Test HTC Desire 628 Dual SIM: Smartphone der unteren Mittelklasse mit guter Kamera

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HTC will im derzeit umkämpften Markt der Unter- und Mittelklasse-Smartphones mit Android Betriebssystem mitmischen. Hier dominiert vor allem Huawei, die leistungsfähige Smartphones mit schickem Aussehen für wenig Geld anbieten. HTC hält beim Desire 628 Dual SIM mit Plastik-Charme dagegen. Ob dafür die inneren Werte umso mehr überzeugen und das Verlangen nach dem Desire-Androiden tatsächlich so groß ist, haben wir uns genau angeschaut.

Stabiler Kunststoff für den Alltagseinsatz

Das HTC Desire 628 Dual SIM wird seinem Namen auf dem ersten Blick kaum gerecht. Die wenigsten Benutzer dürften ein besonderes Verlangen nach einem Mobiltelefon mit Kunststoff-Chic haben. Dafür macht es aber einen stabilen und kratzfesten Eindruck. Die Rückwand besteht bei unserem Testmodell aus weißem Hochglanz-Polycarbonat, der Rahmen aus Aluminium und Kunststoff. Als Farbkombinationen stehen Cobalt White mit weißer Rückwand und blauem Rahmen oder Sunset Blue mit blauem Rücken und roter Umrandung zur Auswahl. Der Ring um die Kameralinse auf der Rückseite ist jeweils in der Farbe des Rahmens eingefärbt. Wir haben uns für die weiß-blaue Variante entschieden.

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Die Verarbeitung des 147 x 71 x 8 mm großen und 142 g schweren Smartphones ist insgesamt solide, bei unserem Testmodell war jedoch die Verklebung auf der Frontseite nicht optimal ausgeführt. Dadurch traten im Bereich der oberen Lautsprecherattrappe sichtbare Lufteinschlüsse auf. Das dürfte aber eher ein Einzelfall sein.

Die Lautsprecherwippe und der Power-Button an der rechten Rahmenseite reagieren dezent knackig und geben dem Anwender ein gutes Feedback. Weitere Tasten besitzt das HTC Desire 628 nicht. Die Android-Tasten werden über das Display emuliert.

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5-Zoll Display mit hohem Kontrast

Das 5 Zoll große IPS-LCD-Display mit einer Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten besitzt nur geringe Blickwinkel. Schon bei Abweichungen von wenigen Grad vom optimalen Blickwinkel verändert sich die Helligkeit sichtbar. Zu Farbveränderungen kommt es dabei zwar nicht, aber bei der Benutzung in der Hand stören die ständigen Helligkeitswechsel, es sei denn, man verfügt über ein äußerst ruhiges Händchen. Die maximale Helligkeit ist mit 292 cd/m2 recht niedrig, der Schwarzwert mit 0,19 cd/m2 allerdings sehr gut. Das Kontrastverhältnis fällt mit 1537:1 entsprechend hoch aus. Die Farbdarstellung wirkt natürlich. Wer mag, stellt die Farbtemperatur nach eigenen Wünschen ein. Durch die HD-Auflösung ergibt sich eine gute Darstellungsschärfe bei einer Pixeldichte von 294 ppi.

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In schummrigen Innenräumen lässt sich das Display prima ablesen, in heller Umgebung oder bei spotartigem Lichteinfall hat die schwache Hintergrundbeleuchtung Schwierigkeiten, Spiegelungen auf der stark reflektierenden Displayglasabdeckung zu überstrahlen.

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Lollipop mit Sense

Auf dem HTC Desire 628 läuft Android 5.1 Lollipop und damit ein veraltetes Betriebssystem. Zwar handelt es sich um die aktuellste Lollipop-Version, auf einem so neuen Smartphone sollte aber zumindest Android 6 Marshmallow installiert sein. Android Nougat 7 erwartet man bei einem derart preiswerten Smartphone zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Ob HTC noch nachlegen und das Desire Marshmallow bekommen wird, steht derzeit nicht fest.

