Test Sennheiser RS 185: Funkkopfhörer mit Ladestation

Musikliebhaber, die auf eine Dauerbeschallung ohne Klangverlust Wert legen, greifen zu einem Kopfhörer. Einflüsse des Raumklangs spielen keine Rolle und man kann jederzeit so laut aufdrehen, wie man will. Wer sich dabei in Haus und Garten frei bewegen möchte, nutzt dafür einen Funkkopfhörer wie den RS 185 von Sennheiser mit einer Reichweite von bis zu 100 m.

Für jüngere Semester ist Funkkopfhörer wohl nur ein Synonym für Bluetooth-Headset. Doch im Vergleich zum Kurzdistanzfunk Bluetooth entspricht die theoretische Reichweite eines Funkkopfhörers wie dem Sennheiser RS 185 dem Zehnfachen. Vorteilhaft, wenn man seine Musikanlage mit unterschiedlichen Quellen wie CD, Schallplatte, Musikserver oder Radio bespielt und sich dabei frei in Haus und Garten bewegen möchte. Einfach den Sender via optischem Toslink oder analogen Cinch an die Musikanlage anschließen, Bügelkopfhörer einschalten, aufsetzen, hören. Die Sendestation dient praktischerweise zugleich als Ladestation für den Kopfhörer. Passende AAA-Akkus legt Sennheiser dem Funkkopfhörer bei, man muss sie vor der ersten Nutzung nur noch einsetzen und aufladen, was eine ganze Nacht dauern kann. Die Akkus im Bügelkopfhörer ermöglichen zwei Tage andauernden Musikgenuss.

Kopfhörer und Sender integrieren sich durch ihre schwarz-braune Farbgebung nicht so recht in moderne HiFi-Anlagen, die überwiegend schwarz oder silberfarben gehalten sind. Trotz der Verwendung von viel Kunststoff ist die Verarbeitungsqualität auf einem hohen Niveau. Der Sender könnte über einen stabileren Stand verfügen, dann geriete er nicht so leicht ins Wanken, wenn man den Kopfhörer auf die Ladestation hängt. Der Kopfhörer trägt mit einem Kampfgewicht von 310 g schwer auf. Die ohrumschließenden Muscheln mit ihren weichen Polstern und die beiden Kunstlederpolster am Bügel drücken auf den Kopf, zwar nicht unangenehm, aber doch spürbar. Dafür sitzt der Kopfhörer so fest, dass man beim Arbeiten in Haushalt und Garten Musik hören kann, ohne dass er runterfällt. Durch das offene System dringen Tonsignale durch die Hörmuscheln nach außen und innen. Bei zu laut aufgedrehter Musik kann die Umgebung mithören und andersrum dringen auch Umgebungsgeräusche nach innen. Nachts im Ehebett oder beim Rasenmähen sollte man den Kopfhörer also nicht verwenden. Dafür gewährleisten die Hörmuscheln eine gute Wärmeabfuhr, sodass die Ohren nicht Schwitzen, wenn man die Sennheiser RS 185 längere Zeit trägt.

Bedienung

Um den Kopfhörer in Betrieb zu nehmen, muss man die Sendestation mit Strom und den Musikquellen verbinden. Die Anschlüsse für Toslink und Cinch befinden sich an der Rückseite, passende Kabel gehören zum Lieferumfang. Zwischen den beiden Anschlüssen befindet sich ein Schiebeschalter zum Aktivieren des gewünschten Signaleingangs. Um ihn zu betätigen, muss man also hinter das Gerät greifen und ihn, je nach Aufstellort, blind bedienen – unpraktisch.

Nutzt man den analogen Cinch-Anschluss, kann man die Signaleingangspegel automatisch austarieren lassen oder manuell über einen Drehregler an der Vorderseite der Sendestation einstellen. Im Test haben wir der automatischen Justierung den Vorrang gegeben, denn sie arbeitete einwandfrei. Im Zweifel erhält man mit der manuellen Aussteuerung des Eingangspegels eine nur minimal höhere Lautstärke, läuft aber auch Gefahr, verzerrte Tonsignale auf die Ohren zu bekommen, was die Sendestation zusätzlich durch eine rote LED signalisiert. Denn nach einem Wechsel der Musikquelle kann sich auch der Eingangspegel ändern, was sich mit einer Übersteuerung oder deutlich leiserer Wiedergabe äußern kann. Der Automatik-Modus gleicht das aus, ohne dass man aktiv werden muss.

Über den Bügelkopfhörer kann man ebenfalls Einfluss auf die Lautstärke nehmen. An der rechten Muschel befinden sich die Lautstärke-Tasten. Obwohl sich insgesamt fünf Tasten dicht gedrängt nebeneinander befinden, lassen sich zumindest die Lautstärketasten sehr gut blind bedienen. Die Treffsicherheit fällt bei den anderen Tasten, die der Justierung der Balance und Umschaltung des Modus der Eingangspegelanpassung dienen, nicht so hoch aus. Aber die benötigt man im alltäglichen Betrieb nur selten.

