Test: Mit Macht – Apples MacBook Pro 13“ mit Retina-Display und Force Touch

Apple MacBook Pro 13 Zoll mit Retina Display

Alles neu macht der April: Das neue 13-Zoll-Modell des MacBook Pro mit Retina-Display erhält mit dem Force Touch Trackpad eine interessante und innovative Komponente. Während sich äußerlich nichts geändert hat, wartet das Apple Notebook mit Intels aktueller Prozessor-Generation Broadwell mit einer neuen Grafikeinheit auf.

Force Touch: Das Trackpad neu erfunden

Rein äußerlich bleibt alles wie gehabt bei der Neuauflage 2015 des 13 Zoll MacBook Pro mit Retina-Display. Die größte Änderung betrifft das Trackpad. Wie im neu vorgestellten MacBook kommt ein Force Touch Trackpad zum Einsatz. Es sieht zwar aus wie das bisherige Touchpad, arbeitet aber völlig anders. Es verzichtet auf den sonst üblichen mechanischen Klickmechanismus und ersetzt ihn durch ein taktiles Vibrations-Feedback, das Elektromagneten unter der Touchoberfläche erzeugen. Das funktioniert also erst dann, wenn das Notebook eingeschaltet ist.

Apple MacBook Pro 13" Trackpad

Das neue Trackpad bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: Es entfällt ein mechanisches Verschleißteil und der Klick ist mit gleichmäßigem Druck über die ganze Fläche möglich. Bei mechanischen Touchpads gelingt der Klick im unteren Drittel meist wesentlich leichter, im oberen Drittel nur schwer oder gar nicht. Ein weiterer Vorteil ist das Klickgeräusch, das beim neuen Force Touch lediglich simuliert wird und unterschiedlich laut sein kann. Ebenso lässt sich das haptische Feedback in der Intensität verstellen, Apple bietet die drei Stufen schwach, normal und stark an. Die lautlose Klickalternative durch Antippen lässt sich weiterhin in den Systemeinstellungen auswählen. Das Video von iFixit zeigt den genauen Aufbau des Trackpads.

Während diese Eigenschaften lediglich Verbesserungen darstellen, hält mit Force Touch eine völlig neue Bedienungsmöglichkeit Einzug und erweitert damit den Einsatzzweck des Trackpads. Wenn man nach dem Klick den Finger noch stärker durchdrückt, lässt sich eine zusätzliche Funktion ausführen. Standardmäßig kann man beispielsweise zu einem ausgewählten Wort einen Lexika-Eintrag öffnen oder ein Film in QuickTime in Abhängigkeit vom Fingerdruck schneller vorspulen. Die Drucksensitivität nutzt beispielsweise die App „Vorschau“, in der man Dokumente unterschreiben kann. Zusammen mit dem Programm Inklet und einem Stylus lässt sich das Trackpad sogar als Mini-Grafik-Tablet nutzen.

Apple MacBook Pro 13 Zeichnung

In der Praxis funktioniert das neue Trackpad hervorragend. Der Druckpunkt ist klar und genau, das haptische Feedback täuschend echt. Die neue Möglichkeit des Force Touch sehen wir mit gemischten Gefühlen. Zwar klappt das „Durchklicken“ präzise, aber die Einführung einer neuen Bedienebene ist an manchen Stellen wenig intuitiv und beschränkt sich derzeit fast nur auf Apple-Anwendungen. Aber zweifellos: Das Force Touch Trackpad ist eine echte Innovation und verbessert das von Apple gewohnte überragende Notebook-Touchpad.

Apple MacBook Pro 13 Einstellungen

Zu einem nicht ganz so positiven Ergebnis kommen wir beim anderen Eingabegerät, der Tastatur. Hier stellen wir einen deutlichen Rückschritt fest. Das Tippgefühl fällt plastikmäßig aus, der Druckpunkt ist leicht unterschiedlich und wirkt weniger präzise als bei anderen Apple-Notebook-Tastaturen. Rein subjektiv fühlt sich für mich das Tippen auf dem neuen MacBook Pro etwas unangenehm an. Vielleicht spielt hier aber auch die Gewöhnung eine Rolle. Die Hintergrundbeleuchtung arbeitet allerdings ohne Fehl und Tadel und lässt sich in feinen Abstufungen einstellen.

