Test: Samsung Galaxy Note 5 – der Stiftmeister

Test: Samsung Galaxy Note 5 – der Stiftmeister

image(18)Erstmals stellte Samsung ein neues Galaxy Note nicht in Berlin vor – rückblickend aus gutem Grund, denn das Galaxy Note 5 sollte offiziell nicht in Deutschland erscheinen. Importe schaffen es trotzdem in hiesige Gefilde. Wir haben das Galaxy Note 5 in die Finger bekommen und das High-End Android-Phablet mit Stiftbedienung getestet.

Samsung_Note_5_stift_vorne

Stiften gegangen

Smartphones oder Phablets mit Stift sind Mangelware: Neben der Samsung Note Serie fällt uns da nur noch das LG G4 Stylus als Alternative ein, das allerdings technisch etwas schwach ausfällt. Deshalb ist die Enttäuschung nachzuvollziehen, als Samsung bei der Vorstellung des Galaxy Note 5 verkündete, dass der Nachfolger des Top-Phablets hierzulande nicht erhältlich sein würde. Als Alternative sollen Anwender zum Samsung Galaxy S6 edge+ greifen, das allerdings ohne Stift auskommen muss. Offiziell hat sich das nicht geändert, allerdings kann man das Galaxy Note 5 inzwischen auch hier kaufen. Aber lohnt sich das?

Erster Eindruck

Als die Note-Reihe mit dem Galaxy Note 2011 auf den Markt kam, erschien der Bildschirm des Phablets noch riesig: 5,3 Zoll maß es. Die Zeiten ändern sich und die 5,7 Zoll im Jahr 2015 wirken gar nicht mehr übergroß. Das Note 5 bringt zudem einen äußerst dünnen Displayrahmen auf der linken und rechten Seite mit, wodurch das Phablet nur 76,1 mm breit ist. Das sind nur 0,8 mm mehr als beim kürzlich getesteten Huawei Mate S mit seinem kleineren 5,5 Zoll Bildschirm, das ebenfalls über einen sehr schmalen Displayrahmen verfügt. Es lässt sich daher noch gut mit einer Hand halten. Mit 171 g ist das Note 5 zudem leichter als beispielsweise das iPhone 6S Plus, das trotz kleinerem Bildschirm stolze 20 g mehr auf die Waage bringt. Dafür ist das Note 5 mit 7,6 mm etwas dicker, aber dafür, dass noch ein Stift im Gehäuse Platz finden muss, immer noch sehr dünn. Die Abmessungen insgesamt gefallen uns und sind stimmig, ein Nexus 6p mit gleicher Bildschirmgröße ist deutlich größer und unhandlicher.

Samsung_Note_5_rueckseiteIn der Designsprache knüpft Samsung an das Galaxy S6 an und verabschiedet sich vom Kunststoff. Auf der Vorder- und Rückseite setzt Samsung Glas ein, an den Seiten Metall. Ein großer Fortschritt gegenüber den bisherigen Modellen, der aber mit einigen Einschränkungen verbunden ist: Die Rückseite lässt sich nicht mehr abnehmen und damit der Akku nicht ohne weiteres austauschen. Der Wegfall des microSD-Kartenlesers dürfte allerdings noch mehr Interessenten enttäuschen. In der Praxis nervig, wenn auch nur optisch, ist die extreme Anfälligkeit der Rückseite gegen sichtbare Fingerabdrücke.

Abgesehen davon ist die Verarbeitung tadellos, die Bedienelemente sind passgenau eingesetzt und besitzen einen klar definierten Druckpunkt. Zudem sitzen die Buttons an den Seitenrändern für Laustärke und Power fest in der Aussparung und wackeln nicht in der Verankerung wie bei manchen anderen Smartphones.

Die Kamera steht wie inzwischen oft üblich etwas heraus und ist mit einem dickeren Rand versehen. Das verhindert zuverlässig, dass das Galaxy Note 5, wenn man es auf den Tisch legt, zu schnell kippelt. Tatsächlich liegt es stabil auf dem Tisch und man muss schon kräftiger am Rand tippen oder eher draufhauen, um das Phablet zum Kippeln zu bringen.

Display

Das 5,7 Zoll große Display löst mit 2560 x 1440 Bildpunkten sehr fein auf und erreicht 518 ppi. Bildschirminhalte stellt das Galaxy 5 Note damit knackscharf dar. Die Helligkeit mit durchschnittlich rund 354 cd/m² ist hoch und reicht auch bei hellem Umgebungslicht, um die Bildschirminhalte gut ablesen zu können. Allerdings können bei Spot-Strahlung die starken Spiegelungen der Ablesbarkeit ein Schnippchen schlagen. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig, der Unterschied beträgt zwischen hellster und dunkelster Stelle gerade mal 20 cd/m².

