigenes, proprietäres System ein. Was dabei direkt auffällt: Die meisten europäischen Mediatheken sind zwar vorhanden, ein großer Name fehlt aber: Prime Video. Ansonsten gibt es reichlich Auswahl. Netflix, YouTube und die großen Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen sowie beispielsweise von Arte sind direkt abrufbar, im App-Store finden sich dann noch ein paar weitere Apps wie Redbull TV. Es gibt einiges an Auswahl, von den meisten habe ich zuvor allerdings noch nie etwas gehört.

      Im Gegensatz zu manch anderen proprietären Systemen lässt sich das Menü des TCL U55P6006 flüssig bedienen und es läuft insgesamt angenehm performant. Apps starten schnell und auch innerhalb der Apps gibt es keinen Grund zu meckern. Selbst UHD HDR Inhalte auf Netflix starten ohne Verzögerung, allerdings kann es je nach Internetverbindung natürlich etwas dauern, bis der Stream dann in voller Qualität läuft. HDR Inhalte werden dabei auch sofort erkannt, auch das also kein Problem. YouTube läuft ebenfalls flüssig, auch wenn Eingaben über die Fernbedienung natürlich etwas fummelig sind, gerade bei langen Suchbegriffen. Auf eine Sprachsuche hat TCL hier verzichtet.

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      Eine Lösung zur flüssigeren Bedienung ist die Smartphone-Fernbedienung. Die TCL nStream Pro getaufte App hatte im letzten Test noch keine allzu gute Figur gemacht. Viel getan hat sich hier leider nicht, das letzte Update der App liegt auch bereits fünf Jahre zurück – und ist zeitgleich auch das Veröffentlichungsdatum. Die App hat in meinem Test den Fernseher nicht gefunden, egal ob beide Geräte per WLAN oder TV per LAN verbunden war. Auch optisch macht die App nicht viel her, bei einem 5 Jahre alten Design wundert mich das allerdings auch wenig. Da ich sie nicht zum Funktionieren überredet bekam, kann ich leider nicht mehr als das Äußerliche beurteilen.

      Performance

      Auch ein TV soll schnell reagieren, egal welche Taste man drückt. Das klappt in der Praxis gut, was nicht zuletzt am verbauten Dual-Core Prozessor liegen dürfte. Das Limit der Hardware bemerkt man dennoch recht schnell. Spielt man anspruchsvolle Inhalte ab, also streamt beispielsweise Netflix in 4K HDR oder 4K YouTube Inhalte, bricht die Performance drastisch ein. Das Einstellungsmenü benötigt mehrere Sekunden, bis es erscheint, jeder Klick im Menü eine weitere Sekunde. Das Video läuft dabei allerdings flüssig weiter.

      Angesichts der Ausstattung zu dem geringen Preis ist das allerdings verkraftbar. Will man umfangreichere Änderungen an den Einstellungen vornehmen, muss halt das Video kurz pausiert werden. Dann läuft auch das Menü wieder flüssig.

      Fernbedienung

      Die Fernbedienung ist, gerade wenn es keine (funktionierende) Smartphone-App als Ergänzung gibt, mit das Wichtigste bei einem Fernseher. Schließlich will man einfach durch Menüs navigieren, ohne lange zu überlegen oder herumfummeln zu müssen. Beim teureren TCL U55C7006 war das hier und da noch ein Problem, weil der Sensor am Fernseher eher suboptimal platziert war. Den Fehler hat TCL hier nicht wiederholt und alle Eingaben werden sauber erkannt, sofern man die Fernbedienung irgendwie in Richtung Fernseher hält.

      Ansonsten ist die Fernbedienung identisch und bietet als einzige Besonderheit eine dedizierte Netflix Taste. Die macht genau das was drauf steht und startet umgehend Netflix. Das restliche Layout ist gut und übersichtlich, nach einer kurzen Eingewöhnung findet man das wichtigste auch blind und das Steuerkreuz samt der wichtigsten SmartTV Tasten erleichtern die Bedienung, weil man nicht erst umgreifen muss, sondern alles in Daumenreichweite in einem Block angeordnet ist.

