Test Asus ZenFone2 Deluxe: Facettenreicher Speicherriese

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Der Name ZenFone2 Deluxe weckt Erwartungen: Aber wie viel Luxus steckt tatsächlich im Asus ZenFone2 Deluxe? Bei den technischen Daten fallen als erstes die großzügige Speicherausstattung mit satten 128 GB und ein großer 5,5 Zoll-Bildschirm auf. Auch sonst verspricht das Asus ZenFone2 Deluxe Smartphone-Power der gehobenen Klasse.

Facettenreich

Adel verpflichtet, ein Deluxe im Namen auch. Wer das Asus ZenFone2 Deluxe in die Hand nimmt, mag erstmal enttäuscht sein: Die Kunststoffrückseite sieht mit ihrer Kristallfacetten-Struktur mit leichtem Perlmutt-Effekt zwar eigenwillig aus, das Material passt aber nicht zur Oberklasse der aktuellen Smartphones mit ihren Metallgehäusen. Auch haptisch kann die Rückseite nicht überzeugen: Durch die starke Riffelung rutscht das Smartphone zwar nicht so schnell aus der Hand, es fühlt sich aber auch nicht angenehm an. Der Übergang von der weißen Rückseite zur schwarzen Oberseite fällt sehr hart aus, was die Eigenwilligkeit des Designs noch unterstreicht.

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Ob man es mag, ist aber letztlich Geschmackssache. Ungewöhnlich und auffällig ist das Asus ZenFone2 Deluxe aber definitiv. Dazu trägt auch ein Designelement unterhalb der Menü-Buttons auf der Oberseite bei: Hier changiert effektvoll die metallisch wirkende Oberfläche. Die Formensprache kennt man schon von manchen Asus-Notebook-Modellen der Zen-Reihe.

Bedienung, bitte!

Bei den Bedienelementen findet man wie bei LG die Lautstärkewippe auf der Rückseite unter der Kameraeinheit. Sie ist vergleichsweise tief eingelassen, weshalb sie sich nicht einfach versehentlich betätigen lässt. Die absichtliche Bedienung wird durch die Design-Entscheidung allerdings auch erschwert, denn man muss das Smartphone aufnehmen, umdrehen oder in der Hand halten, um sie zu betätigen. Immerhin ist der Druckpunkt der Bedientasten gut spürbar. Der Power-Button sitzt mittig in der oberen Rahmenkante neben dem Kopfhöreranschluss. Er besitzt einen – auch akustisch gut vernehmbaren – knackigen Druckpunkt. Wie bei LG-Smartphones ist es möglich, das Asus ZenPhone mittels zweifacher Knock-Geste in den Schlaf zu schicken oder aufzuwecken. An Anschlüssen besitzt das Asus ZenFone2 Deluxe in der unteren Rahmenkante einen Micro-USB-Anschluss. Der Stecker lässt sich nicht ganz einschieben, was unschön aussieht. Ungeachtet dessen sitzt der Stecker jedoch sehr fest.

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Augen auf

Dem Trend zu mehr Größe folgt auch das Asus ZenFone2 Deluxe mit seinem 5,5 Zoll großen Touchdisplay. Die Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln ist dabei in der Oberklasse unterer Standard. Wobei sich abseits von Virtual Reality trefflich darüber streiten lässt, ob man wirklich mehr Pixel auf der Fläche benötigt. Die Bilddarstellung beim Asus ZenFone2 Deluxe ist scharf und einzelne Pixel sind aus einem normalen Betrachtungsabstand nicht auszumachen. Die Helligkeit erreicht einen guten, aber nicht herausragenden Wert von 360 cd/m² – das reicht, um das Display auch bei hellem Umgebungslicht meist gut ablesen zu können. Der niedrige Schwarzwert von 0,27 cd/m² ermöglicht einen hohen Kontrast von knapp über 1330:1. Die Bildschirmdarstellung wirkt damit knackig, Farben satt. Farbkeile zeigt das Smartphone mit feinen Abstufungen an. Bei den Blickwinkeln spielt der Bildschirm ebenfalls in der gehobenen Liga, lediglich minimale Farbverfälschungen und eine leicht geringere Helligkeit trüben das Bild bei der Betrachtung aus sehr spitzen Blickwinkeln. Zum Schutz des Bildschirms vor Kratzern verwendet Asus Corning Gorilla Glass 3.