Samsung_Note_5_draufsicht_p

Dank Super-AMOLED ist die Anzeige sehr kontraststark, messen lässt sie sich nicht: Bei der Anzeige schwarzer Inhalte werden die LEDs abgeschaltet und sind damit tatsächlich tiefschwarz und leuchten nicht wie bei LCD-Bildschirmen. Die Farbdarstellung wirkt zwar satt, aber nicht übersättigt. Die Blickwinkel sind stabil, allerdings trübt ein grün-blauer Farbstich das Vergnügen schon bei leicht spitzeren Blickwinkeln sowohl vertikal, als auch horizontal. Der Farbstich ist dann so stark, dass er auch bei Bildern ohne große Weißanteile auffällt.

Power der acht Herzen

Samsung hat sich seit dem Galaxy S6 von Qualcomm als Lieferant für seine High-End-Geräte verabschiedet und setzt auf Prozessoren eigener Herstellung. Im Galaxy Note 5 sorgt der aus dem Galaxy S6 bekannte Exynos 7420 für Leistung. Der Prozessor ist nach dem Big-Little-Prinzip aufgebaut: Vier A57-Kerne sorgen mit einer Taktfrequenz von bis zu 2,1 GHz für hohe Leistung, vier stromsparende A53-Kerne mit maximal 1,5 GHz kommen bei Standardaufgaben zum Einsatz. Falls notwendig, können auch alle acht Kerne des 64-Bit-Prozessors verwendet werden.

Das Samsung Galaxy Note 5 erreicht hervorragende Benchmarkwerte. Aber alle Theorie ist grau, die Praxis zählt. Und da ist das Note 5 einfach richtig schnell.

Das Samsung Galaxy Note 5 erreicht hervorragende Benchmarkwerte. Aber alle Theorie ist grau, die Praxis zählt. Und da ist das Note 5 einfach richtig schnell.

Wie erwartet liefert das Galaxy Note 5 mit 66.089 Punkten im ATuTu Benchmark und 25.407 Punkten im Quadrant-Test ein sehr gutes Ergebnis ab, das etwas unterhalb des Galaxy S6 liegt. In der Praxis bedeutet die Leistung aber, dass das Galaxy Note 5 genügend Reserven für aufwendige 3D-Grafik mitbringt. Für Android-Spitzenmodelle wie die Note-Serie ist die flüssige Bedienung von normalen Anwendungen längst kein Thema mehr. Fordernde 3D-Spiele wie Real Racing 3 stellt das Note trotz der hohen Auflösung flüssig dar.

Bei der Wärmeentwicklung zollt das Note 5 der hohen Prozessorleistung seinen Preis: Schon wenige Minuten nach Inbetriebnahme fiel die hohe Abwärme des Samsung Galaxy Note 5 auf. Beim Herunterladen einiger Updates erwärmte sich die Rückseite vor allem im oberen Bereich um die Kamera auf bis zu 48 Grad.

Akkuverbrauch

Eine der großen Stärken des Samsung Galaxy Note 4 war der vergleichsweise große Akku mit 3220 mAh. Der nicht wechselbare Akku des Note 5 besitzt 3000 mAh, also deutlich weniger. Unser Testvideo spielte das Note 5 bei reduzierter, aber praxistauglicher Bildschirmhelligkeit 10:30 Stunden ab. Ein guter Wert. Allerdings reduziert das Galaxy Note 5 bei 5 Prozent Akkustand die Bildschirmhelligkeit soweit, dass das Video kaum mehr erkennbar ist. Die theoretisch noch zusätzlichen 45 Minuten sind also recht praxisfern und das Telefon eigentlich kaum noch zu gebrauchen. Bei üblicher gemischter Nutzung kommt man zwei Tage mit einer Akkuladung hin, Intensivnutzer dürften mit dem Galaxy Note 5 recht problemlos über den Tag kommen. Das Galaxy Note 5 unterstützt auch das kabellose Aufladen über Induktion nach dem Qi-Standard. Getestet haben wir das allerdings nicht.

Kameras

Die Hauptkamera des Samsung Galaxy Note 5 bringt mit 16 Megapixeln eine hohe Auflösung mit sowie eine optische Bildstabilisierung. Sie nimmt Videos mit 4K auf oder Full HD mit flüssigen 60 fps. Dann lässt sich allerdings der Bildstabilisator nicht nutzen, der steht nur bei Full HD mit 30 fps und darunter zur Verfügung.

