Test Sony Xperia X: Smartphone der High-End-Mittelklasse

Test Sony Xperia X
Mal Hand aufs Herz: Für die meisten Alltagsaufgaben benötigt man kein High-End-Smartphone. Mittelklassemodelle erledigen fast alles genauso gut, kosten aber weniger. Das Sony Xperia X ist ein Vertreter, der noch zur Mittelklasse gehört, leistungs- und ausstattungstechnisch teilweise an der Oberklasse kratzt und dementsprechend etwas mehr kostet. Wir haben einen ausführlichen Blick riskiert und angesehen, ob das Xperia X dem Xperia Z5 ein U vormachen kann.

Omni-Balance

Omni-Balance ist das Stichwort, wenn es um das Design des Sony Xperia X geht. Wie bei der kompletten Xperia-Linie von Sony fügt sich auch das X der einheitlichen Design-Sprache. Die Rückseite ist flach, der Rahmen aus Aluminium abgerundet. An Farben stehen Weiß, Graphit-Schwarz, Lime-Gold und Rosé-Gold zur Auswahl. Im Test hatten wir das graphit-schwarze Modell, das durchweg sehr gut verarbeitet ist. Material, Abmessungen von 69,4 x 142,7 x 7,9 mm und ein Gewicht von 153 g vermitteln zusammen eine angenehme Haptik. Ein Smartphone, das man gerne in der Hand hält.

Die Lage der Bedienelemente ist beim Xperia X etwas gewöhnungsbedürftig, liegt die Lautstärkewippe doch am rechten Rand im unteren Drittel. Sony geht hier seinen eigenen Weg. Wer nicht gerade von einem Sony Xperia Z5 umsteigt, muss sich umgewöhnen, denn die meisten Androiden haben eine andere Anordnung der Bedienelemente. Unter der Lautstärkewippe befindet sich beim X noch ein separater Auslöser-Button für die Fotokamera, der etwas wackelte, aber ordentlich arbeitete. Der üppige Power-Button ist silberfarben und etwas in das Gehäuse eingelassen. Was auf den ersten Blick ungünstig zu bedienen erscheint, funktioniert in der Praxis prima, denn selbst mit dickem Finger lässt sich der Button noch gut eindrücken. In ihm befindet sich gleichzeitig ein Fingerabdruckscanner, der im Test sehr schnell und zuverlässig funktionierte. Um den Scan auszulösen, muss der Power-Button gedrückt werden. Ungewöhnlich: Deaktiviert man die komplette Zugangssperre, dann stehen die bereits angelernten Fingerabdrücke bei erneuter Aktivierung nicht mehr zur Verfügung, sondern müssen neu angelernt werden. Alle Bedienelemente des Xperia X geben ein dezentes akustisches und haptisches Feedback.

Sony Xperia X Fingerabdruckscanner

Der Fingerabdruckscanner ist im Power-Button integriert.

Der Einschub für Nano-SIM- und microSD-Karten an der linken Rahmenseite lässt sich auch ohne Piekser mit bloßen Fingern herausziehen. Man ist also nicht auf ein SIM-Werkzeug oder eine Büroklammer angewiesen, wenn man die SIM- oder Speicher-Karte wechseln möchte.

Sony Xperia X SIM-Lade oeffnen

Wasserdicht ist die Lade nicht und das ist auch der Wermutstropfen beim Gehäuse des Xperia X: Das gesamte Smartphone ist nicht wie der große Bruder Xperia Z5 wasserdicht und hält lediglich leichtem Spritzwasser stand.

Display: X-reality for mobile

1080 x 1920 Bildpunkte bei einer Bildschirmdiagonale von 5 Zoll (12,7 cm) beträgt die Auflösung der Anzeige des Xperia X. Das ist für eine Pixeldichte von etwa 441 ppi gut und damit so hoch, dass man aus einem Betrachtungsabstand von gewöhnlich 40 cm keine einzelnen Pixel erkennen kann. Die Helligkeit fällt mit maximal 558 cd/m2 sehr hoch aus, die Verteilung über das gesamte Display ist aber nicht besonders gleichmäßig. Clouding tritt vor allem in den Ecken und am oberen Rand auf. Im mittleren unteren Drittel differierte die Helligkeit bei unserem Testmodell ebenfalls sichtbar. Der Schwarzwert liegt bei 0,35 cd/m2, was für ein Display mit Quantum-Dots-Technik (bei Sony Triluminos) als Grundlage ein ordentlicher Wert ist. Der Kontrast fällt mit 1594:1 entsprechend hoch aus.