Atomkraft und Speichersilo

Die Prozessorwahl überrascht: Kein Qualcomm Snapdragon kommt zum Einsatz, sondern der in Android-Smartphones recht selten anzutreffende Intel Atom Z3580. Der 64-Bit-Prozessor in unserem Testgerät besitzt vier Kerne, die üblicherweise mit 1,5 GHz und per Burst mit maximal 2,3 GHz takten. Für die Grafik ist der PowerVR G6430 Grafikchip zuständig. Über Android 5.0 Lollipop legt Asus seine eigene ZenUI, die gegenüber Stock-Android mit einigen Animationen aufwartet. Die sind wahrscheinlich mit ein Grund, warum sich das System etwas träge anfühlt. Der andere ist der Atom-Prozessor und die Grafik, die nicht die Leistung aktueller SoCs erreichen. Schließlich wurde der Intel Atom Z3580 bereits Im Juni 2014 vorgestellt.

Die Benchmarks ergeben dann auch eine Leistung, die etwas unterhalb des iPhone 5s liegt. Für Anwender, die nicht das letzte Quäntchen Leistung bei aufwendigeren aktuellen 3D-Titeln benötigen, ist die Spieleleistung aber in Ordnung. Schwerwiegender ist ein anderes Problem: Das Update auf Android 6.0 Marshmallow bleibt dem neueren ZenFone2 Deluxe mit Qualcomm-Prozessor vorbehalten. Wenigstens liefert Asus noch Sicherheitspatches aus.

Zeitgemäß ist hingegen die Ausstattung mit Arbeitsspeicher, satte 4 GB stehen zur Verfügung. Sie machen sich vor allem beim Multitasking bemerkbar, so kann man mehrere Tabs im Browser öffnen, ohne dass die Seite neu geladen werden muss.

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Beim Flash-Speicher trumpft das Asus ZenFone2 Deluxe dann schließlich auf und bietet echten Luxus: 128 GB befinden sich an Bord. Da stört es etwas weniger, dass durch üppig vorinstallierte Apps dem Anwender „nur“ 109 GB effektiv zur Verfügung stehen. Wen trotzdem Speichersorgen quälen sollten, kann günstig nachrüsten: Der separate microSD-Slot nimmt Speicherkarten mit bis zu 256 GB Größe auf.

Kameras

Die Frontkamera ist ganz auf Selfies ausgelegt: Sie bietet mit 5 Megapixeln eine hohe und detailreiche Auflösung. Zudem kann man einige Einstellungen vornehmen, um das Selbstportrait zu verschönern, beispielsweise in Maßen den Hautton anpassen oder in zehn Stufen die Wangen verschmälern sowie die Haut weichzeichnen. Selfie-Fans werden begeistert sein, denn die Kamera liefert auch bei der Bildqualität überdurchschnittlich gute Ergebnisse.

Die rückseitige Kamera bietet 13 Megapixel und bietet bei der Bildqualität Standardkost. In dunkleren Umgebungen neigt sie dazu, die Szene sehr viel heller darzustellen. Hier greift die Software in der Normaleinstellung massiv ein. Ergebnis: Details fallen durch die Weichzeichnung weg, Bildrauschen ist trotzdem sichtbar. Für das Bild auf Facebook reicht die Qualität dennoch aus und dürfte dem entsprechen, was viele Anwender gerne hätten. Wer die Kamera ausreizen will, dem gibt Asus etliche Einstellmöglichkeiten mit auf den Weg. Beispielsweise lassen sich Belichtung und ISO manuell einstellen und die „Intelligente Helligkeit“ ausschalten. Praktisch ist auch die Möglichkeit, den Fokuspunkt zu fixieren. Allerdings zeigt die Kamera gerade hier eine Schwäche, denn der Fokus ist vergleichsweise langsam und pumpt manchmal. Das hat wohl auch Asus erkannt, das Update des ZenFone2 erhielt ein Laserfokus-System.