      Auch gibt es keine große Verzögerung zwischen Eingabe und Ausführen des Befehls. Selbst schnell hintereinander gedrückte Tasten werden problemlos erkannt. Die Fernbedienung liegt auch angenehm in der Hand, selbst mit kleinen Händen sollte es hier keine Probleme geben. Gewünscht hätte ich mir noch eine Hintergrundbeleuchtung der Tasten, aber gerade bei dem Preis kann man halt nicht alles haben.

      Mediaplayer

      Neben den Streaming-Anbietern bietet der Fernseher auch einen Standard Mediaplayer. Hierüber lassen sich Medien wahlweise per Netzwerk, aber auch über angeschlossene USB-Speicher abspielen. Im Test liefen sogar anspruchsvolle HEVC-Dateien ohne Probleme. Ein 14GB großer, in 8bit HEVC codierter Film wurde über LAN-Kabel sofort und ohne Aussetzer abgespielt. Auch andere Dateien spielte er mühelos ab, selbst 10bit HDR Videos waren kein Problem.

      Natürlich ist es hier auch davon abhängig, welche Quelle ihr nutzt und wie gut das Netzwerk vor Ort ist. Um Flaschenhälse zu vermeiden habe ich den TV direkt per Kabel an unser Gbit LAN angeschlossen, als Medienserver dient ein QNAP TS-251+. Bei langsameren Quellen oder einer WLAN-Verbindung kann es bei großen Quelldateien daher auch mal zu kurzen Buffering-Pausen kommen. Wer den Mediaplayer via Netzwerk nutzen will, sollte aber generell besser auf eine Kabelverbindung setzen, wenn möglich.

      Was schade ist: Mit DTS-Tonspuren kann der Mediaplayer nicht umgehen. Es kommt nur die lapidare Meldung, dass die Audiospur nicht unterstützt wird. Aber auch hier gilt: Angesichts des Preises ist das wenig verwunderlich. DTS Lizenzen sind kostspielig auch auch die nötige Hardware zum decodieren ist nicht gerade günstig.

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      Bildqualität

      Ok, kommen wir zum Wichtigsten: dem Bild. Der PQI, also der Picture Quality Index, von 1200 gibt schon mal einen groben Eindruck davon, dass TCL sich beim Panel Mühe gegeben hat. Der PQI ist ein Standard, der anhand diverser Kriterien errechnet wird – beispielsweise der Bildwiederholrate, der Farbtiefe und so weiter. Der Index gibt also schon mal einen kleinen ersten Eindruck und macht den Vergleich schon auf dem Datenblatt etwas greifbarer.

      Da TCL nirgendwo die genaue Bildwiederholfrequenz angibt, lässt das nur den Schluss zu, dass ein einfaches 50Hz Panel verbaut wurde. Soweit nicht weiter schlimm, gerade in der Preisklasse ist das Standard. Auf den ersten Blick fällt das auch nicht weiter auf. Schaut man genauer hin, entdeckt man allerdings gerade bei schnellen Szenen Unschärfe und minimale Schlieren. Beides hält sich noch im Rahmen und sollte im Alltag nicht weiter stören. Für Heimkino-Enthusiasten dürfte das Panel damit aber raus sein.

      Letztlich liefert das Panel eine gleichmäßige Ausleuchtung, die bei normalem Einsatz kein Light-Bleeding oder Clouding zeigt. Die Farben wirken natürlich und der Kontrast ist sehr hoch. Schwarz ist wirklich Schwarz, erst deutlich teurere Modelle oder gar OLED Panels können ein noch satteres Schwarz bieten.

      Angenehm ist auch, dass TCL auf allzu viele Bildverbesserungsmodi verzichtet hat. Meist machen diese „Verbesserungen“ es nur schlimmer, sodass ich sie direkt deaktiviere. In vielen Fällen werden Bewegungen dadurch sehr unnatürlich dargestellt, das Cineastische geht durch zu aggressive Algorithmen verloren. Beides ist beim TCL U55P6006 nicht der Fall. Lediglich eine dynamische Rauschunterdrückung und eine MPEG Artefaktunterdrückung sind aktiv.