Sony Xperia X gerade Display ein

Das Display stellt Inhalte mit großer Schärfe und farbenfroh dar.

Das merkt man auch bei der Darstellung insgesamt: Die Farben sind kräftig, leicht übersaturiert, aber insgesamt nicht unnatürlich. Sony bietet in den Display-Einstellungen noch die Option an, keine Bildoptimierung durchzuführen. Die Farben sind dann etwas flauer als in der Grundeinstellung „X-Reality for mobile“. Wer es noch kräftiger mag, schaltet den „Superlebendigen Modus“ ein, der für eine noch kräftigere Farbdarstellung sorgt. Bei hellerem Umgebungslicht sind die Display-Inhalte damit besser ablesbar. Je nach Geschmack kann man noch einen Weißabgleich durchführen. Die Blickwinkel des Displays sind mit etwa 45 Grad ordentlich, danach fällt die Helligkeit ab, Farben werden aber nur blasser und dunkler. Das Display liegt insgesamt im guten bis sehr guten Bereich. An die Displays mit QHD-Auflösung der Top-Riege der Android Smartphones kommt das Display des Sony Xperia X aber nicht heran.

Hex, hex: Anwendungsleistung

Zwischen einem Mittelklasse- und einem Oberklasse-Smartphone sind die Unterschiede bei der Anwendungsleistung kaum spürbar. Die Oberklasse-Modelle bieten in der Regel etwas mehr Leistungsreserven, die bei Standardanwendungen und Casual Games aber keine Rolle spielen. Der Hexa-Core-SoC des Xperia X macht deutlich, dass sechs ARM-Kerne 2 x A72 mit maximal 1,8 GHz und 4 x A53 mit bis zu 1,4 GHz Takt ebenfalls ausreichen. Der Qualcomm Snapdragon 650 mit 3 GB Arbeitsspeicher und einer Adreno 510 Grafik erledigte im Test alle Aufgaben anstandslos. Apps starten zügig, aufwendige Webseiten werden in kurzer Zeit gerendert und grafisch umfangreiche 3D-Spiele laufen ohne zu ruckeln. Die Temperaturen auf der Rückseite erreichen bei hohem Leistungsabruf stellenweise Werte von fast 56 °C, was in der Hand unangenehm sein kann.

Leistungstechnisch ist das Xperia X insgesamt gut abgestimmt, spielt aber lange nicht in der Liga der High-End-Smartphones wie Samsung Galaxy S7 oder LG G5 mit, die bei den synthetischen Benchmarks fast doppelt so gut abschneiden.

Stamina is back: Android Marshmallow und Sony UI

Sony pimpt das Stock-Android Marshmallow 6.0.1 nur wenig mit seiner Oberfläche Sony UI auf. Wichtigstes Merkmal ist der Stamina-Modus, den Sony unter Marshmallow zunächst nicht angeboten hat. Beim Xperia X ist der Stromsparmodus wieder verfügbar. Er arbeitet etwas effizienter als der Doze-Modus von Googles Stock-Android. Unter der Haube bietet Sony UI mehrere Optionen zur Speicheroptimierung des Caches oder hilft beim Freiräumen von Speicher. Mit 32 GB fällt der Flash-Speicher nicht gerade üppig aus, rund 20 GB stehen für den Anwender zur Verfügung. Sony bietet zusätzlich eine 64-GB-Variante an, die hierzulande derzeit nicht erhältlich ist. Über eine microSD-Karte lässt sich der Speicher problemlos um bis zu 200 GB erweitern.

Sony Xperia X SIM-Einschub

Die SIM-Lade nimmt zusätzlich eine microSD-Karte auf.

Bloatware befindet sich auf dem Xperia X reichlich. Einige Apps lassen sich löschen, andere nicht. Nützlich sind die bekannten Google Apps sowie spezielle Sony Apps für Telefon, Kontakte und E-Mail.