Bilder schießt die Kamera maximal mit 16 Megapixeln, was zu großen Dateien, aber auch sehr detailreichen Bildern führt. Das kommt vor allem Ausschnittsvergrößerungen zugute, die immer noch eine gute Qualität aufweisen können. Das kompensiert etwas das übliche Fehlen eines optischen Zooms in Smartphones. Die Blende mit f1.9 verspricht eine enorme Lichtstärke, üblich sind bei Smartphones Blenden über f2.0. Die Lichtstärke ermöglicht es, dass die Optik in dunkleren Umgebungen mehr Licht zum Sensor durchlässt und damit Bildrauschen geringer ausfällt. Ein weiterer Faktor, um Licht „zu sammeln“, ist die Belichtungszeit. Durch den optischen Bildstabilisator lässt sie sich verlängern, ohne dass Bilder verwackeln. Ein Allheilmittel sind solche Stabilisatoren allerdings nicht, da bei bewegten Objekten trotzdem Verwisch-Effekte erscheinen können.

Machen wir es kurz: Die Kamera macht für ein Smartphone wie schon beim Galaxy S6 eine hervorragende Figur und gehört zu den besten, die man derzeit erwerben kann. Der Autofokus ist schnell und treffsicher, die Automatiken funktionieren zuverlässig. Die Kamera-App glänzt zudem mit einem Pro-Modus, in dem man Bilder beispielsweise auch als RAW-Dateien abspeichern kann. Dadurch gewinnt man die Möglichkeit, noch etwas Qualität aus den Aufnahmen herauszukitzeln, allerdings benötigt man dafür Know-How und Zeit. Für die meisten etwas erfahreneren Fotografen wohl wichtiger ist der Einfluss auf ISO und Verschlusszeit, womit sich gezielt(er) Bildeindrücke realisieren lassen. Wenn man sich entschließt, Verschlusszeit oder ISO manuell einzustellen, verzichtet man bei beiden Parameter auf die Automatik. Die Belichtung passt sich hingegen automatisch im Rahmen von -2 zu +2 an und lässt die Kontrolle zu, ob ein Bild über- oder unterbelichtet ist. Verändern lässt sich der Wert nicht. Der Pro-Modus schaltet sich nach dem Verlassen der Kamera-App auf den Automatik-Modus um. Das ist praktisch, wenn man das Note 5 jemandem zum Fotografieren in die Hand drückt. Allerdings beendet das Phablet nach kurzer Zeit der Inaktivität die Kamera-App, was dann doch nervt.

Die Automatik des Galaxy Note 5 regelt die ISO sehr hoch, was zu mehr Bildrauschen führt. Die Ergebnisse überzeugen trotzdem.

Die Automatik des Galaxy Note 5 regelt die ISO sehr hoch, was zu mehr Bildrauschen führt. Die Ergebnisse überzeugen trotzdem.

Die Kamera auf der Vorderseite löst ebenfalls hoch auf, immerhin mit 5 Megapixeln. Sie besitzt eine Blendenöffnung von f1.9. Zusammen mit einem Weitwinkelobjektiv mit 120 Grad Abdeckung sind das beste Voraussetzungen für ansehnliche Selfies. Die gelingen auch detailliert und vergleichsweise rauschfrei. Samsung wäre nicht Samsung, wenn es auch hier nicht Spielereien gäbe. Um ein Bild auszulösen, kann man neben dem bekannten Finger-Tap auf den Bildschirm auch die Hand heben oder den Finger auf den Pulsmesser auf der Rückseite legen.

S-Pen

Der S-Pen des Galaxy Note 5 ist schlank und liegt gut in der Hand.

Der S-Pen des Galaxy Note 5 ist schlank und liegt gut in der Hand.

Die Note-Serie zeichnet die Stiftbedienung aus: Der S-Pen lässt sich praktischerweise im Phablet selbst unterbringen. Bei der Entnahme vibriert das Gerät kurz und öffnet das S-Pen-Menü. Hier lässt sich beispielsweise auswählen, ob man Screenshot-Notizen oder Aktions-Memos verfassen möchte. Zudem kann der Anwender weitere Apps dem Menü zuweisen. Der S-Pen ist schlank und für meinen Geschmack etwas zu kurz geraten, liegt aber gut in der Hand. Das Design ist recht gefällig. Der Stift bietet zwei Druckknöpfe für das schnelle Ausführen von anderen Funktionen. Allerdings ist nicht immer klar, was sie bewirken: In der Notiz-App S-Note von Samsung haben sie beispielsweise keine Funktion, obwohl sich dort ein Umschalten zwischen Radierer und Stift anböte. Positiv fallen hingegen die geringe Latenz und die Genauigkeit des Stiftes auf. Skizzen zu erstellen macht einfach Spaß, was durch die Bildschirmgröße von 5,7 Zoll noch begünstigt wird.

