Testbericht: Netbook LG X120-H mit UMTS

Eines der beliebtesten Netbooks in der letzten Zeit war das im Titel erwähnte LG X120-H mit UMTS. Wir hatten das Gerät ja bereits zwei Mal hier im Blog vorgestellt. In den Kommentaren tauchte dann auch gleich jemand auf, der mit Netbooks generell nichts anfangen konnte. Ich ließ es mir nicht nehmen, dem Jörg ein LG X120-H zum Test zukommen zu lassen. Hier, etwas verspätet, sein Bericht:

Testbericht LG X-120 UMTS

Ausgehend von einem provokanten Blog-Kommentar meinerseits zur Vorstellung des LG-Netbooks stand einen Tag später ein Test-Exemplar vor der Tür. Unabhängig vom Test des Geräts selbst gebührt notebooksbilliger.de allein dafür schon ein dickes Dankeschön!

Auf bunte Bildchen verzichte ich bewusst, davon hat der Carsten bei der Vorstellung ja schon genug gepostet. Ergo nur kurz zur Optik: Saubere Verpackung, edles Schwarz und darin ein kleines, weißes Gerät mit orangefarbenem „Rallyestreifen“ – ich finde die Optik wirklich gelungen. Mit den Hochglanzöberflächen muss man sich arrangieren, immerhin fallen die Tatscher auf Weiß weniger auf wie auf Schwarz.

Mit meinen großen Pranken packe ich den Winzling beinah ehrfürchtig an, als ich ihn aus dem Karton befreie und in Betrieb nehme. Hier geht ein dickes Lob an LG, der Setup-Wizard ist verständlich und folgt einer einfachen Logik, sehr gut. Nach knapp 30 Minuten ist der Wizard durch und dabei war das alles so trivial und einfach, das ich mich sechs Wochen später schon kaum noch an die Details erinnern kann.

Windows 7 Starter ist vorinstalliert, ansonsten nur das Nötigste an Tools und Treibern. Da habe ich Laufe der Jahre schon deutlich mehr vollgemüllte Systeme in den Fingern gehabt, ein weiterer Pluspunkt für LG. Leistungsmässig erwartet mich auch keine Überraschung: Ein ATOM ist ein ATOM ist ein ATOM.

Bevor ich mich an die Installation weiterer Software und die Konfiguration wage, fahre ich Windows aber erstmal herunter und nehme den Akku ab. Unter dem Akku befindet sich nämlich der SIM-Kartenslot des eingebauten UMTS-Modems. Auch hier keine Überraschungen, Karte rein, Windows starten, Wireless Manager aufrufen, PIN eingeben, Verbinden klicken – Online. Sehr sauber, sehr einfach, der mir bekannten Konkurrenz um Längen voraus.

Das integrierte WLAN ist innerhalb von Sekunden mit meinem Router verbunden und ich starte die Installationsorgie: Firefox, Thunderbird, Adobe Reader, Druckertreiber usw. Und schon hier bemerke ich, das die Haptik mich nicht überzeugen kann:
Das Gehäuse scheint leicht verzogen zu sein, die vordere linke Ecke liegt nicht auf der Tischplatte auf, beim Tippen wackelt das ganze Gerät. Später auf der Couch mit dem Gerät auf dem Schoss fällt das natürlich nicht mehr ins Gewicht, dafür aber der schlechte Schwerpunkt des Geräts. Klappt man das Display soweit auf, das man es gut ablesen kann, kippt das Gerät hinten über, man muss also immer die Finger auf der Tastatur haben.

Das Tastaturraster ist für meine Hände zu klein, ich muss mich sehr aufs Tippen konzentrieren. Aufgrund der mangelnden haptischen Unterscheidung zwischen Touchpad und Tastatur verreißt es mir dabei auch immer mal wieder den Cursor. Ebenso habe ich beim Bedienen des Touchpads immer wieder das Problem, das ich statt auf die linke Taste aufs Pad lange, was mir wiederum den Cursor verreisst. Hier wäre eine deutlich fühlbare Abgrenzung zwischen Tasten und Pad wünschenswert.