      Die Blickwinkel sind zudem großzügig und reichen locker aus, um auch in einer größeren Gruppe davor zu sitzen. Allerdings sollte sich gegenüber des Fernsehers besser kein Fenster befinden. Die Oberfläche spiegelt recht stark und in Verbindung mit einer starken Lichtquelle gegenüber des Panels kann es passieren, dass man Teile des Bildes kaum noch erkennt. Unser Büro ist mit seinen riesigen Fenstern und Südlage hier wohl ein Extremfall, erwähnt werden sollte es aber dennoch.

      HDR10

      HDR10, oder in lang High Dynamic Range, ist ein Standard der für einen erhöhten Dynamikumfang sorgt. Dadurch bietet der Fernseher einen erhöhten Kontrast und im Falle von HDR10 auch einen erweiterten Farbraum, der dargestellt werden kann. Zum Tragen kommt das vor allem in sehr anspruchsvollen Szenen, in denen zeitgleich Schatten und direkte Sonne zu sehen sind. Bei einem herkömmlichen SDR Panel ist entweder der dunkle Bereich kaum zu erkennen, oder der sehr helle Bereich stellenweise ausgebrannt, weil der Dynamikumfang des Bildes die Fähigkeiten der Hardware übersteigen.

      Trotz des geringen Preises hat TCL hier ein 10bit Panel verbaut, wodurch der komplette Farbumfang von HDR10-Inhalten dargestellt werden kann. Dem entsprechend gut sehen diese Inhalte aus. Auf Netflix findet sich eine ganze Reihe passender Serien und Filme, allen voran viele der Eigenproduktionen wie Dark oder Stranger Things. Im Vergleich zu einem SDR-TV wirkt das Bild noch deutlich lebendiger und die Farben knackiger. Manche Details, die man zuvor nicht wahrgenommen haben stechen jetzt hervor – wirklich beschreiben kann man das nicht, ohne es zu sehen.

      Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Geräten hat TCL sogar an VP9 Profil 2 gedacht – das bedeutet, dass auch YouTube Inhalte in 4K UHD HDR abspielen kann. Bislang war das deutlich teureren Geräten vorbehalten.

      TCL U55P6006 bei notebooksbilliger.de

      Insgesamt gibt es an der Bildqualität nichts auszusetzen. Action Fans werden zwar mit leichten Schlieren und Bewegungsunschärfe rechnen müssen, aber das ist alles noch im normalen Rahmen.

      Audio

      Lautsprecher sind natürlich auch verbaut. Zwei nach unten ausgerichtete Lautsprecher sitzen in der Unterkante versteckt. Der Ton ist ausreichend für Filme und Serien. Sprache ist klar verständlich und laut genug, außerdem heben sich die Stimmen gut vom Hintergrund ab. Ansonsten gilt hier aber, was wohl für die meisten integrierten Lautsprecher gilt: Der Bass fehlt. Es sind zwar Grundzüge von Bass vorhanden, eine Party möchte man damit aber nicht schmeißen.

      Es reicht also insgesamt aus, ich würde allerdings direkt meine externe Anlage anschließen.

      Fazit

      Der TCL U55C6006 kann, gerade angesichts des Preises, überzeugen. Die Bildqualität stimmt, der Funktionsumfang ist ausreichend für nahezu alle Anwendungsfälle und auch softwareseitig stimmt das Paket – auch wenn eine Prime Video App wünschenswert wäre. Die Verarbeitung ist sehr gut und auch die Haptik passt.

      Die Vorteile überwiegen hier klar die kleinen Nachteile wie das mit lediglich 50Hz recht träge und obendrein spiegelnde Panel. Wünschenswert wäre auch eine funktionierende Smartphone App, die nicht bereits fünf Jahre seit dem letzten Update auf dem Buckel hat.

      Für einen Preis von aktuell 499 Euro kann man kaum mehr von einem Fernseher erwarten. Gerade hinsichtlich der Bildqualität wurden meine Erwartungen sogar übertroffen, denn das Panel liefert eine sehr gute Darstellung ohne echte Schwächen. Wer es größer oder kleiner mag, findet das gleiche Modell auch noch in 43, 49 und 65 Zoll bei uns.

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