Test: Virtuelle Realität für 57 Euro mit der 3D-Brille Durovis Dive

Durovis Dive 3D-Virtual-Reality-Brille
Die Oculus Rift ist in aller Munde, der Virtual-Reality-Brille Durovis Dive aus Deutschland ist dieses Glück nicht beschieden. Dabei überzeugt sie durch ein pfiffiges Konzept und einen Preis von 57 Euro inklusive Versand. Voraussetzung für den Einsatz ist allerdings ein passendes Smartphone. Wir haben die virtuelle Welt mit Freude betreten und schildern unsere ersten dreidimensionalen Eindrücke.

Der Entwickler Stefan Welker möchte die virtuelle Realität für alle verfügbar machen. Und so ist die Durovis Dive ein günstiger Einstieg in den künstlichen Welten-Raum. Denn die notwendige Technik steckt in besser ausgestatteten Smartphones, weshalb die Dive an Hardware nicht mehr mitbringt als eine Halterung und zwei Kunststoff-Linsen. Der Entwickler stellte zuvor bereits die Baupläne für die Brille zur Verfügung und verkauft die Linsen, wodurch man die Durovis Dive via 3D-Drucker auch in Heimarbeit herstellen kann. Ob das sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.


Um die Durovis Dive in Betrieb zu nehmen, muss man eine Klappe öffnen. Das Smartphone sollte mit gestarteter App bereits im Betrieb sein, da die Bedienung bei eingelegtem Mobiltelefon doch etwas fummelig ist. Das weiß auch Stefan Welker: Über den Dive Launcher lassen sich deshalb Dive-Titel auch quasi per Blick auswählen und starten: Ein pulsierender Lichtstrahl in der Mitte der Anzeige zeigt an, wohin man schaut.

Die Smartphone-Halterung wird durch Gummi-Applikationen sowie eine Schaumstoff-Auflage gegen Kratzer geschützt. Damit auch unterschiedlich dicke Smartphones festen Halt finden, liegen gleich drei Schaumstoff-Polster der Brille bei. Durch den Klettverschluss an der Klappe lassen sie sich einfach auswechseln. Die Klappe zu schließen, gestaltet sich etwas sehr schwergängig. Das Smartphone wird aber sicher gehalten und verrutscht nicht.

Durovis Drive 3D-Virtual-Reality-Brille
Welche Smartphones in Frage kommen, listet Durovis auf seiner Webseite auf. Dabei kommt es nicht nur auf die technischen Voraussetzungen, sondern zur Abwechslung tatsächlich auch auf die Größe an. Wir testeten die Brille mit einem Sony Xperia Z mit Full-HD-Auflösung, einem HTC Evo und einem iPhone 5.


Die Funktionsweise ist einfach: Das Smartphone-Bild wird in der Mitte zweigeteilt, das linke und rechte Auge erhält eine eigene Darstellung. Dadurch erhält man einen überzeugenden 3D-Effekt, allerdings halbiert sich die horizontale Pixelauflösung und beträgt bei Full HD nur noch 960 x 1080 Pixel pro Auge. Durch die Linsen wird das Bild enorm vergrößert und nimmt so viel vom Blickfeld ein, dass man sich „mittendrin“ fühlt.

Durovis Drive 3D-Virtual-Reality-Brille
Der Linsenabstand lässt sich in der Tiefe und zueinander individuell anpassen. Das ist in wenigen Sekunden erledigt. Gerade hier wirkt die Konstruktion allerdings nicht allzu stabil. Zudem fiel uns beim Test eine der Linsen öfter aus der Halterung heraus. Das erneute Einsetzen klappt zwar problemlos, das wiederholte Herausfallen aber auch.

Durovis Drive 3D-Virtual-Reality-Brille
Die Brille lässt sich spielend einfach in ein paar Sekunden aufsetzen. Der Tragekomfort ist in Ordnung. Das Gestell wiegt lediglich 150 g, dazu addiert sich das Gewicht des Smartphones. Problematisch ist der Lichteinfall, denn die Durovis Dive ist oben und an den Seiten nicht ganz blickdicht. Beim Spielen deckte ich deshalb die Seiten ab, um ein besseres Mittendrin-Sein-Gefühl zu haben. Alternativ kann man sich auch in einen dunklen Raum setzen.

Das Smartphone enthält dank Sensoren wie Gyroskop und Bewegungssensor alles an Technik, um Headtracking zu ermöglichen. Das heißt konkret, dass man sich in der virtuellen Welt umschauen und bewegen kann.

Um die virtuelle Realität zu genießen, benötigt man speziell auf die Brille angepasste oder für sie programmierte Apps. Für iOS stehen lediglich zwei recht enttäuschende Apps zur Verfügung. Besser sieht es für Android aus: Der Hersteller verriet uns, dass der Schwerpunkt auf Googles Betriebssystem liegt. Das ergibt Sinn, da man im Android-Lager Smartphones mit höherer Display-Auflösung findet. Und die ist nicht ganz unwichtig für ein gutes Erlebnis.

