Test: Orbotix Sphero BB-8 Star Wars Droide RC

Sphero_bb8_Teaser
Der neue Star Wars Film wirft seine Schatten voraus, in diesem Fall in Form des neuen kugelförmigen Roboter BB-8, der schon im Trailer seinen ersten Auftritt hatte. Der Hersteller Orbotix baute seine fernsteuerbare Kugel Sphero aus und verpasste ihr einen Kopf und das passende Design: fertig ist der Sphero BB-8. Mit einer App für Android oder iOS lässt man den kleinen Gesellen dann durch das Wohnzimmer flitzen.

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Seitdem unser Kollege Siggy den Orbotix Sphero BB-8 auf der IFA 2015 erstmals begegnete, fieberten wir als ausgesprochene Star-Wars-Freunde dem kleinen Gesellen entgegen. Während der Wartezeit fanden wir heraus, wie man selbst einen BB-8 anfertigen kann und stellten den R2D2-Kühlschrank vor. Nun ist er da und voller Vorfreude befreiten wir den Kugelroboter aus seinem Paket. Das enthält viel Luft und beherbergt neben dem Micro-USB-Ladekabel, einer oberflächlichen Anleitung und einer schicken Ladestation den winzigen BB-8. Knuffig sieht er ja aus, der virtuelle Roboter. Auf der Hauptkugel sitzt magnetisch befestigt eine Halbkugel, die als Kopf dient. Sie kann sich bewegen und sitzt zuverlässig auf dem – nun ja, nennen wir es Körper. Die einzigen herausstehenden Elemente sind zwei fragil wirkende Fühler, eine LED und ein Knopf, der eine Kamera vermuten lässt. Die Vermutung schlägt fehl, denn außer Kunststoff ist da nichts.

Das schwarze "Auge" sieht aus wie eine Kamera, ist aber keine.

Das schwarze „Auge“ sieht aus wie eine Kamera, ist aber keine.

Beim Betreten der Ladestation macht der Sphero BB-8 sogleich auf sich aufmerksam, blinkt und ruckelt mit dem Kopf. Niedlich. Die Ladestation erhält über den USB-Anschluss Energie, ein Ladegerät liegt nicht bei. Eine unserer Meinung nach sinnvolle Einsparung. Der Roboter selbst wird über Induktion aufgeladen und dauert entsprechend lang. Drei blaue LED-Balken an der Station blinken während des Ladevorgangs, der je nach Ladegerät einige Stunden dauern kann. Der Hersteller verspricht eine Betriebsdauer von bis zu einer Stunde mit einer Akkuladung, die eher konservativ geschätzt sind. Während des Dauerbetriebes wird der Sphero handwarm, 48° zeigt der thermische Sensor des Roboters an.

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Um den Sphero BB-8 zu steuern, benötigt man ein Smartphone oder Tablet mit Android oder iOS. Die Verbindung erfolgt über Bluetooth. Die Einrichtung ist vorbildlich: Bluetooth aktivieren und App starten. Die Verbindung zwischen Roboter und Smartphone wird dann automatisch vorgenommen. Beim ersten Starten erwartet einen ein Firmware-Update, das schnell eingespielt ist. Dass man das Alter eingeben soll, erscheint uns unsinnig. Die App ist ganz und gar kindertauglich. Zusätzlich kann man eine E-Mail angeben, muss es aber nicht.

Einstellungen gibt es in der App zum Sphero BB-8 nur wenige.

Einstellungen gibt es in der App zum Sphero BB-8 nur wenige.

Die passend zum Thema ansprechend gestaltete App begrüßt den Anwender mit der Star Wars Hymne und stellt vier Bereiche zur Auswahl: Fahren, Nachricht, Patrouille und Einstellungen. Die Einstellmöglichkeiten sind dürftig, trotzdem lohnt sich ein Besuch, um die Sprachaktivierung anzuschalten. Hier lassen sich auch die Robotertöne ausschalten, die einem sonst aus dem Smartphone entgegenschallen. Einen Lautsprecher besitzt der Sphero BB-8 nicht.

Die App ist übersichtlich, schön gestaltet und lässt Star-Wars-Atmosphäre aufkommen.

Die App ist übersichtlich, schön gestaltet und lässt Star-Wars-Atmosphäre aufkommen.

Im Hauptmenü übernehmen wir unter dem Punkt Fahren die Steuerung des Sphero BB-8. Hierfür kann man den Roboter erstmal passend kalibrieren. Eine in der Kugel blau leuchtende LED richtet man so aus, dass sie auf einen zeigt. Die Steuerung über das Touchdisplay gelingt dann recht feinfühlig, allerdings gibt es deutliche Latenzzeiten. Vor allem beim Anfahren lässt sich der BB-8 Zeit. Über einen Button lässt sich die Geschwindigkeit für kurze Zeit maximieren, der BB-8 legt dann einen Zahn zu. Den hat er auch nötig, denn der Roboter agiert in der Grundeinstellung gemächlich und lässt es an Agilität missen. Das gilt schon auf niedrigflorigem Teppichboden.

Manchmal verliert der Sphero BB-8 den Kopf.