Apple MacBook Pro 13" Tastatur

Retina: Scharfe Sicht oder große Arbeitsfläche

Das IPS-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln kann vollends überzeugen und liefert leicht bessere Werte als unser Testmodell aus dem Jahr 2013. Mit einer Helligkeit von konstant über 300 cd/m² ist es selbst bei starkem Umgebungslicht gut ablesbar. Die Abweichungen in der Leuchtkraft sind etwas zu hoch, die Spanne reicht von 302 bis 352 cd/m². Was das Messgerät feststellt, wird in der Praxis aber kaum ein Anwender bemerken.

Apple MacBook Pro 13 Display

Das spiegelnde Display reflektiert weniger stark als das anderer glänzender Notebook-Displays, allerdings mehr als bei solchen mit matter Beschichtung. Diese Option bietet Apple nicht. Dafür überzeugt das Apple-Display mit einem weit überdurchschnittlichen Kontrast von 1051:1: Farben wirken satt und knackig. Das schönste Bild erhält man mit der Standard-Retina-Auflösung, die dem Anwender allerdings lediglich eine effektive Arbeitsfläche von 1280 x 800 Pixeln auf 2560 x 1600 nativer Pixel-Auflösung bietet. In den Systemeinstellungen lassen sich noch die skalierten Auflösungen 1440 x 900 und 1680 x 1050 auswählen. Alle Auflösungen sehen gut aus und sind uneingeschränkt nutzbar, den „Retina“-Effekt erzielt man aber nur in der Standard-Einstellung. Zudem beanspruchen die angepassten Auflösungen die GPU stärker: Intern rechnet das Betriebssystem dann beispielsweise das Bild mit 3360 x 2100 Pixel und skaliert es anschließend auf 1680 x 1050 herunter.

Alle Schnittstellen sind noch da

Bei den Schnittstellen hat sich wenig geändert, es gibt also kein USB-Type-C. Nach wie vor ist die Ausstattung mit nur zwei USB-3.0-Buchsen spärlich geraten. Es bleibt abzuwarten, ob Apple das neue MacBook als Blaupause für den nächsten Pro übernimmt und was an Schnittstellen übrig bleibt. Vor allem ein Wegfall des MagSafe-Anschlusses wäre schade. Weiterhin stehen zwei Thunderbolt-2-Ausgänge zur Verfügung, HDMI, Audio und ein SD-Karten-Slot.

Apple MacBook Pro 13" Linke Seite Apple MacBook Pro 13" Rechte Seite

An den Lautsprechern hat Apple nichts verändert: Bässe fehlen, bei zu großer Lautstärke treten Verzerrungen auf. Das kann manch anderes Notebook aus der Windows-Welt besser.

On Broadwell: Gute Leistung, wenig Krach

In unserem Testgerät sorgt der Intel Core i5 5257U für Power. Er bietet einen Basistakt von 2,7 GHz und erreicht per Turbo Boost bis zu 3,1 GHz. Gegen Aufpreis erhält man schnellere Varianten bis hin zum Core i7-5557U. Das „U“ verrät es: Es handelt sich um stromsparende Modelle, allerdings setzt Apple etwas leistungshungrigere Rechenknechte als Anbieter vergleichbarer Notebooks ein.

Die Dual-Core-Prozessoren bieten schon in der kleinsten Ausbaustufe Hyper-Threading und damit insgesamt vier virtuelle Kerne. Wer mehr Geschwindigkeit benötigt, muss zum 15“-Modell greifen, das allerdings noch auf sein Hardware-Update warten muss. Die mobilen Quad-Core-Chips der fünften Generation von Intel lassen noch auf sich warten. Als Grafikkarte kommt in allen MacBook Pro 13“ mit Retina-Display Ausführungen Intels integrierte Grafik Iris Graphics 6100 zum Einsatz. Sie unterstützt die 4K-Ausgabe mit 60 Hz und den Betrieb von bis zu drei Monitoren. Weiterhin ist das MacBook Pro mit 128 GB Flash-Speicher und 8 GB Arbeitsspeicher ausgestattet. Während sich die SSD notfalls später durch eine Größere ersetzen ließe, ist das beim Arbeitsspeicher nicht möglich. Für 16 GB Speicher zahlt man rund 200 Euro Aufpreis, größere SSD-Kapazitäten sind ebenfalls nur für einen saftigen Aufpreis zu haben. Wofür man sich auch immer entscheidet, man sollte die gewünschte Konfiguration nicht zu klein dimensionieren.

