Test: WLAN-Router Synology RT1900ac

Die Firma Synology ist bekannt durch ausgereifte NAS-Systeme. Nun hat der Hersteller einen Router im Portfolio, der mit WLAN-ac, Gigabit-Ethernet und allerhand Funktionen überzeugen will. Inwieweit der Router RT1900ac von den bewährten NAS-Systemen profitiert und ob sich ein Kauf lohnt, haben wir in einem kurzen Test überprüft.

Der schwarze Router Synology RT1900ac ist mit drei externen Antennen ausgestattet, die man für eine bessere Empfangsleistung anwinkeln und drehen kann. Sollte die Sendeleistung nicht ausreichen, lassen sich auch größere Antennen installieren. Mit seinen abstehenden Antennen sieht der RT1900ac zwar nicht so abgefahren aus wie der D-Link AC5300 Ultra, will sich aber dennoch mit seinem mattschwarzen Kunststoff-Look nicht so richtig im Wohnzimmer integrieren.

Der RT1900ac unterscheidet sich mit Abmessungen von knapp 20 x 15 x 4 cm kaum von anderen Routern wie einer FRITZ!Box. Dafür ermöglicht Synology drei Aufstellarten des RT1900ac: Zwei vorinstallierte Beine heben den Router hinten an, um die Antennen zu erhöhen und die Kühlung zu verbessern. Entfernt man die etwa vier Zentimeter langen Beine mit einem Schraubendreher, steht der Router flach. Alternativ kann man einen beigelegten Winkel am Router anstecken und damit das Gerät aufrecht positionieren. Das bietet sich an, wenn beispielsweise wenig Aufstellfläche zur Verfügung steht.

Auch sonst hat sich Synology pfiffige Details für den RT1900ac einfallen lassen, die wir bei den meisten Routern vermissen. Beispielsweise kann man die Status-LED dauerhaft oder nach Zeitplan abschalten, um nicht von dem gelben Leuchten abgelenkt zu werden. Außerdem verfügt der Router über einen Einschub für eine SD-Speicherkarte. Über eine Eject-Taste an der Vorderseite kann man die angeschlossenen Datenträger von der Router-Software auswerfen lassen, ohne dafür das Webinterface starten zu müssen. Außerdem lässt sich das WLAN über einen Schiebeschalter ein- und ausschalten und ein WPS-Button startet auf Wunsch die unkomplizierte Einbindung von kompatiblen WLAN-Clients. Praktisch kann auch der Power-Schalter sein, mit dem man den Router abschalten kann, ohne ihn vom Stromnetz zu trennen.


Der Synology-Router RT190ac kann in drei Betriebsarten eingesetzt werden: Als WLAN-Router genutzt, ist er an einem Internetmodem angeschlossen und verteilt IP-Adressen an Clients via DHCP. Im Modus Access-Point leitet er Daten von einem per Kabel angeschlossenen Router ohne eigene IP-Vergabe an Clients weiter. Im Client-Modus ist der RT1900ac per WLAN mit einem Router verbunden und leitet Daten an per Ethernet angeschlossene Clients weiter. WLAN-Clients lassen sich in diesem Modus nicht direkt mit dem RT1900ac verbinden.

Software

Die Konfiguration des RT1900ac erfolgt über den Webbrowser. Das Webinterface des Synology Router Manager (SRM) ist wie ein Desktop-System mit „Windows“ für einzelne Einstellungen aufgebaut und ähnelt stark dem DiskStation Manager, der auf den NAS-Systemen von Synology zum Einsatz kommt. Das System reagiert schnell auf Eingaben und die Bedienung geht flüssig vonstatten. Laien und Profis finden sich schnell im Webinterface zurecht. Der gebotene Funktionsumfang ist sehr groß, womit sich der Router auch zur Verwendung in Firmen eignet. Wer die Nutzungsszenarien erweitern will, kann über das „Paket-Zentrum“ weitere Apps herunterladen, die neue Funktionen ermöglichen. Zum Testzeitpunkt standen fünf Apps von Synology zum Download bereit, mit denen sich der Router beispielsweise als Medienserver oder Download-Station verwenden lässt. Mit VPN-Server, DNS-Server und RADIUS-Server kann man die Netzwerkfähigkeiten des RT1900ac erweitern. Synology hat das Paket-Zentrum für Entwickler geöffnet, die eigens entwickelte oder von den NAS-Systemen portierte Pakete wie Mail Server oder Backup-Pakete für den Router zur Verfügung stellen können.