Klangqualität

Eins vorab: Der Kopfhörer Sennheiser RS 185 rauscht nicht, was wir von Funkkopfhörern auch anders kennen. Den leicht überbetonten Tiefen fehlt es zwar marginal an Punch, trotzdem sprechen sie akkurat an. Basswummern, wie man es beispielsweise vom Bluetooth-Kopfhörer Jabra Revo Wireless kennt, sind beim Sennheiser RS 185 nie zu hören. Trotz der eher warmen Ausrichtung des Klangbilds kommen die Mitten nicht zu kurz. Gesang ist klar verständlich und bei verzerrten Gitarren bleiben Details gut differenzbar. Größter Kritikpunkt sind die Höhen. Sie klingen angenehm sauber, schon fast synthetisch und sind zu leise. Hektische, überladene Musik kommt mit dem Sennheiser RS 185 nicht gut zur Geltung, dafür fehlt ihm etwas Schub. Am wohlsten fühlen sich Kopfhörer und Zuhörer bei Musik mit klaren Akzenten ohne großes Durcheinander. Wenn man will, kann man den Sennheiser RS 185 sehr laut spielen lassen. Ab einem bestimmten Lautstärkepegel geht jedoch der Bass aufgrund der eingebauten Loudness-Funktion unter. Allerdings erst ab einer Lautstärkestufe, die man dauerhaft kaum aushält.

Die Ohrpolster lassen sich einfach abnehmen.

Die Ohrpolster lassen sich einfach abnehmen.

Digitalfunk

Für eine störungsfreie Funkübertragung sollte man den Sender so weit wie möglich von anderen drahtlosen Geräten wie A/V-Receiver oder Smart-TV mit WLAN-Anbindung aufstellen. Der Digitalfunk arbeitet im Frequenzband von 2,4 bis 2,48 GHz und damit genau im gleichen Bereich wie WLAN b/g/n, Bluetooth, DECT-Telefone und Mikrowellen. Dadurch entstehen Frequenzüberlagerungen, die für Störungen sorgen können, was sich beim Sennheiser RS 185 durch Aussetzer bei der Musikwiedergabe bemerkbar machen kann. Und tatsächlich: Steht der Sender direkt neben einem WLAN-Router oder wartet man in der Küche auf sein Mikrowellenmahl, muss man mit Aussetzern rechnen. Auch WLAN-kontaminierte Umgebungen können die Musikübertragung negativ beeinflussen. Bei mir Zuhause im Stadtzentrum Hannovers senden in Reichweite zig WLAN-Netze im 2,4-GHz-Bereich, was sich schon beim Surfen durch lange Ladezeiten bemerkbar macht. Verschanze ich mich mit dem Kopfhörer in Sichtverbindung zum Sender im WLAN-Schatten in einer Zimmerecke, läuft die Musik problemlos durch, doch sobald ich mich in das WLAN-Gewitter auf den Balkon wage, bleibt der Kopfhörer stumm. Der Sennheiser RS 185 benötigt also einen möglichst leeren Funkraum im Bereich um die 2,4 GHz, um den Musikstream ohne störende Aussetzer zu gewährleisten. Auch massive Wände können die Funkübertragung beeinträchtigen, was zu Aussetzern bei der Musikwiedergabe führen kann.

Fazit

Der Funkkopfhörer Sennheiser RS 185 sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Der offene Bügelkopfhörer ist atmungsaktiv, was langes Tragen ohne große Hitzewallungen an den Ohren ermöglicht. Der stramme Sitz und spürbare Druckstellen können sich unangenehm auf den Tragekomfort auswirken. Dafür bietet der Funkkopfhörer Sennheiser RS 185 einen Komfort, wie ihn nur wenige Kopfhörer bieten. Die Sendestation ist mit der stationären Musikanlage verbunden, während man mit dem Kopfhörer in Haus oder Garten Musik hören kann. Vorausgesetzt, der Funkraum ist nicht von WLAN-Signalen überfüllt, was leider in Städten immer stärker vorkommt. Dann unterbricht die Funkübertragung schon mal die Musikwiedergabe, auch wenn man sich nur wenige Meter von der Sendestation entfernt hat. Läuft die Musik, kann man sich einem rauschfreien Klangbild mit leichter Bevorzugung der Tiefen und Mitten bei starker Zurückhaltung der Höhen hingeben.

Zum Testzeitpunkt kostet ein Sennheiser RS 185 inklusive Sendestation 284 Euro bei notebooksbilliger.de

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Über Robert Tischer

Aufgewachsen mit Lego und Nintendo Game Boy eroberte schon bald ein Laptop mit MS-DOS und Windows 3.1 mein Herz und meinen Schreibtisch im Jugendzimmer. Nach einer kurzen Technikrezession sind Schreibtisch und Spielplatz 20 Jahre später auf die Größe eines Wohnzimmers gewachsen, das inzwischen einen Anbau vertragen könnte.
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