Test: Feuerdesign Vesuvio Tischgrill

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Die Grillsaison steht an und da stellt sich natürlich vielen die Frage: Womit grille ich denn dieses Jahr? Grillhersteller gibt es viele, doch einer der etwas aus der Masse heraus sticht ist auf jeden Fall Feuerdesign. Einerseits sind die Grills wie der Name vermuten lässt nicht einfach aus Metallteilen dahingeworfene Konstrukte, sondern auch optisch ansprechend, andererseits setzt man zudem auf eher ausgefallene Technik. Daher wollte ich mir das ganze mal genauer anschauen und habe mir dazu den Feuerdesign „Vesuvio“ geschnappt.

Beim Auspacken schon mal die erste kleine Überraschung: Der Vesuvio wird direkt in einer passenden Tragetasche geliefert. Zusätzlich lachte mich unter dem Grillrost erstmal ein Micro-USB-Kabel an. Damit nicht genug, denn als nächstes kam ein Akku mit dem dazugehörigen Gerät zum Vorschein: Ein Lüfter für die regulierbare Luftzufuhr. Natürlich lagen dann noch alle nötigen Teile Betrieb bei wie der Kohlekorb, die Anzündschale, Grillrost und der Korpus selbst.

Belüftung?

Gerade kleine Tischgrills haben häufig ein Problem: Sie sind zu klein, um die Luftzufuhr ordentlich zu regeln. Das bedeutet entweder kommt zu viel Luft an die Glut, oder zu wenig. Beides ist eher suboptimal, denn entweder verbrennt das Grillgut bevor es gar ist, oder es dauert ewig und bekommt keine Farbe.

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Feuerdesign hat daher einen anderen Ansatz gewählt und anstelle einer Luftzufuhr mit Kamineffekt einfach einen aktiven Lüfter eingebaut, der für die nötige Luftzufuhr sorgt und gleichzeitig in drei Stufen regelbar ist. Angetrieben wird der Lüfter von einem Akku, sodass man keine Steckdose o.ä. benötigt. Geladen wird der Akku außerdem einfach per Micro-USB, im Zweifel kann der Lüfter daher auch über eine Powerbank betrieben werden.

Verarbeitung

Aber erstmal zum Grill an sich und natürlich seiner Verarbeitung. Der Korpus besteht aus pulverbeschichtetem Metall, welches genau verrät Feuerdesign allerdings nicht. Durch die Beschichtung sollte es aber mehr als ausreichend gegen Korrosion geschützt sein. Alle verwendeten Schrauben bestehen aus Edelstahl, ebenso wie die Fettauffangschale und der Kohlekorb samt Anzündschale. Der Grillrost besteht aus verchromtem Stahl.

Insgesamt ist die Verarbeitung sehr gut und der Grill hinterlässt einen hochwertigen Eindruck.

Montage

Der Vesuvio besteht aus diversen Einzelteilen, die zum Grillen zusammengesetzt werden müssen – für eine einfachere Reinigung nach dem Grillen sind die Teile allerdings alle nur gesteckt und können einfach getrennt werden. Die Montage ist dabei auch ohne die Anleitung problemlos möglich – jedes Teil passt nur an (s)eine Stelle. Nach dem Grillen (und abkühlen) ist er ebenso einfach demontiert und die Teile können einzeln gereinigt werden.

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Theorie des „Aktivgrills“

Wie eingangs erwähnt versorgt sich der Vesuvio aktiv durch einen Lüfter mit Frischluft. Dazu liegt ein kleines Modul bei, in dem sich ein Lüfter samt Akku und Micro-USB-Anschluss befindet. An sich funktioniert der Lüfter identisch zu den meisten Notebooks: Von unten wird kühle Frischluft angesogen, die von dem Radiallüfter dann in Richtung des Kohlekorbs geschoben wird. Der Lüfter hat dabei auch akustisch Ähnlichkeiten mit einem Notebooklüfter, sobald der Grill aber erst einmal läuft hört man ihn eh nicht mehr.

Der Lüfter kann außerdem in 3 Stufen betrieben werden: Niedrig, mittel, hoch. Soweit, so logisch. Eingeschaltet wird durch längeres Drücken auf den Knopf, dann startet der Lüfter auf Stufe 1. Noch einmal kurz drücken für Stufe 2 und noch einmal für 3, auch das soweit logisch. Drückt man allerdings noch einmal, geht der Lüfter aus und nicht in Stufe 1 über. Der Lüfter versorgt übrigens nicht nur die Kohle mit Luft, sondern kühlt parallel auch den Korpus, sodass er zu keinem Zeitpunkt heiß wird. Wie genau das funktioniert erschließt sich mir allerdings nicht ganz, da der Luftauslass keine Verbindung zum Hohlraum zwischen Korpus und Auffangschale hat – wie hier Luft durch den Lüfter zirkuliert ist mir daher ein Rätsel.