Apple MacBook Pro 13 SSD

Der erste Eindruck vom MacBook Pro 13“ ist positiv: Das System fühlt sich extrem schnell an und arbeitet in den meisten Fällen lautlos. Erst unter Prozessorlast, bei der alle Kerne sowie die Grafikeinheit beansprucht werden, beginnt der Lüfter zu rauschen und ist unter Volllast gut zu hören. Im Gegensatz zu einigen anderen Notebooks wird das Geräusch aber kaum nervig, da es gleichmäßig und tieffrequent bleibt. Oder der Lüfter schweigt plötzlich trotz gleichbleibender Last: Ein sicheres Anzeichen dafür, dass die CPU bei längerer Belastung gethrottelt wird.

Der SSD-Test bescheinigt dem internen Flash-Speicher, der per PCIe angebunden ist, eine beeindruckende Leistung: 617,7 MB/s schreibend und 1427,9 MB/s lesend erreichen in Notebooks sonst nur SSD-RAIDs. Zumindest die Lesegeschwindigkeit liegt damit doppelt so hoch wie beim ohnehin schon rasant schnellen Modell aus dem Jahr 2013, das allerdings eine höhere Schreibgeschwindigkeit erreichte. Hier handelte es sich allerdings um eine SSD mit 512 GB Kapazität, im aktuellen Testrechner nur eine mit mageren 128 GB.

Bei der Grafik ist man auf die integrierte Lösung von Intel angewiesen, wobei sich die Iris Graphics 6100 auf dem Niveau älterer dedizierter mobiler Grafikkarten befindet. Für den Videoschnitt und die Bildbearbeitung unterwegs eignet sich das MacBook trotzdem, dank der optimierten Apple-Software. Für Gaming und Rendering ist das MacBook Pro hingegen kaum geeignet: Um anspruchsvollere Games zu zocken, muss man die Auflösung herunterfahren und Detailstufen reduzieren.

Mobilität

Mobilität spielt für viele Notebooks-Besitzer eine große Rolle: Das MacBook Pro 13“ ist allerdings kein Leichtgewicht und wiegt mit knapp 1,6 kg deutlich mehr als das mit knapp 1,35 kg wesentlich leichtere MacBook Air. Einen Vorteil als Mitnahmerechner besitzt das Pro-Gerät allerdings, denn es ist in der Grundfläche etwas kompakter als das dafür flachere MacBook Air, benötigt also weniger Stellfläche.

Apple MacBook Pro 13 Seite

Die Akkulaufzeit des MacBook Pro 13“ kann sich sehen lassen: Im Dauerbetrieb-Test mit YouTube-Endlosschleife und höchster Bildschirmhelligkeit hält das Notebook fast sieben Stunden durch und damit fast eine Stunde länger als das Vorgängermodell. Mit reduzierter Bildschirmhelligkeit sind auch wesentlich längere Laufzeiten möglich. Nach knapp einer Stunde ist der Akku zu 60 Prozent aufgeladen, die Vollaufladung benötigt etwas mehr als zwei Stunden.

Fazit

Das MacBook Pro 13“ mit Retina Display bleibt auch in der jüngsten Ausführung ein potentes und hervorragend verarbeitetes Notebook. Das Gesamtpaket aus Leistung, Portabilität, Akkulaufzeit und Ergonomie stimmt. Das neue Force Touch TrackPad wertet das MacBook auf. Da ist es schade, dass die Tastatur für ein Apple-Keyboard mäßig ausfällt. Wer bereits den Vorgänger besitzt, kann das Update getrost auslassen, außer man will einen 4K-Monitor anschließen. Durch die Beschränkung auf Dual-Core-Prozessor und den Verzicht auf eine dedizierte Grafikkarte müssen Anwender mit anspruchsvollen Anwendungen dennoch zu Apples 15-Zoll-Modell oder einem Notebook aus dem Konkurrenzlager greifen.

Du kannst das neue MacBook Pro 13″ mit Retina-Display bei uns im Shop in verschiedenen Konfigurationen bestellen.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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2 Kommentare auf "Test: Mit Macht – Apples MacBook Pro 13“ mit Retina-Display und Force Touch"

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[…] geht das MacBook Air in dieser Beziehung leer aus. Das ist schade, denn das neue Trackpad konnte uns überzeugen und stellt eine echte Verbesserung dar. Immerhin bleiben die Eingabegeräte des MacBook Air […]

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[…] vergleichbarere Gerät ist das MacBook Pro 13“ mit Retina Display, das mit fast 7 Stunden in unserem Test ebenfalls eine bessere Akkulaufzeit als das MacBook erreicht, allerdings vom Formfaktor auch nicht […]

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