Kameras mit hoher Auflösung

23 Megapixel ist eine Hausnummer. Viel hilft viel, gilt aber nicht immer. Schon gar nicht bei der Kameraauflösung. Entsprechend gespannt waren wir, was Sonys Hauptkamera auf der Rückseite des Xperia X leistet. Als Kamerasensor setzt Sony den hauseigenen 1/2,3“-Exmor-RS-Sensor mit Weitwinkel-Objektiv f/2,0 (24 mm) ein. Wie erwartet, benötigt der Sensor viel Licht. Dann sind die Aufnahmen auch exzellent, wenngleich die Farben dann etwas kräftiger sind. Dunkle Bildbereiche fallen etwas dunkler aus als in natura, ansonsten spiegeln die Fotos weitgehend die Lichtsituation bei der Aufnahme wider. Bei weniger Licht setzt sofort starkes Bildrauschen ein. Nachtaufnahmen zeigen nur wenige Details. Ein digitaler Bildstabilisator hilft ein wenig beim Vermeiden von Verwacklungen. Aufnahmen im Dunklen sollte man im 23-Megapixel-Modus vermeiden. Vermutlich ist deshalb auch nicht die Kameraauflösung von 23 Megapixeln voreingestellt, out-of-the-box fotografiert man normalerweise mit 8 Megapixeln. Dann stehen einem in der Kamera-App auch diverse manuelle Einstellmöglichkeiten etwa für den ISO-Wert oder vorgegebene Aufnahme-Modi zur Verfügung, die im 23-Megapixel-Modus fehlen.

Die App bietet Sony-typisch einige Fotografierhilfen an, sodass die passenden Kameraeinstellungen zum gewählten Motiv wie etwa Landschaft, Portrait oder Nahaufnahme automatisch eingestellt werden. Eine nette Spielerei sind die Augmented-Reality-Funktionen, mit denen sich der Schreibtisch in ein Aquarium oder einen kleinen Dino-Park verwandelt. Weitere AR-Erlebnisse können aus dem Google Play Store teilweise kostenpflichtig heruntergeladen werden. Wer will, benutzt „kreative Effekte“, die dem Bild beispielsweise einen Farbfilter verpassen. Anscheinend benötigen diese Effekte aber einiges an Rechenleistung, denn das Smartphone wird dann auf der Rückseite ordentlich heiß.

Sony Xperia X AR-Dinos

Die Augmented-Reality-Funktionen des Xperia X verwandeln den Schreibtisch in einen Dino-Park.

Der Autofocus des Xperia X arbeitet nicht besonders schnell: Mitunter gönnt er sich fast eine halbe Sekunde, bevor das Motiv scharf gestellt ist. Das können viele Smartphones der Unter- und Mittelklasse besser, der Oberklasse sowieso. Für Schnappschüsse reicht es aber trotzdem noch.

Sony Xperia X Kamera

Videoaufnahmen sind maximal in Full-HD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde möglich. 4K-Aufzeichnung bleibt also Sonys derzeitigem Spitzenmodell Xperia Z5 vorbehalten. Die Videoaufzeichnungen des Xperia X gelingen in ordentlicher Qualität. Sowohl Farben als auch Lichtverhältnisse sind weitgehend naturgetreu, bei Aufnahmen in dunklerer Umgebung ist das Rauschen erträglich.

Die Webcam mit 1/3“-Exmor-RS-Sensor (f/2.0 (22 mm)) auf der Vorderseite löst mit 13 Megapixeln auf. Für Selfies ist sie gut geeignet, denn die Aufnahmen sind durch die ungewöhnlich hohe Auflösung detailreich. Bei Gegenlicht ist das Motiv zwar erkennbar, wird aber von einem gleißend weißen Hintergrund überstrahlt. Bei dunkleren Lichtverhältnissen muss sich die Kamera aber ebenfalls der Physik beugen, denn dann setzt starkes Bildrauschen ein.

Walkman 3.0

Nur wenige Smartphones liefern einen so guten Sound, sodass man sie als Ersatz für einen ordentlichen MP3-Player benutzen möchte. Das Xperia X hebt sich wohltuend ab: Mit guten anderen In-Ear-Kopfhörern als den beiliegenden In-Ears liefert es einen recht ausgewogenen Klang. Bässe gibt es zwar nur ansatzweise, bei den meisten anderen Smartphones gibt es aber gar keine. Auch die meist überbetonten Höhen entfallen beim Xperia X. Auch wenn es keine große Klangbühne aufbauen kann, qualifiziert sich Sonys Mittelklasse-Smartphone als angenehmer musikalischer Begleiter, wie es der Walkman in den 1980er Jahren war.

Sony Xperia X Stereolautsprecher

Die beiden Lautsprecher des Xperia X erzeugen einen Stereo-Effekt.