Das sehr stark spiegelnde Display bietet mit 1024×600 Pixeln Standardkost, immerhin bleiben einem unter Windows 7 nicht vollständig einsehbare Systemdialoge erspart. Leider kann ich mit dem Pad nur hoch und runter scrollen, nicht aber nach links und rechts, was den Workflow doch deutlich verlangsamt, weil ich stattdessen auf Pad und linke Taste langen muss. Auf der Terrasse scheitert der Betrieb am zu sehr spiegelnden Display, selbst bei voller Helligkeit lässt sich kaum etwas entziffern.

Mein täglich Brot als Systemadministrator ist u.a. die Wartung der Server, was ich per RDP erledige. Hier macht mir die Netbook-typische mickrige Auflösung ganz klar einen Strich durch die Rechnung: Eine dreispaltige MMC unter Server 2008 R2 ist mit 1024×600 Pixeln nicht benutzbar. Selbst die nur zweispaltige Anzeige meiner WSUS-Konsole ist nicht brauchbar zu verwenden.

Dank des VGA-Ausgangs könnte ich nun einen externen Monitor anschließen, aber irgendwie ist das nicht Sinn und Zweck eines ultramobilen Gerätes, welches ein Netbook nun mal darstellt.

Für das Surfen auf der Couch ist der Winzling aber wirklich angenehm, vom vielen Scrollen einmal abgesehen. Gott sei Dank sind in der Praxis die allermeisten Websites ja nur horizontal zu scrollen, was mit einem Finger am rechten Rand des Pads einwandfrei funktioniert. Allerdings sind auch hierfür ein paar Konfigurationsklimmzüge nötig: Taskleiste automatisch ausblenden, im Firefox alles bis auf die Adressleiste ausblenden usw. An die Verwendung von Office 2007/2010 mit seinen Ribbons ist ohne Fummelei auch nicht zu denken, weil gut die Hälfte des Bildschirms von selbigen verdeckt wird.

LG versteckt mit der sog. „SmartOn“-Funktion ein zweites Betriebssystem auf dem X-120, das allerdings auch nicht schneller startet als Windows 7 aus dem Ruhezustand, dafür aber mit das allernötigste mitbringt. Immerhin lässt sich Windows 7 per Mausklick aus dem System heraus starten. Achtung, subjektiv: Solche „Zweitbetriebssysteme“ sind überflüssig wie ein Kropf. Entsprechend habe ich mich damit auch nicht näher befasst.

Alles in allem halte ich das X-120 für ein gelungenes Netbook, zumal für den Preis bereits ein UMTS-Modem integriert ist UND dessen Einbindung ins System und die Bedienung so spielend funktioniert. Abzüge gibt es von mir für die schlechte Haptik, das kleine Display ist nunmal typisch für solch ein Gerät und kann daher nicht als negatives Kriterium gelten. Allenfalls das starke Spiegeln wäre hier nochmals anzumerken.

Mit hat der Test gezeigt, das ich zum Administrieren meiner Server mit einem Netbook nur im allergrössten Notfall zu Rande komme, ich müsste zuviele Kompromisse eingehen. Als Online-Begleiter auf der Couch (oder auf der Gartenliege, sofern diese im Schatten steht) macht der Winzling aber eine wirklich brauchbare Figur – und genau deshalb hab ich ihn auch nicht zurückgeschickt, sondern gleich behalten. 😉

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3 Kommentare auf "Testbericht: Netbook LG X120-H mit UMTS"

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Thomas

Das Produkt mal aussen vor: Sehr guter Test.

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Gast
ghostii

Gutes Produkt… Sehr guter Test! Schön zu lesen, nur an „Haptik“ musste ich mich gewöhnen. 😉
Wäre auch was für mich, mal schauen was die Zukunft so bringt.

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Gast
Michael

Hallo Carsten,

ich möchte auf mein X120 (mit XP-Version) ein Win7 installieren, ohne das 2. BS (SmartOn / Splashtop) zu verlieren.
Weisst Du, wie man das bewerkstelligen kann und was man ggf. berücksichtigen muß?

Gruß
Michael

P.S. Speicher ist bereits auf 2 GB aufgerüstet

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