In der Praxis

Da das Wetter es anbot, ging es mit dem Vesuvio in einen der vielen Berliner Parks für einen Test. Der Transport war dank der beiliegenden Tasche kein Problem, auch der Rücktransport des benutzten Grills ist damit kein Problem.

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Aufbauen und Anfeuern

Da wir insgesamt zu acht waren, hatten wir neben dem Vesuvio noch einen „Normalen“, günstigen Grill als Backup dabei, da der Vesuvio ja nicht für so viele Personen gedacht ist. Vorteil daran: Man hat einen direkten Vergleich der Anzündgeschwindigkeit zwischen den Grills. Klarer Sieger war hier der Vesuvio: Auspacken, kurz auseinandernehmen, etwas Brennpaste in das Anzünder-Schälchen, Kohle in den Korb, dann kanns auch schon losgehen. Paste angezündet, Lüfter anschalten und einsetzen, Kohlekorb aufgesetzt und Rost festgespannt. Alles war binnen 5 Minuten erledigt, einziger minimaler Minupunkt war hier der kleine Kohlekorb.
Währenddessen auf dem normalen Grill: Anzünder hinlegen, Kohlehäufchen stapeln, anzünden, hoffen dass alles klappt. An einen Anzündkamin hatte nämlich keiner gedacht.

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Jetzt hieß es warten. Im Falle des Vesuvio allerdings nicht lange, denn nach nur rund 10 Minuten war die Brennpaste komplett verbrannt und die Kohle durchgeglüht, sodass man direkt Grillgut auflegen konnte. Am normalen Grill wurde währenddessen noch gewedelt, gepustet und Kohle hin und her geschoben, damit er doch bitte möglichst bald richtig glüht.

Hitzeverteilung

Laut Feuerdesign soll das Design eine 100% gleichmäßige Hitzeverteilung bieten. So ganz kam das im Test nicht hin, denn bei höchster Lüfterdrehzahl stieg die Temperatur zur Mitte hin deutlich an. Regelt man die Luftzufuhr aber etwas herunter, wird es gleichmäßiger. Für Steaks aber eine feine Sache: In der Mitte ist es heiß genug, um eine richtig schöne Röstnöte zu bekommen, während man es danach außen am Grill auf den gewünschten Gargrad ziehen kann.

Hat man einmal den Dreh raus, kann man hier sehr gute Ergebnisse erzielen – gerade durch die einfache Regulierung der Temperatur. Allerdings dauert es etwas, bis man sich daran gewöhnt hat und den Dreh raus hat.

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Ganz ohne Qualm geht es doch nicht..

Achso, und der normale Grill? Die Kohle glüht etwas und der Grill kann immerhin als Warmhaltefläche für das fertige Grillgut fungieren.

Brenndauer

Hier bin ich etwas Zwiegespalten über das Ergebnis. Einerseits benötigt der Vesuvio nur sehr wenig Kohle, andererseits ist die Brenndauer dadurch recht kurz, wenn man ihn durchgehend per Lüfter antreibt.

Da wir wie geschrieben zu acht essen wollten, musste er kontinuierlich durchfeuern und nach rund 45 Minuten war die Kohle so weit runter, dass wir nachlegen mussten. Das ist nicht lange, gemessen am kleinen Korb aber in Ordnung. Außerdem ist er ja wie gesagt auch nicht für so viele Personen konzipiert. Legt man zwischendurch pausen ein in denen man den Lüfter abschaltet, dürften 1,5 bis 2 Stunden Brenndauer kein Problem sein. Isst man also mit 2-4 Personen könnte sogar eine Ladung ausreichen.

Nachlegen war aber an sich auch kein Problem, man sollte nur passendes Werkzeug oder Handschuhe zum Anheben der heißen Teile haben. Hat man nachgelegt und den Lüfter wieder angeworfen ist der Vesuvio nach 5 Minuten wieder voll einsatzbereit.

Nach den 45 Minuten bis zum ersten Nachlegen war übrigens auch Grill Nummer 2 endlich soweit, dass er seinen regulären Job antreten konnte.

Die Außenhülle des Vesuvio wurde im Übrigen wie beschrieben nicht heiß, maximal wurde sie warm. Es wäre aber jederzeit möglich gewesen, den Grill mitten im laufenden Betrieb umzusetzen, auch ohne Handschuhe oder Verbrennungen.

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Rauchfrei?

Einer der wichtigsten Punkte der Feuerdesign Grills ist ja, dass sie Rauchfrei sein und auch das übliche Brennende Fett ausbleiben soll. Durch den separaten Kohlekorb, in den eigentlich nichts hineintropfen kann klingt das auch plausibel, in der Praxis funktionierte es nicht immer.