Durovis Drive 3D-Virtual-Reality-Brille
Tja, nach all dem technischen Vorgeplänkel, wie ist der Eindruck nun? Wir fuhren dafür eine Weile auf der virtuellen Achterbahn, die mit einer recht guten Geschwindigkeit den vorgegebenen Weg abrast. Die Interaktion beschränkt sich darauf, sich umzuschauen. Ich versuchte es erst im Stehen, setzte mich dann aber schnell hin, da mein Gleichgewichtssinn durcheinander geriet. Trotzdem wurde der Eindruck „virtuelle Realität“ durch zwei Faktoren getrübt: Trotz des Full HD Displays bleibt die Darstellung pixelig. Auf dem iPhone 5 war die Darstellung etwas schlechter, aber noch genießbar. Auf dem HTC Evo mit seinen 960 x 540 Pixeln kann man zwar spielen, ein Vergnügen ist es aber nicht. Ich hatte zudem das Problem, beim Sehen auf der Spur zu bleiben. Das heißt, ich hatte den Eindruck, dass ich mich nicht tatsächlich umschauen konnte, sondern sich der Blickwinkel willkürlich beim Fahren verändert. Das ist allerdings weniger der Brille geschuldet, sondern mehr der Programmierung im SDK. Auch Apps von Fremdherstellern zeigen diese Blickwinkel-Problematik. Einen ähnlich gemischten Eindruck wie ich hatten die anderen Leute hier im Team. Keiner war wirklich begeistert. Nur einer Kollegin wurde beim Achterbahnfahren etwas übel.

Ich testete noch weitere Apps. Manche erfüllen den Traum vom Fliegen, zumindest rudimentär. Etwas mehr Interaktion bietet der Titel „The Height“. Man startet es, indem man auf den Boden blickt und das Männchen mit dem Blick aktiviert. Das Ziel ist es, Würfel einzusammeln. Man bewegt sich automatisch und lenkt mit der Blickrichtung, was vom Anwender eine ziemlich große Flexibilität abfordert. Grafisch sieht der Titel wie auch die anderen recht schlicht aus. Das Spiel konnte mich aber etwas länger an die Brille fesseln als die anderen. Ein weiterer Titel ist ein virtuelles Kino. Hier schlägt wieder das Headtracking unangenehm zu, ein Drehstuhl ist fast Voraussetzung, um die Kinoleinwand im Blick zu behalten. Generell ist die Interaktion noch problematisch. Ohne zusätzlichen Controller ist man auf die Bewegungssteuerung angewiesen, was zu unpräzise funktioniert, um wirklich Spaß zu machen.

Durovis Dive - das Komplettpaket
Das Konzept der Durovis Dive kann überzeugen, die Idee mit der Smartphone-Erweiterung ist Klasse. Die Dive bleibt eine einmalige Anschaffung, die von der fortschreitende Technik in Smartphones profitieren kann. Bei der Ausführung gibt es allerdings noch erhebliches Verbesserungspotential. Wir wünschten uns beispielsweise eine etwas wertigere Verarbeitung, auch wenn die Brille dadurch teurer würde. Das Hauptproblem sehen wir aber bei den Apps. Erst mit den richtigen angepassten Titeln könnte die Dive eine überzeugende virtuelle Realität erzeugen, in die man sich gern begibt. Beim jetzigen App-Stand ist die Durovis Dive eigentlich nur für Entwickler interessant, die Programme für die Virtual Reality Brille entwickeln wollen. Bei Endanwender landet sie wohl schon nach kürzester Zeit dauerhaft in der Schublade. Das ist schade und ich drücke dem Entwickler und uns die Daumen, dass noch hochwertigere Software erscheint und die Brille ein Erfolg wird.

Hast du bereits Erfahrungen mit Virtual Reality sammeln können und interessiert dich das Thema? Oder ist das alles nur ein Hype und die Sache verschwindet irgendwann wieder in der Versenkung?

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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2 Antworten auf Test: Virtuelle Realität für 57 Euro mit der 3D-Brille Durovis Dive

  1. avatar DragonGamer sagt:

    Hmm.. eine interesante Sache wäre das ganze wenn dies auch Eye-Trackinge rlauben würde. Damit wäre eine Steuerung durchaus feiner zu realisieren.
    Nur schade dass die Smartphoenkameras dafür wohl nicht ausreichen…
    Vieleicht in ein paar Jahren!

  2. avatar SK sagt:

    Die Steuerung lässt sich durch Bluetooth Gamepad bewältigen. Das wurde schon mal mit anspruchsvolleren angepassten Games gezeigt.

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