Im Auslieferungszustand war der Synology Router Manager in der Version 1.0-5766 vorinstalliert und hatte anfangs mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. So zeigte das Webinterface einige Kontextseiten in dänischer Sprache an und manchmal war ein Login nicht möglich, weil er einen Login voraussetzte. Mit dem Update auf 1.0-5781 update 2 waren diese Probleme behoben. Wenn Synology Firmware-Updates für den neuen Router so fleißig veröffentlicht wie für die NAS-Systeme, hebt sich Synology vom Gros der Router-Hersteller positiv ab.


Zusätzlich zum Webinterface ist der Zugriff auf Einstellungen per Smartphone-App möglich. Für Smartphones mit Apple iOS und Google Android steht die App „DS router“ zum kostenfreien Download zur Verfügung. Den Umfang des Webinterfaces bieten sie zwar nicht, informieren aber über die aktuelle Auslastung der Internetanbindung, ermöglichen schnelles Priorisieren von Clients und man kann Gästenetzwerk und WPS aktivieren sowie die LEDs abschalten.

Netzwerkperformance

Im Auslieferungszustand ist WLAN standardmäßig aktiviert. Das Funksignal ist zwar verschlüsselt, aber das voreingestellte Passwort sollte geändert werden, bevor man den Router mit Internet und allen Clients verbindet. Zu groß ist die Gefahr, dass sich jemand unautorisierten Zugriff per WLAN verschafft, weil das gesetzte Passwort nicht gerätespezifisch ist.

Die Reichweite des WLAN-Signals ist sehr gut. Im Vergleich zu einem etwas älteren Router konnten wir die Lautsprecher Libratone Zipp und Zipp Mini, die im Test durch eine empfindliche WLAN-Anbindung aufgefallen sind, in einem Raum nutzen, wo vorher der Empfang häufig aussetzte.


Der Gerätename verrät es: Der Router RT1900ac arbeitet mit einem maximalen Durchsatz von 1900 Mbit/s über Dual-Band-WLAN – über WLAN-ac sollen bis zu 1200 Mbit/s möglich und über WLAN-n bis zu 600 Mbit/s sein. Der Synology Router RT1900ac lässt sich mit einem Datenträger am USB-3.0-Port oder einer SD-Speicherkarte als NAS-Ersatz verwenden. Nach der Formatierung unserer Samsung T1 SSD mit 256 GB im EXT-Format und der Aktivierung der Dateidienste für Microsoft Windows und Apple Mac steht der Massenspeicher im Heimnetzwerk zur Verfügung. Wer mag, kann zusätzlich noch Berechtigungen für Benutzer definieren oder Ruhezustandsphasen für den Datenträger festlegen. Die Übertragungsgeschwindigkeiten sind via Gigabit-Ethernet und WLAN-ac mit gut 50 MB/s im Down- und Upload nahezu gleich hoch. Der limitierende Faktor ist hierbei die CPU, deren Auslastung während der Übertragung auf über 90 Prozent steigt. Greifen mehrere Clients gleichzeitig auf den USB-Speicher zu, müssen sie sich die Bandbreite von rund 50 MB/s teilen. Das Surfen im Internet ist trotz der hohen CPU-Last problemlos möglich. Über WLAN-n im 2,4-GHz-Bereich eingebundene Clients müssen sich mit einer Übertragungsrate von rund 16 MB/s zufrieden geben. Dabei ist der Prozessor mit rund 43 Prozent weniger ausgelastet.

Fazit

Synology hat dem RT1900ac einen guten Router auf den Markt gebracht. Die intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche des Synology Router Manager, die der bewährten Software der Synology-NAS sehr ähnlich ist, bietet Einstellungsmöglichkeiten, die Laien nicht überfordert und Profis ein gutes Werkzeug an die Hand gibt. Die Reichweite des WLAN-Signals ist sehr gut, die Geschwindigkeit mit WLAN-ac ebenfalls. Mit SD-Karten-Slot und USB 3.0 kann man den Router RT1900ac mit angeschlossenen Datenträgern als NAS-Ersatz verwenden. Die Übertragungsraten sind trotz der etwas schwachbrüstigen CPU sehr gut, solange man auf Gigabit-Ethernet oder WLAN-ac setzt.

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Über Robert Tischer

Aufgewachsen mit Lego und Nintendo Game Boy eroberte schon bald ein Laptop mit MS-DOS und Windows 3.1 mein Herz und meinen Schreibtisch im Jugendzimmer. Nach einer kurzen Technikrezession sind Schreibtisch und Spielplatz 20 Jahre später auf die Größe eines Wohnzimmers gewachsen, das inzwischen einen Anbau vertragen könnte.
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1 Kommentar auf "Test: WLAN-Router Synology RT1900ac"

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Gast

Macht ja einen sehr guten Eindruck der Router. Ich bin auf der Suche nach einem guten Hybridrouter als Alternative zum aktuellen Telekom Hybrid. Gibt es da schon Geräte am Markt oder dauert das noch etwas?

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