Bei sehr fettigem Grillgut – also Beispielsweise bei Schwein – sammelt sich recht viel Fett in der Auffangschale rund um den Kohlekorb. Durch die hohe Hitze die der Grill erreicht kann es dann passieren, dass sich das gesammelte Fett entzündet. Unschön, aber auch nicht vermeidbar. In meinem Test mit sehr vielen Personen kam es zwei mal dazu, dass sich das Fett mit einer recht großen Flamme entzündete, bei weniger Personen und damit weniger Grillgut dürfte es aber dann nicht mehr vorkommen. Denn wie gesagt, konzipiert ist der Grill eigentlich eher für kleinere Gruppen. Wer mehr Mäuler stopfen will, sollte sich lieber das Modell „Santorin“ mit zwei Brennern zulegen.

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Feuer in der Schale und am Rost

Ansonsten kommt das Rauchfrei aber hin. Beim Anzünden kann es sein, dass durch den Anzünder etwas Rauch entsteht, aber das lässt sich halt einfach nicht vermeiden.

Reinigung

Nach dem Grillen kommt meist die Ernüchterung: Der ganze Kram muss auch wieder sauber werden. Aber auch hier kann der Vesuvio punkten, da alle relevanten Teile Spülmaschinengeeignet sind. Die Auffangschale und der Grillrost können daher einfach in die Spülmaschine gesteckt werden.

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Vor dem Reinigen…

Ich habe in meinem Fall allerdings etwas vorgesorgt und das gröbste mit einem Fettreiniger beseitigt sowie den Rost einmal mit der Bürste vom groben Fett und anderen Rückständen befreit. Danach ging es in die Spülmaschine und nach einem normalen Durchlauf waren beide Teile weitestgehend sauber. Den Rost sollte man aber besser per Hand reinigen, denn auch nach der Behandlung mit der Spülmaschine war er nicht ganz sauber. Die Fett-Auffangschale war da deutlich sauberer, natürlich sah sie aber nicht aus wie neu. Manches hat sich einfach eingebrannt. Wer es blitzblank will kann ja der Auffangschale noch mit Edelstahl-Politur zuleibe rücken.

Fazit

Das Fazit fällt nicht schwer, denn insgesamt bin ich doch recht angetan vom kleinen Vesuvio. Aber fangen wir von vorne an.

Besonders schön sind die beiliegende Tragetasche und dass er extrem schnell einsatzbereit ist. Das Gewicht ist auch geeignet, um ihn problemlos mitnehmen zu können. Die Ergebnisse haben überzeugt, sobald man einmal den Dreh raus hat. Die sehr hohen Temperaturen sind auch gerade für Steaks sehr gut geeignet.

Einziger Negativpunkt für mich wäre vor allem die Größe bzw. Brenndauer. Für größere Gruppen ist er damit nur bedingt geeignet und man muss zum größeren Modell greifen. Das steht aber auch so in der Beschreibung, ist daher nur bedingt ein echter Minuspunkt. Da ich gerne auch mal low&slow Barbeque mache, wäre ein Deckel noch ganz nett, aber auch hier: Weiß man ja schon bevor man ihn kauft. Die anderen aufgeführten Punkte wie das entzündete Fett führe ich hier nicht auf, da ich sie darauf zurückführe, dass wir einfach für diesen Grill ungewöhnlich viel Grillgut darauf gegart haben.

Insgesamt bin ich daher sehr zufrieden mit dem Vesuvio. Wer seinen Grill oft mitnehmen will und eher für kleinere Gruppen grillt, macht hier nichts falsch. Durch die extrem kurze Anzündphase kann man auch sehr spontan noch eben den Grill anwerfen.

Ob das alles die derzeit rund 120 Euro (Stand 10.05.2016) wert ist muss jeder für sich entscheiden – nach dem Test und den Ergebnissen würde ich ihn glatt behalten wollen. Dann aber eher die große Version für mehr Personen 😉 Die Verarbeitung spricht letztlich auch dafür, dass man lange Freude am Grill haben wird.

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2 Antworten auf Test: Feuerdesign Vesuvio Tischgrill

  1. avatar Manfred Annen sagt:

    Ich habe vor 6 Wochen den Grill gekauft ( bei euch) , angenehm viel mir auf , das gegenüber dem Mitbewerber auch mittig ein Rost war.
    Aber heute zur ersten Inbetriebnahme die Ernüchterung : der Lüfter aus China hat 0 Funktion . Nach 10 Stunden laden ( Front grüne LED. )kann ich auf dem top normal 3 Stufen einschalten ( 3 rote LEDs, gehen an) Lüfter dreht sich nicht
    Ohne Luftstrom können sie den Grill nicht nutzen. Ich bin natürlich davon ausgegangen , das dieses doch teure Gerät getestet ist. Mit dem Mitbewerber habe ich mit einer Batterie bis heute 10 mal gegrillt.
    Nun steht er in Mallorca und mein Fleisch kann ich wegschmeißen.

  2. avatar Hanno sagt:

    Ein bemerkenswert guter Bericht. Vielen Dank dafür. Solche Qualität gibt Blogs und Foren einen Sinn!

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