HTC stülpt dem Betriebssystem seine Bedienoberfläche Sense in der Version 7.0 über. Sense bietet ein paar interessante Erweiterungen. Auf dem Homescreen werden beispielsweise Apps in Abhängigkeit des Standortes angezeigt. Bei der Arbeit können das Produktiv-Apps sein, befindet man sich zu Hause, sind es dann beispielsweise Musik-Player und Spiele. Apps und Widgets werden bei Sense grundsätzlich auf einzelnen Homescreens angeordnet. Das muss man aber selbst manuell tun. Neu installierte Apps landen nicht automatisch auf dem Homescreen. Sie erreicht man nur über den App-Drawer, in dem Apps seitenweise angezeigt werden. Dieses System vermeidet zwar überfüllte Homescreens, bedeutet für den Anwender aber zusätzliche Arbeit, denn neue Apps muss man händisch auf den Homescreen befördern.

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Wer sich das HTC Desire 628 anschafft, sollte unbedingt zur Ausstattungsvariante mit 32 GB Flash-Speicher greifen, denn HTC packt neben den üblichen Google Apps jede Menge Software auf das Smartphone. Einige Apps lassen sich nicht komplett entfernen, sodass Speicherplatz verschwendet wird. Rund 7 GB sind im Auslieferungszustand belegt. In der 32 GB Variante stehen dann noch 24,48 GB zur Nutzung zur Verfügung, bei der 16 GB Variante wird es dagegen schon sehr knapp. Dann kommt man um eine Aufrüstung per microSDHC-Speicherkarte kaum herum, die bis zu 256 GB groß sein darf.

Anwendungs- und Grafikleistung

HTC setzt im Desire 628 auf den 64 Bit Octa-Core-Prozessor MTK6753 von MediaTek. Die acht Cortex-A53-Kerne takten je nach Leistungsabruf mit maximal 1,3 GHz. In den synthetischen Benchmarks erreicht das HTC Desire dadurch in der Gesamtleistung beachtliche Werte, die sich auch in der Praxis wiederspiegeln. Apps starten zügig und werden mit guter Performance ausgeführt. Die Bedienung des Smartphones erfolgt ruckelfrei. Mitunter traten aber Verzögerungen bei der Ausführung von Touch-Befehlen auf. Gut gefällt der mit 3 GB üppig dimensionierte Arbeitsspeicher, der sich bei speicherintensiven Apps positiv bemerkbar macht.

Die Grafikleistung der integrierten Mali-T720 fällt gut aus. Begünstigt wird das durch die niedrige Displayauflösung, sodass die interne Grafik nicht ganz so stark gefordert wird. Möchte man ein leistungshungriges Game spielen, dann gelingt das weitgehend flüssig. Die Wärmeentwicklung auf der Rückseite fällt an einzelnen Stellen bei hohem Leistungsabruf mit maximal 65,8 °C deutlich zu hoch aus, bei Standard-Anwendungen wie Webbrowsen oder Chats wird die Rückseite mit rund 38 °C kaum mehr als handwarm.

Kameras

Die 13-Megapixel-Hauptkamera (f/2,2) des HTC Desire 628 gefällt. Sie nimmt Fotos mit einer maximalen Auflösung von 4160 x 3120 Bildpunkten im 4:3-Format auf. Wer will, schaltet auf 16:9 bei etwas niedriger Auflösung um. Bei Nutzung der maximalen Auflösung ergeben sich bei guten Lichtverhältnissen eine gute Bildschärfe und eine natürliche Farbwiedergabe. Die Kontraste sind gut, Differenzierungen in hellen und dunklen Flächen erkennbar. Benutzt man den HDR-Modus, dann wirken die Bilder allerdings unscharf. Anscheinend werden die aus einzelnen Bilder zusammengesetzten Hochkontrastaufnahmen nicht genau genug übereinandergelegt.

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Das Bildrauschen ist gering. Innenaufnahmen bei wenig Tages- oder Kunstlicht gelingen so immer noch mit einer guten Detaildarstellung. Ihre Grenzen findet die Kamera bei Nachtaufnahmen. Die Aufnahmen sind dann noch dunkler als die ursprüngliche Szene. Dazu kommt dann noch das übliche Bildrauschen, das die wenigen möglich sichtbaren Details verschluckt. Für Nachtaufnahmen ist die Hauptkamera nicht geeignet. Der Autofokus reagiert langsam, dafür aber zuverlässig. Es dauert über eine Sekunde, bis eine Aufnahme im Kasten ist.

Videos nimmt die Kamera auf der Rückseite in Full HD bei 30 Frames pro Sekunde auf. Ähnlich wie bei den Fotos wirkt die Farbwiedergabe natürlich. Der langsame Autofokus verhindert jedoch konstant scharfe Aufnahmen. Bei Schwenks mit Motivwechseln beispielsweise stellt er nicht schnell genug nach.