Manchmal verliert der Sphero BB-8 den Kopf.

Es wird auch schnell klar, warum der Hersteller keinen Geschwindigkeitsrausch befördert: Die Gefahr, dass der Kopf abfällt, steigt dann beträchtlich. Schon niedrige Kanten können den BB-8 kopflos werden lassen, sodass er um die eigene Achse rotiert und die Kugel rot leuchten lässt. Schlimmer als die vorübergehende Kopflosigkeit wären Kratzer im Kunststoff-Lack, allerdings scheint der BB-8 ziemlich stabil zu sein. Mehrere heftige Zusammenstöße und das Rasen über Metallkanten beeindruckten das Gehäuse nicht. Eine Problemzone des BB-8 sitzt hingegen auf der Unterseite des Kopfes. Zwei kleine Kunststoffräder lassen ihn über die Oberfläche der Kugel gleiten. Auf ihnen sammeln sich sehr schnell Staub und Schmutz. Den Effekt kennt man von Kugeln mechanischer Mäuse, nur dass die Abriebspuren beim Sphero BB-8 sehr viel schneller entstehen. Häufigere Reinigungen muss man also einrechnen.

Schon nach kurzer Zeit sammelt sich Schmutz unter dem Kopf vom BB-8.

Schon nach kurzer Zeit sammelt sich Schmutz unter dem Kopf vom BB-8.

Das Fahrmenü ergänzen acht direkte Anweisungen, beispielsweise lässt sich das JoyModule abrufen. Der BB-8 ruckelt dann mit dem Kopf. Oder man lässt den BB-8 eine Acht fahren. Über Spracheingabe kann man weitere vordefinierte Befehle in englischer Sprache erteilen. Die vier Anweisungen wie für Ruhezustand und kurzfristige Flucht werden zwar einwandfrei erkannt, sind aber wenig komplex und im Grunde genommen überflüssig. Der Hersteller könnte diesen Bereich deutlich ausbauen, in dieser Form ergibt die Steuerung über Sprachbefehle keinen Sinn.

Im Patrouillen-Modus liefert die App vom Sphero BB-8 etliche Daten, die wenigsten davon sind sinnvoll. Eigentlich gar keine.

Im Patrouillen-Modus liefert die App vom Sphero BB-8 etliche Daten, die wenigsten davon sind sinnvoll. Eigentlich gar keine.

Zwei weitere Modi stehen zur Verfügung, die allerdings nur nette Dreingaben darstellen. Auf Patrouille ruckelt der BB-8 durch die Räumlichkeiten. Dabei stößt er auf Hindernisse, also beispielsweise gegen Wände, protokolliert, dass er auf ein Hindernis gestoßen ist, und fährt vielleicht nach einer Weile weiter. Oder er bleibt weiter an der Wand kleben. Was der BB-8 noch weniger mag als Wände sind Kabel, die in unserer Redaktion zahlreich vorhanden sind. Kurz gesagt: Es dauerte nur wenige Minuten, bis sich der BB-8 irgendwo verheddert hatte und befreit werden musste. Loben muss man allerdings die vielfältigen Informationen, wie beispielsweise die grafische Anzeige der zurückgelegten Strecke, die Geschwindigkeit und den Gyroskop-Ausgleich für den Kopf.

Die Hologramm-Funktion des Sphero BB-8 ist eine nette Spielerei, die schnell langweilig wird.

Die Hologramm-Funktion des Sphero BB-8 ist eine nette Spielerei, die schnell langweilig wird.

Eine legendäre Szene im ersten Star Wars Film ist das Prinzessin-Leia-Nachrichten-Hologramm, das R2D2 abspielte. Der BB-8 kann das selbstverständlich auch, oder doch nicht? Einige vorgefertigte Video-Nachrichten stehen von R2D2, C3PO und anderen bereit, allerdings keine von Prinzessin Leia. Die Holografie wird per AR (Augmented Reality) vorgetäuscht: die rückwärtige Kamera nimmt die Umgebung auf, in der das „Hologramm“ eingeblendet wird. Man kann auch eigene Videonachrichten erstellen, dabei nimmt man das „Hologramm“ über die Frontkamera auf. Das Ergebnis ist zwar recht nett, hat aber mit dem BB-8 rein gar nichts zu tun und würde auch ohne ihn funktionieren. Wenn die App einen Betrieb ohne Koppelung mit dem BB-8 erlaubte.

Sphero_BB8_kopf

Fazit

Ein wenig ernüchtert bleiben wir schon zurück. Für den Sphero BB-8 sprechen die schön gestaltete App, das knuffige Design und die Freude am Fahren. Wie lang die währt, dürfte unterschiedlich ausfallen. Der Rest der „Fähigkeiten“ sind in unseren Augen reine Dreingaben, die nur kurzfristig für Unterhaltung sorgen. Mehr Sprachbefehle und mehr Interaktion wandern auf die Wunschliste. Letztlich positioniert sich der Orbotix Sphero BB-8 als Sammlerstück für Star-Wars-Fans und dürfte wohl in den meisten Fällen schnell in der Vitrine landen.

Den Orbotix Sphero BB-8 findest du bei uns im Shop.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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