Test Harman Kardon Aura – AirPlay-Lautsprecher im Future-Retro-Look

Harman Kardon Aura Teaser

Nach der Dartscheibe von Libratone steht nun die „Turbine“ auf dem Prüfstand: Der Bluetooth/AirPlay-Lautsprecher Harman Kardon Aura wirkt wie ein Designstück, in dem sich Vergangenheit und Zukunft kreuzen. Was der eigenwillig gestaltete Lautsprecher klanglich auf den Kasten hat, haben wir uns angehört.

Harman Kardon Aura Gesamt
Da steht er nun: der Harman Kardon Aura. Der futuristisch gestaltete Zylinder wirkt recht wuchtig, trotz des eigentlich geringen Durchmessers von rund 21 cm. Das Design ist, so seltsam es klingen mag, eigentlich Retro: Das durchsichtige Plexiglas sowie die Formgebung erinnern an Apples Cube- und Knubbel-iMac-Zeiten. Ein trompetenförmiger Einsatz ragt in den Plexiglaszylinder hinein, wo ein blassblau leuchtender LED-Ring in der Mitte auf einem Ventilator-ähnlichen Podest ruht. Das Licht spiegelt sich scheinbar frei schwebend im Plexiglaszylinder: Keine Frage, das Design macht etwas her.

Harman Kardon Aura Tube

Es stellt sich aber die Frage, ob der schöne Eindruck auch von Dauer ist, denn der Zylinder ist nach oben hin offen und bietet Staub sowie Insekten ein Einfallstor. Die Pflege dürfte nicht einfach sein, denn das Plexiglas lässt sich nicht vom schwarzen Sockel abnehmen. Der beherbergt einen 30-Watt-Subwoover und sechs kleine Lautsprecher, die das 2:1-Soundsystem um insgesamt weitere 30 Watt Leistung ergänzen. Die Rundum-Anordnung lässt den Klang in alle Richtungen abstrahlen.

Harman Kardon Aura Vorne 2

Bedienelemente und Anschlüsse

Einige Bedienelemente sind direkt am Lautsprecher im Sockel verfügbar. Dabei kommen wohl aus designtechnischen Gründen Softtasten zum Einsatz, die mir überhaupt nicht gefallen: Mangels Druckpunkt und teilweise verzögerter Reaktion ist die Bedienung alles andere als optimal. Zudem sind die Symbole und die Tasten schwer erkennbar, falls sie nicht aktiviert und beleuchtet sind. Negativ fällt das vor allem bei der Power-Taste auf, die man im Prinzip als einzige benötigt: Für alles andere gibt es ja die Remote-Steuerung per App.

Harman Kardon Aura Vorne Detail

Anschlüsse befinden sich eingelassen auf der Rückseite, die so überhaupt erst die Rückseite des kreisrunden Lautsprecher definiert: Netzanschluss, ein 3,5 mm Stereo- und ein optischer Eingang. Der USB-Anschluss dient lediglich für Firmware-Updates und eventuell der WLAN-Einrichtung.

Einrichtung

Die Einrichtung von AirPlay und Bluetooth hat Harman Kardon hervorragend gelöst. Nach der Verbindung via Bluetooth erhält man unter iOS die Mitteilung, ob man die Remote-App aus dem App Store laden möchte. Alternativ lässt sich die Verbindung zwischen Smartphone und Lautsprecher auch via USB bewerkstelligen. Nachdem dies geschehen und die App gestartet ist, kann man die WLAN-Daten automatisch an den Lautsprecher übermitteln lassen. WPA2-Enterprise-Netzwerke werden wie üblich nicht unterstützt. Bluetooth auf dem Smartphone ausschalten, AirPlay und die Box auswählen, fertig. Über leuchtende LED-Symbole im Sockel zeigt die Harman Kardon Aura die aktive Verbindung an. Ausschalten lassen sie sich nicht, was nicht jedem zusagen wird.

Wie üblich empfiehlt sich über iOS der Weg über AirPlay. Anwender mit Android-Smartphones, die den Standard aptX unterstützen, können es auch bei der Bluetooth-Koppelung lassen, da die Musik über Bluetooth aptX in hoher Qualität übertragen wird. Ansonsten stehen noch DLNA und WLAN-Direktverbindung als drahtlose Alternativen auf dem Programm.

Harman Kardon Aura Trompete

Ein Problem für den Anwender könnte sein, dass sich das Bluetooth-Pairing nicht abschalten lässt und es keine PIN-Abfrage gibt: Das bedeutet, dass im Prinzip jeder in Reichweite die Aura ansprechen und benutzen kann. Ob das tatsächlich ein praxisrelevanter Nachteil ist, bezweifeln wir. Außer vielleicht auf Partys und bei bösen Nachbarn, die einen aus dem Schlaf wecken wollen.

Appetizer

Harman Kardon Aura App 1

Die übersichtlich und angenehm dezent gestaltete App von Harman Kardon bietet recht wenige Möglichkeiten. Neben Lautstärke lässt sich der Bass feintunen und eine EQ-Einstellung zuschalten, welche den Raumklang verbessern soll. Ansonsten enthält die App einen einfachen, aber höchst überflüssigen Musik-Player. Letztlich zeigt die App noch die aufgespielte Firmware-Version an und lässt die Nutzung von DLNA zu. Das war es auch schon. Ein Update der Firmware über die App selbst ist nicht vorgesehen, dafür benötigte man den Umweg über die Webseite des Herstellers. Der bietet derzeit aber (noch) keine Firmware an.

Harman Kardon Aura App 2

Turbine los

Der Harman Kardon Aura legt mächtig los und entpuppt sich als Bassmonster. Die Power bringt der Aura direkt auf die Tischplatte: In der „normalen“ Einstellung vibrierte meine Arbeitsplatte bei höherer Laustärke so stark, dass die Handballen zitterten. Ein stabiler Grund ist also Grundvoraussetzung für die Aufstellung des 2,4 kg schweren Lautsprechers. Im Vergleich zur jüngst getesteten Libratone Loop wirkt der Klang der Aura noch druckvoller, allerdings auch weniger entspannt, zuweilen sogar stressig. Sie ist eher Kawumms-Box als feinfühliger Spieler, was gerade bei Klassik negativ auffällt. Hier fehlt trotz raumfüllenden Klang eine differenzierte Durchzeichnung und, was angesichts der Bauform zu erwarten war, die Klangbühne. Zurück zu The Chemical Brothers, die knallen dann richtig, Hells Bells von AC/DC meistert die Aura selbst bei höchster Lautstärke mit Bravour und ohne Verzerrungen.

Harman Kardon Aura Oben

Fazit

Im ersten Moment kann der AirPlay-Lautsprecher Harman Kardon Aura durch sein  futuristisches Gewand und einen voluminösen Sound beeindrucken. Positiv ist auch die einfache Einrichtung der drahtlosen Zugänge via Bluetooth und AirPlay, ein Nachteil die nicht abstellbare Pairing-Bereitschaft über Bluetooth. Bei einem intensiveren Hörtest fallen dann doch die klanglichen Einschränkungen auf: Der bassstarke Sound ist in den Höhen und Mitten etwas zu undifferenziert, insgesamt wirkt der Klang dadurch angestrengt. Klassikhörer müssen sich eine andere Lösung suchen und sind beispielsweise mit dem zuletzt getesteten Libratone Loop besser beraten. Unterm Strich bleibt der Harman Kardon Aura aber ein gut klingendes und durchdachtes Designerstück, das trotz der Einschränkungen viel Freude bereiten kann.

 

Hier geht es zum 1. Teil: Libratone Loop im Test

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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