Die beiden internen Lautsprecher können da nicht mithalten. Wie beim HTC 10 sollen sie einen Stereo-Eindruck vermitteln. Das gilt aber nur dann, wenn man das X im Querformat in etwa 40 cm Abstand vor das Gesicht hält. Aber auch dann ist der Sound quäkig und dünn. Eine Handmassage gibt es dabei gratis, denn die dünne Rückwand vibriert auch bei halber Lautstärke recht ordentlich. Etwas fülliger wird der Klang, wenn man das Smartphone flach auf einen Tisch oder einen anderen Resonanzkörper legt. Für die Beschallung auch kleinerer Räume reicht das aber nicht aus. Ordentliche Bluetooth-Lautsprecher oder kabelgebundene externe Mini-Boxen können sind besser geeignet. Insgesamt ist der Sound mit den internen Lautsprechern aber besser als bei vielen High-End-Androiden.

Weitere Ausstattung

Das Xperia X unterstützt LTE Cat.6 mit maximal 300 Mbit/s im Downstream, verfügt über WLAN-ac und hat den Nahbereichsfunk NFC sowie Bluetooth in Version 4.2 an Bord. GPS und GLONASS sind ebenfalls enthalten. Damit ist das Xperia X ausstattungsmäßig auf der Höhe der Zeit und muss sich auch vor den Top-Androiden nicht verstecken.

Sony Xperia X in Hand

Akkulaufzeit und Ladezeit

Beim Abspielen unseres Testvideos hielt der 2620-mAH-Akku des Xperia X knapp 10 Stunden durch. Top-Smartphones schaffen mitunter mehr. Bei durchschnittlicher Nutzung mit Surfen, Mailen, Chatten, Musikhören und Telefonieren schafft das Xperia X etwas mehr als einen Tag Laufzeit, bevor es wieder an die Steckdose muss. Die von Sony angegebenen zwei Tage wirken recht optimistisch. Der mitgelieferte Ladeadapter lädt den Akku in etwas mehr als zwei Stunden wieder vollständig auf.

Technische Daten Sony Xperia X

Betriebssystem Android 6.0.1 Marshmallow, Sony UI
Display Triluminos, 5 Zoll (12,7 cm) (1080 x 1920, 441 ppi)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 650 (2 x 1,8 GHz, 4 x 1,4 GHz)
Grafik Adreno 510
Arbeitsspeicher/
Flash-Speicher /
Speichererweiterung
3 GB / 32 GB (20,25 GB frei) / microSD (max. 200 GB)
WLAN IEEE 802.11 a/ac/b/g/n
Datenfunk LTE Cat.6 (300 Mbit/s)
Nahbereichsfunk NFC, Bluetooth 4.1
Frontkamera 13 Megapixel (4160 x 3120 Pixel)
Hauptkamera 23 Megapixel (5520 x 4140 Pixel, 1080p@60fps)
Akku Lithium-Polymer (2620 mAh)
Abmessungen / Gewicht 69,4 x 142,7 x 7,9 mm / 153 g

Fazit

Das Sony Xperia X bietet eine gute Gesamtleistung für ein Mittelklasse-Smartphone, kann sich aber in kaum einem Bereich von anderen Android Smartphones gleicher Klasse absetzen. Das Display ist gut, die Anwendungsleistung ist gut, die Kameras sind gut, die Ausstattung ist gut. Allein beim Sound ist das Xperia X etwas besser. Und setzt sich in dieser Disziplin sogar von vielen High-End-Rivalen ab. Preislich bewegt sich das Xperia X auf dem Niveau von Top-Smartphones des letzten Jahres. Die sind aber meist in fast allen Belangen besser.

Sony Xperia X liegend

Das Sony Xperia X ist in allen Farbvarianten im Shop von notebooksbilliger.de erhältlich.

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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Eine Antwort auf Test Sony Xperia X: Smartphone der High-End-Mittelklasse

  1. avatar Jannik sagt:

    Hallo,

    ich habe mir das Xperia z gekauft. Ausschlaggebend war die gute Bewertung auf http://handylist.de/ für meine Entscheidung. Bishe habe ich diese Entscheidung auch nicht bereut. Zuvor hatte ich immer Handys von Apple. Allerdings hat mich das 5er nicht so überzeugt, weswegen ich darauf nun einmal das Sony handy testete.

    LG

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