Verbraucherzentrale weist auf Telekom-Gebaren bei VoIP-Umstellung hin

Verbraucherzentrale weist auf Telekom-Gebaren bei VoIP-Umstellung hin

dpa_Telekom_1Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass die Deutsche Telekom großflächig bestrebt ist, sein Angebot bei der Sprachtelefonie wo immer möglich auf die Internet-basierte VoIP-(Voice over IP)-Technologie umzustellen. Einem heute veröffentlichten Bericht der Verbraucherzentrale Sachsen nach, versucht der Telekommunikationsriese dies mitunter allerdings mit sehr dubiosen Mitteln durchzusetzen. So soll die Telekom einigen Festnetzkunden sogar mit Kündigung des Anschlusses in absehbarer Zeit gedroht haben, falls sie sich nicht zu einem Umstieg auf VoIP-Telefonie bereit erklären würden.

In ihrem Bericht beruft sich die Verbraucherzentrale auf diverse Zuschriften von Privatleuten, die nach eigenem Bekunden von der Telekom bezüglich einer Umstellung kontaktiert und entsprechend unter Druck gesetzt wurden. Der Telekommunikationskonzern selbst macht keinen Hehl aus dieser Sache, versucht das Vorgehen allerdings gegenüber der Technik-Publikation Golem.de näher zu erklären beziehungsweise zu rechtfertigen. So sagte ein Telekom-Sprecher Golem.de, reine Telefonie-Kunden seien nicht kontaktiert worden, sondern wirklich nur jene mit Internet-Anschluss, deren Vertrag in einigen Monaten auslaufen würde. Außerdem kämen die besagten Kunden überwiegend aus den 54 Städten, in denen seit längerem VDSL angeboten wird. In den Schreiben sei zudem nur deshalb von Kündigung die Rede, weil die alte Leistung so nicht mehr angeboten werden könne.

Ganz gleich wie die offiziellen Formulierungen nun ausfallen, das von der Verbraucherzentrale Sachsen erläuterte Telekom-Gebaren, mit dem sich Nutzer derzeit konfrontiert sehen, passt genau zu den Plänen, die der Konzern nun seit geraumer Zeit verfolgt. Im Februar 2014 gab der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme, laut Golem.de an, Ziel sei es, bis zum Ende des Jahres 2018 das gesamte Netz in Deutschland auf IP-Technologie umgestellt zu haben.

Grund für diese Umstellung sind schlicht und einfach überwiegend Kosteneinsparungen. Die reine IP-Telefonie bringt für die Telekommunikationsunternehmen mehrere Vorteile mit sich. So muss beispielsweise kein eigenes Telefonnetz mehr unterhalten werden, sondern eine DSL-Leitung reicht aus, um Nutzer sowohl mit Telefon als auch Internet zu versorgen.

Soweit ist an einer Abkehr vom alten Telefonnetz noch nichts verwerflich, aber dem Prinzip von IP-Telefonie ist es leider auch geschuldet, dass ein zuverlässig funktionierender Telefonanschluss nur dann gegeben ist, wenn die DSL-Leitung eine ausreichende Übertragungsqualität bietet und keine sonstigen Störungen der Internetverbindung auftreten. Ausgerechnet bei der Telekom kam es aber zuletzt zu teils heftigen Störungen, die mitunter mehrstündige Ausfälle des Festnetztelefons bei einigen Nutzern verursachten, wie Katja Henschler von der Verbraucherzentrale mitteilt. Außerdem ist es wichtig, zu wissen, dass für IP-Telefonie auch ein Router benötigt wird, der die VoIP-Funktionalität mitbringt, also beispielsweise die AVM Fritzbox 7390. Die Telekom stellt einen passenden Router bei der Umstellung nicht kostenlos zur Verfügung.

Trotz der Nachteile, die die IP-Telefonie zweifellos mitbringt, ist für Henschler jedoch auch klar, dass in Zukunft wohl kein Weg an der Technologie vorbeiführen wird und die potentiellen Probleme mehr oder minder zähneknirschend akzeptiert werden müssten. Juristisch lasse sich außerdem gegen gelegentliche, kürze Störungen nur schwer vorgehen.

Bild: dpa
Quelle: Golem.de, Verbraucherzentrale Sachsen
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Ich bin freier Journalist, Computer-Technik-Freak, Videospiel-Guru und Freizeit-Poet. In den letzten Jahren war ich unter anderem für notebookjournal.de tätig und habe als IT-Fachmann gearbeitet. Wenn ich nicht gerade an einem Text feile oder ein Stück Hardware auseinandernehme, dann widme ich meine Zeit gerne Filmen, Literatur, Videospielen oder schlicht und einfach der Natur.

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2 Kommentare auf "Verbraucherzentrale weist auf Telekom-Gebaren bei VoIP-Umstellung hin"

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Gast
Alex
Ja die liebe Telekom. Gut das ich von dem Verein schon seit Jahrzenten weg bin. Haben uns hier auf dem Land Jahre vera….. . Immer nur leere Versprechungen von schnelleren Anschlüssen. Dann mit 6000er Leitung angeklopft und am Ende kamen nur 2000 an. Aber 6000er bezahlt. Obwohl die Fritzbox eindeutig eine 6000er Leitung für möglich angab. Ich habe das mehrmalig angemahnt und dann irgendwann ist mir die Hutschnur geplatzt nachdem ich immer wieder Standardschreiben der Telekom zurück bekam. Ab zu EWE. Und seit einigen Jährchen habe ich hier eine 39000er Leitung. Ende mit Telekom und ich werde auch nie wieder… Read more »
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Stephan

und mit VoIP ist die Notfallfähigkeit des Telefons bei Stromausfall nicht mehr gegeben.
Bei POTS-Telefonen (plain old telefon system) kam der Strom von der Vermittlungsstelle mit großen Batterie-Backup und ggf Diesel-Notstrom.
Auf Mobiltelefone kann man sich auch nicht verlassen. Die Funkstationen fallen nach Stromausfall entweder gleich oder nach ca 4h aus.

So sieht moderne Produktentwicklung aus