Durch das Zeichnen auf dem ausgeschalteten Bildschirm des Asus ZenFone2 Deluxe lassen sich direkt Apps öffnen.

Durch das Zeichnen auf dem ausgeschalteten Bildschirm des Asus ZenFone2 Deluxe lassen sich direkt Apps öffnen.

Praktisch: Über das Zeichnen eines Buchstabens auf dem ausgeschalteten Display lässt sich die Kamera direkt starten.

Akkulaufzeit

Durch die abnehmbare Rückseite würde man glauben, dass sich der Akku mit 3000 mAh im Asus ZenFone2 Deluxe leicht wechseln lässt. Warum der Hersteller das nicht zulässt und den Akku fest verbaut, ist nicht nachvollziehbar: Die Konstruktion schreit geradezu danach, den Stromlieferanten austauschen zu können. Der bringt einen je nach Nutzungsverhalten zuverlässig durch den Tag: In unserem Video-Laufzeittest bei angepasster Bildschirmhelligkeit und ausgeschaltetem Ton hielt das ZenFone2 Deluxe rund 9 Stunden lang durch. Lediglich ein durchschnittlicher Wert. Praktisch: Durch die Schnellladefunktion ist der Akku bereits nach 20 Minuten auf etwas über 30 Prozent aufgeladen. Die 100 Prozent sind dann in rund 1 1/2 Stunden erreicht.

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Lautsprecher

Laut ist er ja, der Mono-Lautsprecher des Asus ZenFone2 Deluxe. Damit erschöpfen sich auch die positiven Eigenschaften, denn der Klang ist selbst für Smartphone-Verhältnisse unschön. Keine Bässe, ausgedünnte Höhen und Mitten lassen bei der Musikwiedergabe das Stück nur noch erahnen. Die Wiedergabe von Ton in Videos und Spielen ist somit ebenfalls hörbar suboptimal, der Umstieg auf Kopfhörer oder externe Lautsprecher ratsam.

Sonstiges

Eine Besonderheit im gehobenen Bereich ist die Ausstattung des Asus ZenFone2 Deluxe mit zwei SIM-Karten-Slots, von denen allerdings nur der erste für Datenverkehr geeignet ist. Welche Vorteile die bringen, hat mein Kollege Oliver in einem Blogbeitrag beschrieben. Die sonstigen Zutaten des Smartphones sind Standard in dieser Klasse: LTE, NFC und WLAN-ac.

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Fazit

Das Asus ZenFone2 Deluxe ist kein schlechtes Android-Smartphone: Der 5,5-Zoll-Bildschirm ist sehr gut und der Speicherausbau mit 4 GB RAM sowie 128 GB Flash-Speicher mehr als ordentlich. Zusammen mit der Erweiterbarkeit durch microSD-Karten spricht das ZenFone2 vor allem Anwender an, die viel Platz für Medien benötigen. Allerdings muss man bei der Tonwiedergabe über den internen Lautsprecher erhebliche Abstriche machen. Das gilt auch für den Prozessor und die Gesamtleistung. Können die Benchmarks noch überzeugen, sieht die Praxis etwas anders aus. Aktuelle Smartphones der gehobenen Mittelklasse bieten eine flüssigere Performance. Die Selfie-Kamera mit vielen Möglichkeiten und hoher Auflösung ist Asus gut gelungen, bei der rückseitigen Kamera fällt der träge Autofokus auf. Die Bildqualität kommt über die Mittelklasse nicht hinaus. Bleibt zuletzt noch das Design der Deluxe-Klasse: Das ist extravagant und könnte für manche ein Kaufgrund sein. Oder das genaue Gegenteil.

Das Asus ZenFone2 Deluxe ist bei uns im Shop erhältlich.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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