Die Selfie-Kamera (f/2,4) löst nur mit 5 Megapixeln bei 2560 x 1920 Bildpunkten auf. Die Kamera liefert eine gute Bildschärfe, sofern man die Verschönerungsfunktion abgestellt hat. Die Farbwiedergabe ist gut, Differenzierungen gehen in dunklen Flächen aber fast vollständig verloren. Die Verschönerungsfunktion kann stufenlos über einen Regler eingestellt werden. Dabei bügelt die Software Hautunreinheiten und Falten weg und zeichnet die Fotos weich. Übertreibt man es nicht, sehen Selbstaufnahmen tatsächlich besser aus. Für Videochats ist die Kamera prima geeignet, selbst in Räumen mit schummriger Beleuchtung liefert sie noch gute Bilder.

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Sound

HTC liefert ein Headset mit, das über ein eigenes Klangprofil angesteuert wird. Musik erhält so etwas mehr Klangfülle als mit einem herkömmlichen Headset. Außerdem soll das Profil die Basswiedergabe verbessert werden. Tatsächlich wirkt der Klang eher dumpf, wodurch Details verloren gehen. Insgesamt ist die Musikwiedergabe via Kopfhörer ordentlich, auch wenn bei hoher Lautstärke Höhen etwas spitz auf das Trommelfell durchschlagen.

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Auch wenn es so aussieht: Im HTC Desire sind keine zwei Lautsprecher eingebaut. Der obere „Lautsprecher“ ist lediglich eine Attrappe. Dünner blecherner Mono-Klang kommt allein aus dem unteren Lautsprecher. Der Klang ist selbst bei maximaler Lautstärke sehr leise. Möchte man Musik ohne Kopfhörer hören, dann sollte man besser auf externe Lösungen wie Bluetooth-Lautsprecher oder kabelgebundene Sound-Systeme zurückgreifen.

Der obere "Lautsprecher" ist keiner, ...

Der obere „Lautsprecher“ ist keiner, …

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… nur aus dem unteren Lautsprecher kommt Mono-Sound.

Sonstige Ausstattung

Das HTC Desire 628 unterstützt LTE Cat4 bei 150 Mbit/s im Down- und 50 Mbit/s im Upload. Abstriche muss man beim WLAN hinnehmen, denn es wird mit den Standards IEEE 402.11 b/g/n nur das 2,4 GHz Band unterstützt. Wer möchte, benutzt zwei Nano-SIM-Karten mit unterschiedlichen Telefontarifen. Die Dual-SIM-Funktion lässt sich bequem über den Dual-Netz-Manager konfigurieren und die bevorzugte SIM für die mobile Datennutzung auswählen. SIM-Slots und microSD-Karten-Slots sind voneinander getrennt, sodass man die Dual-SIM-Funktion bei eingelegter Speicherkarte benutzen kann.

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Die übrige Ausstattung decken Bluetooth 4.1 und A-GPS/GLONASS ab. Den Nahbereichsfunk NFC unterstützt das Desire nicht, ein Fingerabdruckscanner fehlt.

Akkulaufzeit und Akkuladezeit

Im HTC Desire 628 steckt ein recht kleiner 2200 mAh starker Akku. Er befeuert das Smartphone in einem Standardnutzungsmix etwa einen Tag lang. Unser Testvideo spielte es in Dauerschleife 7:48 Stunden ab, was ein unterdurchschnittlicher Wert ist. Aufgeladen ist das Smartphone über Micro-USB in 1:40 Stunden.

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Fazit

Das HTC Desire 628 glänzt vor allem durch die inneren Werte, von außen durch Hochglanz-Kunststoff. Die Alltagstauglichkeit wird durch das dunkle Display mit seinen geringen Blickwinkeln eingeschränkt. Die Anwendungs- und Grafikleistung sind dagegen gut. Das gilt auch für die Hauptkamera, die natürlich wirkende, detailreiche Fotos macht, sofern man auf HDR und Nachtaufnahmen verzichtet. Auch die Selfie-Kamera überzeugt. Bei der übrigen Ausstattung fällt das HTC Desire gegenüber so manchem Mitkonkurrenten der gleichen Preisklasse ab. NFC und Fingerabdruckscanner fehlen. Dafür bietet das Desire eine Dual-SIM-Funktion, die aber auch bei vielen Einsteiger-Androiden zur Standardausstattung gehört.

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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