Ausstattung, Fingerspiele und Software

Wie in den High-End-Modellen bei Samsung gewohnt, steckt im Galaxy Note 5 alles an Technik, was das Herz begehrt: WLAN-ac und LTE sorgen für Tempo beim Surfen im Internet. GPS und GLONASS, Bluetooth 4.2, NFC, Sensoren in Hülle und Fülle: alles drin, alles dran. Telefonieren kann man mit dem Galaxy Note 5 übrigens auch.

Samsung_Note_5_Racing
Der Fingerabdruckscanner steckt wie meist üblich im Home-Button. Im Gegensatz zu früheren Samsung-Smartphones muss man mit dem Finger nicht mehr über den Button streichen, sondern ihn lediglich auflegen. Die Erkennung erfolgt nach der kurzen Anlernphase zügig und sehr zuverlässig. Um das Smartphone ohne Finger zu entsperren, verlangt das Betriebssystem ein Passwort. Es muss aus mindestens sechs Zeichen, Buchstaben und Zahlen bestehen.

Auf dem Galaxy Note 5 kommt aktuell noch Android 5.1.1 Lollipop zum Einsatz, über das Samsung seine Oberfläche TouchWiz stülpt. Android 6.0 Marshmallow sollte nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen, die neue Firmware ist bereits geleakt und soll das Problem mit der Speicherverwaltung lösen sowie die Performance allgemein verbessern. Generell hat sich TouchWiz gut weiterentwickelt und wirkt übersichtlicher als alte Versionen, die Samsung mit Funktionen geradezu zugeschüttet hat.

Eine häufig geäußerte Kritik an Samsung ist der große Anteil von Bloatware: Apps, die eher überflüssig sind und sich im schlimmsten Fall auch nicht löschen lassen und so wertvollen Flash-Speicher belegen. Die Bloatware hält sich beim Galaxy Note 5 im Rahmen, allerdings bringt Samsung die meistgenutzten Apps gleich mit, darunter die „Facebook-Suite“ bestehend aus Facebook, Messenger, Instagram und WhatsApp sowie die Microsoft-Apps Word, Excel, Skype & Co.

Technische Daten Samsung Galaxy Note 5

Betriebssystem Android 5.1.1 Lollipop, TouchWiz
Display Super AMOLED, 5,7 Zoll (2560 x 1440, 518 ppi)
Prozessor Samsung Exynos 7420 Octa-Core 64 Bit (4 x 2,1 GHz, 4 x 1,5 GHz)
Arbeitsspeicher/
Flash-Speicher
4 GB / 32 GB
WLAN IEEE 802.11 a/ac/b/g/n
Datenfunk LTE, HSDPA, Quadband
Nahbereichsfunk Bluetooth 4.1 / NFC
Frontkamera 5 Megapixel
Hauptkamera 16 Megapixel, 4K, Full HD (60 fps)
Akku Lithium-Polymer (3000 mAh)
Abmessungen / Gewicht 153 x 76 x 7.6 mm / 171 g

Fazit

Das Samsung Galaxy Note 5 hinterlässt einen gemischten Eindruck. Anwender des Galaxy Note 4 können getrost beim Vorgänger bleiben, die wenigen Verbesserungen rechtfertigen kaum eine Neuinvestition. Auf der Haben-Seite verbucht der Jahrgang 2015 einen schnelleren Prozessor, bessere Gehäusematerialien und etwas kompaktere Abmessungen. Dafür muss man auf microSD und wechselbaren Akku verzichten. Die Gehäuserückseite mag zwar schöner sein, sieht aber schnell schmuddelig aus. Wer auf den Stift verzichten kann, ist beim Galaxy S6 edge+ besser aufgehoben. Wer das nicht kann, muss überlegen, ob es nicht auch der Vorgänger tut. Der ist deutlich günstiger zu haben. Wer aktuelle Hardware will und ein wertigeres Gehäuse, muss beim Import zuschlagen.

Das Galaxy Note 5 ist bei uns im Shop erhältlich.

avatar

Veröffentlicht von

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c’t, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.

Das könnte dich auch interessieren

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz