Test Samsung Galaxy S5: Das fünfte Element

samsung galaxy s5 Etwas bescheidener als im Jahr zuvor hat Samsung sein Smartphone-Spitzenmodell vorgestellt: Das Samsung Galaxy S5 tritt ein schweres Erbe an, denn bereits das Vorgängermodell bot eigentlich alles, was ein modernes Smartphone haben muss. Der 2014er-Jahrgang wurde lediglich ein bisschen ausgebaut und enthält modernere Komponenten: mehr GHz, mehr Megapixel, ein etwas größerer Bildschirm. Um das Publikum dennoch mit Neuigkeiten begeistern zu können, stecken im Galaxy S5 ein Schrittzähler, ein Herzfrequenzsensor und ein Fingerabdruckscanner. Zudem ist das S5 wasser- und staubgeschützt.

Ein schöner Rücken könnte auch entzücken

In einem Punkt ist sich Samsung treu geblieben, auch wenn das einige Erwartungen enttäuscht hat: Das Gehäuse besteht nach wie vor aus Kunststoff. Und Samsungs verwendeter Kunststoff erreicht haptisch nicht die Klasse des Materials der Lumia-Reihe von Nokia oder jene des iPhone 5c. Dennoch hat sich beim Samsung Galaxy S5 etwas zum Besseren getan: Die matte Rückseite mit ihrer Struktur fühlt sich deutlich griffiger an als die glatte Oberfläche des Vorgänger. Zudem hat der neue Rücken auch einen praktischen Nutzen, denn das S5 rutscht einem nicht mehr ganz so schnell aus den Händen wie das Vorgängermodell. Der abnehmbare Deckel wirkt auch etwas stabiler, Knackgeräusche lassen sich schwerer provozieren. samsung-galaxy-s5 Wir haben das schwarze Modell von Samsung zur Verfügung gestellt bekommen. Wie auch die Modelle mit goldfarbener, weißer und blauer Rückwand glänzt das Smartphone mit einem fetten silberfarbenen Kunststoffrahmen im Chrom-Look. Das Design löst bei uns unterschiedliche Reaktionen aus: von „Mann, ist das hässlich“ bis „könnte schlimmer sein“. Aber Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Samsung Galaxy S5 wasserdicht Wenn man das Gehäuse unter die Lupe nimmt, fällt einem eine Abdeckung in der unteren Rahmenkante auf. Unter ihr befindet sich der USB-Port, um das Smartphone aufzuladen. Die Klappe ist dem Wasser- und Staubschutz geschuldet. Der Benutzer wird gewarnt, wenn die Schutzklappe geöffnet ist. Ebenso erhält man einen Hinweis nach dem Neustart des Smartphones, den Gehäusedeckel möglichst fest zu schließen. Die Klappe lässt sich mit etwas Fummelei öffnen, was in der Praxis manch einen am Anfang nerven könnte, bis man den Dreh raus hat: Den Fingernagel seitlich in die kleine Lücke bohren und die Klappe aufhebeln. Trotzdem, einfach Einstecken wäre einfacher. Dafür ist das Smartphone eben geschützt, und zwar nach IP67-Norm. Es kann also theoretische 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe schadlos überleben. Wir haben den Schutz bereits in unserem Hands-on getestet und in einem Video festgehalten. Samsung Galaxy S5 Lautsprecherwippe Die Lautsprecherwippe befindet sich in der linken Rahmenkante, der Power-Button auf der rechten Seite. Beide Bedienelemente gefallen durch einen klaren Druckpunkt, der von einem leichten Knacken akustisch unterstützt wird. Man weiß somit, was man tut. In der oberen Rahmenkante befinden sich die Audio-Buchse und ein Infrarot-Sensor, mit dem sich das Galaxy S5 auch als Fernbedienung für passende TV-Geräte eignet.

Schau mich an

Das Highlight des Galaxy S5 ist sicherlich der Bildschirm. Erneut kommt ein Super-AMOLED mit Full-HD-Auflösung zum Einsatz, das von 5 auf 5,1 Zoll gewachsen ist. Damit sinkt die Pixeldichte beim neuen Modell vernachlässigbar von 441 ppi auf 432 ppi. Erst bei deutlich größeren Displaydiagonalen würden höhere Auflösungen Sinn ergeben, zumal sie mehr Rechen- und Grafikleistung benötigen und damit die Akkulaufzeit verkürzen. Der Bildschirm überzeugt durch seine Helligkeit: Beim Vorgänger maßen wir noch durchschnittlich 300 cd/m², das Galaxy S5 kommt im Mittel auf sehr gute 328 cd/m². Getrübt wird das Ergebnis allerdings durch die ungleiche Helligkeitsverteilung. Im oberen Drittel strahlt das Galaxy S5 noch 350 Candela hell, in der Mitte 330 und im unteren Drittel nur noch knapp über 300 Candela. Auffallen wird das aber nur den wenigsten Anwendern und auch in hellem Sonnenlicht sollte man den Bildschirm gut ablesen können. Samsung Galaxy S5 VorderansichtDas Super-AMOLED schaltet schlichterhand LEDs aus, wenn sie Schwarz anzeigen sollen. Da sich der Kontrast aus dem Schwarzwert ableitet und übliche LCDs auch schwarze Pixel beleuchten, lässt sich der Kontrast bei AMOLED-Bildschirmen nur subjektiv wiedergeben – der Schwarzwert ist bei ihnen „Null“, der Kontrast demnach rechnerisch „unendlich hoch“. Um es kurz zu machen: Der subjektive Eindruck ist hervorragend. Farben wirken satt, der Kontrast hoch und die Farbwiedergabe recht natürlich. Einen Farbstich konnten wir nicht bemängeln. Hinzu kommt noch eine hervorragende Blickwinkelstabilität. Selbst aus spitzem Winkel betrachtet nimmt der kontrastreiche und helle Eindruck kaum ab. Insgesamt heimst das Display des Samsung Galaxy S5 Höchstnoten ein und gehört zum Besten, was man im Moment auf dem Markt bekommen kann.

Mitgenommen: Der Dauerläufer

Das Samsung Galaxy S5 wiegt mit 144 g zwar 16 g mehr als der Vorgänger, gehört damit aber noch zu den leichteren Smartphones, vor allem angesichts der Abmessungen. Die fallen mit 142 x 8-9,9 x 72 mm moderat größer aus als beim Vorgänger. Die maximale Höhe von fast 10 mm verursacht die deutlich herausstehende Kamera beziehungsweise Linse. Von der Seite betrachtet erkennt man zudem eine leichte Keilform des Gerätes. Samsung Galaxy S5 Akkutausch Der wechselbare Akku im Samsung Galaxy S5 besitzt eine Kapazität von 2800 mAh, immerhin 200 mAh mehr als das Galaxy S4. Die Sprechzeit gibt Samsung mit 21 Stunden, die Standby-Zeit mit 390 Stunden an. So viel Zeit stand für unseren Test nicht zur Verfügung, für einen Vergleich bemühten wir wie beim Vorgänger den YouTube-Test. Hierfür läuft ein Video in Dauerrotation bei höchster Displayhelligkeit und abgeschalteten Energiesparmaßnahmen. Das S4 überzeugte seinerzeit mit einer Laufzeit von 7 Stunden, das S5 legt da trotz höherer Displayhelligkeit noch mehr als eine Schippe drauf und spielte das Video über zehn Stunden lang ununterbrochen ab. Ein Teil des guten Ergebnisses ist allerdings dem AMOLED-Display geschuldet, da das Video hohe Schwarzanteile besitzt. Falls es mit der Akkukapazität trotzdem sehr knapp werden und die nächste Steckdose weit entfernt sein sollte, lassen sich Samsungs neue Energiesparmaßnahmen bemühen. In den Einstellungen findet man den „Ultra-Energiesparmodus“, der auf ein Graustufen-Thema mit hohem Schwarzanteil setzt und nur noch bestimmte Aktionen zulässt. WLAN, Bluetooth und der Internetzugang über Funk sind dann deaktiviert und die Helligkeit reduziert. Offline-Apps kann man weiterhin benutzen, muss diese aber manuell auf dem reduzierten Startbildschirm hinzufügen. Dieser Modus lässt sich jederzeit aktivieren. Nicht ganz so radikal geht der „normale“ Energiesparmodus zu Werke, bei dem sich das Smartphone in einen Graustufenmodus schalten lässt, der die Funktionalität aber nicht einschränkt.

Technikdurchlauf: Ab durch den Hyperraum

Im Samsung Galaxy S5 steckt erwartungsgemäß alles, was ein Spitzen-Smartphone beim jetzigen Stand der Technik haben kann wie beispielsweise LTE und WLAN-ac. Falls Anwender mal einen wirklich schnellen Down- oder Upload benötigen, lassen sich WLAN und LTE gleichzeitig nutzen, um die Übertragungsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen. NFC, GPS und Bluetooth 4.0 sind mit an Bord. Lediglich beim Arbeitsspeicher zeigt sich Samsung etwas knauseriger, 2 GB RAM müssen reichen. Andere Hersteller von Android-Smartphones spendieren ihren Geräten bereits 3 GB. Im Normalfall sollten 2 GB aber locker reichen. Lediglich bei vielen gleichzeitig geöffneten Apps könnte der Speicher knapp werden. Samsung Galaxy S5 Innenleben Unter dem abnehmbaren Gehäusedeckel verbergen sich wie gewohnt der wechselbare Akku und ein microSD-Kartenslot, der Kleinstkarten bis zu 128 GB Größe schluckt. Das relativiert die etwas knappen 16 GB Massenspeicher, die derzeit in den hiesig erhältlichen Geräten steckt. Von diesen 16 GB stehen dem Anwender gerade mal knapp über 11 GB zur Verfügung. Im Inneren des Smartphone kommt der Qualcomm Snapdragon 801 SoC zum Einsatz, dessen vier Prozessorkerne mit 2,5 GHz takten. Als Grafikeinheit dient die auf dem SoC integrierte Adreno 330 GPU. Benchmarks sind im Grunde eine feine Sache, um die Leistungsfähigkeit von verschiedenen Geräten zu vergleichen. Eigentlich. Bei Android-Spitzen-Smartphones kann man sich den Vergleich inzwischen sparen, denn die Hersteller tricksen Benchmark-Programme ganz gerne aus. Zudem kommen in der Android-Königsklasse derzeit ohnehin nur Qualcomm-Prozessoren zum Einsatz, womit die reine Hardware-Leistung ziemlich gut definiert ist – wenn man beim Prozessorwirrwarr mitkommt. In der Praxis spielen die Werte aber keine Rolle, sondern die Leistung, die tatsächlich nutzbar ist. Und die ist beim Galaxy S5 absolut „ausreichend“: Aufwendigere 3D-Spiele wie Real Racing 3 laufen auf dem S5 sichtbar flüssiger als auf Smartphones der vorherigen Generation. Samsung Galaxy S5 Seitenansichten Eine ähnlich gute Leistung zeigt das Galaxy S5 auch beim Surfen, selbst das Scrolling komplexerer Webseiten klappt in der Regel ruckelfrei. Die Benchmark-Ergebnisse sind hingegen wie oben schon erwähnt mit Vorsicht zu genießen: Im Sunspider-Test, der die JavaScript-Performance in Webbrowsern misst, erreicht der hauseigene Samsung-Browser superschnelle 378,4 ms. Zum Vergleich: Das Vorgängermodell S4 benötigte noch 1181,4 ms, das iPhone 5s liegt mit knapp 400 ms knapp hinter dem S5. Stutzig macht uns aber das Ergebnis von Google Chrome auf dem Galaxy S5. Hier zeigt der Sunspider-Test 753,7 ms an. Es ist nur schwer vorstellbar, dass der Samsung Browser Google Chrome dermaßen die Rücklichter zeigt. Wie oben schon erwähnt, in der Praxis spielt das keine Rolle. Das Galaxy S5 ist schnell. Punkt.

Neue Körperlichkeit: Herzklopfen und fit mit Schritt

Deutlich ausgebaut hat Samsung das Thema rund um Fitness und Gesundheit. Zentrale für alle Körperfragen ist nach wie vor die App S Health. In ihr trägt sich der Anwender mit Geburtsdatum, Körpergröße und Gewicht ein. Auch mit anderen Daten lässt sich die App füttern wie beispielsweise mit der täglichen Nahrungsaufnahme. Damit der Kalorien-Verbrauch halbwegs stimmig ist, lassen sich Zutaten und Gerichte mit jeweiligen Angaben finden. Erstaunlich, wie viele Sorten Muffins beispielsweise schon aufgelistet sind. Samsung Galaxy S5 Fingerabdrucksensor und Kamera Neu hinzugekommen sind zwei Sensoren, die die App noch hilfreicher machen sollen. Der Schrittzähler tut das, was der Name schon sagt: Schritte zählen. Er verzählt sich oft und arbeitet sehr ungenau. Der praktische Nutzen ist allerdings schon dadurch beschränkt, dass man das Galaxy S5 im Gegensatz zum Beispiel zu einem Fitnessarmband nicht unbedingt immer bei sich tragen wird. Ein weiteres Manko: Ein eigener Prozessor wie der M7 im iPhone 5s fehlt dem Samsung Galaxy S5. Im iPhone sorgt er dafür, dass er stromsparend alle relevanten Sensordaten protokolliert, auch wenn keine App aktiv ist. Erst wenn diese aktiv ist, werden die Daten an die App übermittelt und ausgewertet. Beim Galaxy S5 muss man hingegen S Health starten und den Schrittzähler aktivieren. Der zweite Sensor ist schon spannender, misst er doch die Herzfrequenz. Als Gimmick macht das Teil Spaß, Samsung warnt aber selbst in der App davor, die Ergebnisse als medizinische Tatsache anzusehen. Das Prozedere: Der Anwender legt seinen Finger leicht auf den Sensor unterhalb der Rückseitenkamera, bleibt laut Anweisung ruhig und leise und wartet die rote Durchleuchtung der Fingerspitze ab. Fall es nicht klappt bekommt man einen Hinweis, wie es richtig geht. Es dauert etliche Sekunden, bis das Ergebnis dann vorliegt. Was man damit anfangen soll oder kann, bleibt jedem selbst überlassen, die App hilft dabei nicht groß weiter.

Fingerhakeln

Apples Fingerabdrucksensor im iPhone 5s hat für viel Aufsehen gesorgt, immerhin waren die Enthüllungen über das wahre Ausmaß der Datensammlungen von Geheimdiensten noch in der Diskussion. Und dann biometrische Daten wie den eigenen Fingerabdruck freiwillig herausrücken? Auch Samsung versucht sich nun in der Fingerabdruck-Erkennung, setzt aber ein anderes System ein. Bei Apple muss man lediglich mit dem Finger auf den Home-Button drücken. Die Erkennung läuft nicht darüber, dass der tatsächliche Fingerabdruck im iPhone gespeichert wird, sondern die Software einen Hashtag aus dem Scan ermittelt und diese vergleicht. Zudem können keine Drittanbieter-Apps auf den Hashtag zugreifen. Bei Samsung sieht es etwas anders aus, hier streift man wie bei älteren Systemen mit dem Finger über den Home-Button. Um das korrekt zu tun, benötigt man beide Hände oder muss das Gerät hinlegen. Was nach der Erkennung läuft oder was Samsung im Speicher ablegt, das wissen wir nicht. Dafür können Fremdanbieter-Apps auf den Fingerabdruck zugreifen. Das hat zwar nicht für die Sicherheit, wohl aber für die Bequemlichkeit des Anwenders positive Auswirkungen: Kann man mit Apples Abdruck lediglich in Apple-Apps wie bei iTunes einkaufen, kann man bei Samsung dagegen via PayPal viel Geld loswerden. Im wörtlichen Sinne, falls das Smartphone in die falschen Finger gerät, denn der Scanner lässt sich ziemlich einfach überlisten. Samsung Galaxy S5 Power Button mit Fingerabdrucksensor Abgesehen von den theoretischen Überlegungen: Samsungs Fingerabdrucksensor funktionierte zumindest bei mir nicht. Nach der halbwegs schmerzfreien Einrichtung schlugen sämtliche meiner Versuche fehl, das Smartphone mittels gefühlvoller Wischbewegung zum Entsperren zu bewegen. Nach fünf Fehlversuchen muss man dann das Passwort eingeben. Eigentlich, denn man kann das Smartphone einfach aus- und anschalten, um einen weiteren Versuch zu starten. Nachdem nach etlichen weiteren Versuchen die Fehlermeldung „Keine Übereinstimmung“ kam, brach ich das Experiment entnervt ab und drückte das Telefon meinem Chefredakteur in die Hand. Sein „magischer Finger“ funktionierte nach der Erkennung sofort und das Smartphone gab sich bereitwillig hin. In vier Versuchen gab es nur eine Nicht-Erkennung. Danach probierte ich es wieder aus, ließ meinen Finger neu erkennen und ging dabei besonders behutsam vor. Ein erstes Erfolgserlebnis: Nach einer Neuerkennung und zwei Versuchen war auch ich mittels Finger drin. Die weiteren Fehlversuche hätte ich mir aber sparen können, mein Pulsschlag stieg um mindestens 10 bpm, wie ich mit dem Pulsmesser nach der Passworteingabe herausfand. Wenigstens der konnte mit meinem Finger etwas anfangen. Übrigens: Bei einem Test des iPhone 5s funktionierte die Fingerentsperrung auch bei mir ohne Murren. Der Punkt geht an Apple, Samsung sollte sich indessen in eine Ecke stellen und eine Runde schämen.

Linsengericht

Auf der Vorderseite steht eine 2-Megapixel-Kamera zur Verfügung, was angesichts der Konkurrenz im konservativen Bereich liegt. Für Videochats reicht die Qualität der vorderen Kamera aus, für Selfies nur bedingt. Witzig ist das Feature, mit beiden Kameras gleichzeitig aufnehmen zu können. Das eigene Konterfei wird damit beispielsweise in Briefmarkengröße dem eigentlichen Foto hinzugefügt. Neu ist das allerdings nicht. Samsung Galaxy S5 Webcam   Dafür hat sich bei der rückseitigen Kamera einiges getan. Es gibt nicht nur mehr Megapixel, nämlich 16, sondern auch neue Bearbeitungsmodi, einen rasant schnellen Autofokus und ein neues, gut zu bedienendes und übersichtliches Menü. Geblieben ist die Blende von f/2.2. Ein Vorteil von Kameras mit großen Sensoren ist die Möglichkeit, mit der Schärfentiefe zu spielen und das fotografierte Objekt in den Mittelpunkt zu holen, indem man den Hintergrund unscharf „zeichnet“. Mit den kleinen Smartphone-Sensoren ist das lediglich sehr begrenzt möglich, weshalb die Hersteller zu Tricks greifen. Im Falle von HTC beim One (M8) zu einer zweiten Kamera, die lediglich Tiefeninformationen ausliest, beim Samsung Galaxy S5 muss Software ran. Im Gegensatz zur HTC-Lösung müssen einige Bedingungen erfüllt sein, um den Hintergrund weichzeichnen zu lassen. Samsung Galaxy S5 Beispielbild Bei Objekten, die sich klar von dem Hintergrund trennen und an die man relativ nah herankommen kann – Samsung spricht von 50 cm – lässt sich bereits beim Knipsen der Hintergrund unscharf stellen. Etwas irritierend dabei ist, dass man das aufgenommene Bild nicht sofort sieht und erst das Bild aufrufen muss, um erkennen zu können, ob das Ergebnis passt. Die Minivorschau reicht dafür nicht aus. Eine andere Möglichkeit ist die nachträgliche Bearbeitung, was aber nur bei Portraits klappt – wenn das Galaxy das aufgenommene Gesicht denn überhaupt erkennt, was nicht immer der Fall ist. Die Funktion versteckt sich in der Abteilung „Portrait-Verschönerung“ und funktioniert bei Aufnahmen mit gutem Licht und klaren Strukturen recht gut.

Was hingegen überzeugen kann, sind die Aufnahmen der 16 Megapixel Kamera bei gutem Licht. Die Fotos sind dank der hohen Pixelzahl äußerst detailreich. Zumindest dann, wenn sie scharf sind. Das ist nicht immer der Fall, was zum Teil am Autofokus liegt, der zwar rasend schnell arbeitet, aber nicht immer das Ziel trifft. Da ein optischer Bildstabilisator fehlt und Samsung offensichtlich bei schlechterem Licht eine recht lange Verschlusszeit wählt, um heftigeres Bildrauschen zu vermeiden, sind leicht Verwacklungen möglich und ergeben am Ende ein unscharfes und verwaschenes Bild. Zumindest kann man in den Einstellungen einen Software-Bildstabilisation zuschalten oder manuell den ISO-Bereich festlegen. Der reicht dann von ISO 100 bis maximal ISO 800. Mehr hilft mehr: 4K ist ja das nächste große Ding im Videobereich und so kann man Filme mit dem Galaxy S5 nicht nur in Full HD aufnehmen, sondern sogar in UHD mit 3840 x 2160 Pixeln. Die aufgenommenen Videos spielt das Galaxy S5 flüssig ab, eine Minute Video belegt über 350 MB Speicher. Damit wird selbst das einfache Trimmen der Videos auf dem S5 zum Geduldsspiel, denn auf jede Bildvorschau wartet man einige Sekunden.

Eine Frage des guten Tons

Samsung Galaxy S5 Lautsprecher Zum guten Ton gehören gute Lautsprecher. Die positive Nachricht: Die Lautstärke reicht aus, um der Umgebung gehörig auf die Nerven gehen zu können. Den eigenen allerdings auch, denn maximal aufgedreht vibriert nicht nur die Rückwand des Galaxy S5, sondern man nimmt leichte Verzerrungen wahr und die Höhen tendieren zum Scheppern. Spitz genug sind sie, um sich schmerzhaft ins Trommelfell zu bohren. Auch wenn das leicht übertrieben ist: Bässe glänzen durch Abwesenheit und die Mitten sind schwach ausgeprägt. Zumindest die spitzen Höhen lassen sich etwas abmildern, wenn man das Gerät auf den Tisch oder noch besser einen Teppich legt. Bei moderaterer Lautstärke fällt die unausgewogene Klangwiedergabe zum Glück nicht so extrem auf und die Qualität reicht für Spiel und Video aus.

Weiche Ware: Willkommen im KitKat-Club

Auf dem Samsung Galaxy S5 ist erwartungsgemäß das aktuelle Betriebssystem von Google Android 4.4.2 alias KitKat installiert. Wie üblich installiert Samsung etliche mehr oder weniger sinnvolle Apps vor. Der Anteil an Bloatware ist aber entschieden zu hoch, zumal sich die Apps nicht ohne weiteres löschen lassen. Dazu gehören solche „Perlen“ wie eine Bringdienst-, eine Hotel-Reservierungs- und eine Werbeprospekte-App. Muss nicht sein. Ansonsten wartet das Galaxy S5 mit einer leicht überarbeiteten TouchWiz-Oberfläche auf, die im Vergleich zu früheren Versionen etwas konsistenter und flacher wirkt. Bunt ist sie immer noch. Der Funktionsumfang erschlägt einen jedoch nach wie vor und alle Möglichkeiten aufzuführen, würde den Rahmen des Tests sprengen.

Spezifikationen Samsung Galaxy S5

Display: 5,1 Zoll, 1920 x 1080 Pixel, Super-ALOMED, glänzend Prozessor: Qualcomm Snapdragon, Quad-Core (2,5 GHz) Grafik: Adreno 330 Betriebssystem: Android 4.4.2 KitKat Arbeitsspeicher: 2 GB RAM Massenspeicher: 16 GB Schnittstellen: Micro-USB, Audio, microSD-Kartenleser Konnektivität: LTE, HSDPA, HSAP+, HSUPA, GSM, WLAN (a/ac/b/g/n), Bluetooth 4.0, NFC Abmessungen / Gewicht: 141,63 x 8 – 9,89 x 71,73 mm / 144 g Kameras: 16-Megapixel-Kamera (hinten), 2.0-Megapixel-Kamera (vorne), LED-Blitz Sonstige Ausstattung: Fingerabdruckscanner, Pulsmesser, Schrittzähler, GPS

Fazit

Das Samsung Galaxy S5 ist eine klare Verbesserung des Vorgängers und bietet alles, was ein aktuelles High-End-Smartphone bieten muss. Sogar ein bisschen mehr und hier liegt das Problem: Der Fingerabdrucksensor ist mangelhaft implementiert und somit eine überflüssige Spielerei. Ähnlich fällt unser Urteil zum Schrittzähler aus, der zu ungenau arbeitet und deshalb nur wenig Sinn ergibt. Ob man den Pulsmesser als nützliche Beigabe sieht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf der anderen Seite gefällt der Schutz vor Staub und Wasser, was zumindest manchem Galaxy S5 das Leben retten könnte. Manche Anwender haben ein Händchen dafür, ihre Smartphones zu versenken. Samsung Galaxy S5 Quer Beim Kunststoffgehäuse hat Samsung zwar Fortschritte gemacht, andere Hersteller können das aber besser. Über das Design lässt sich trefflich streiten. Wer auf einen wechselbaren Akku Wert legt, hat derzeit bei den Spitzen-Smartphones aber wenig Alternativen. Für manche Anwender dürfte auch das überladene Betriebssystem eine angenehme Spielwiese sein, auf der man allerhand Funktionen entdecken und ausprobieren darf. Vieles davon ist dann auch nicht mehr als eine Spielerei. Samsung Galaxy S5 Komplettpaket Überzeugend sind aber – gutes Licht vorausgesetzt – die rückseitige Kamera, die hervorragende Akkulaufzeit und das helle, kontrastreiche und äußerst blickwinkelstabile Super-AMOLED-Display. In diesem Punkt setzt Samsung ein Ausrufezeichen und liefert ein gutes Kaufargument. Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Preis. Der empfohlene VK liegt bei knapp 700 Euro für das 16 GB-Modell und damit gleichauf mit Apples iPhone 5s. In unserem Shop ist das Galaxy S5 bereits für 650 Euro zu haben. Beinharte Samsung-Galaxy-Fans werden auf jeden Fall zuschlagen. Enttäuscht werden sie nicht sein.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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