Videogame-Streaming im Test: Wie gut sind Stadia, GeForce Now, Microsoft xCloud und Co.?

      Videogame-Streaming im Test: Wie gut sind Stadia, GeForce Now, Microsoft xCloud und Co.?

      Was Google Stadia, Nvidia GeForce Now, Medion ERAZER Cloud, Microsoft xCloud und PlayStation Now zu bieten haben und ob das Streaming von Videospielen überhaupt eine Zukunft hat, erfahrt ihr hier.

      Hohe Framerates, maximale Details und HDR haben beim PC-Gaming ein ordentliches Preisschild. Mit Prozessor, Grafikkarte, Arbeitsspeicher, Mainboard, Netzteil, Monitor, Tastatur und Maus kommen da gerne 1200-1500€ zusammen. Nach oben gibt es wie immer keine Grenzen. Warum aber hunderte von Euro für eine Konsole oder sogar tausende von Euro für einen High-End-Gaming-PC ausgeben, wenn man dank Game-Streaming theoretisch mit einem Laptop für 250€ zocken kann?

      Das Streaming von modernen AAA-Blockbustern könnte eine echte Alternative zum heimischen Setup sein. Wie der Stand beim Videospiel-Streaming aktuell ist und welche Performance ihr erwarten könnt, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

      Ausgangslage

      Getestet werden die verschiedenen Streaming-Anbieter unter realen Bedingungen. Internet von Kabel Deutschland via 2,4GHz-Wi-Fi (mit all den Vor- und Nachteilen) an einem Huawei MateBook D14 (Test) und einem Google Pixel 4 (Test). Bei der Frage nach der Steuerung gab es nur eine Antwort – der Xbox Controller ist für mich immer noch die erste Wahl für einen Gaming Controller und als Konsolenspieler mag ich das Zocken mit Controller einfach mehr als mit Maus und Tastatur.

      PlayStation Now gibt sich keine Mühe

      Den Anfang macht der Großvater des Videogame-Streamings: PlayStation Now. Der Dienst startete im August 2018 in Deutschland und ist damit am längsten auf dem Markt. Mit Titeln von PlayStation 2, 3 und 4 umfasst der Katalog von PlayStation Now über 650 Spiele. Dazu zählen Perlen wie das Shadow of the Colossus HD-Remaster und auch das aktuelle Spider-Man für die PlayStation 4.

      Viele andere aktuelle Spiele fehlen zwar, aber dank des Netflix-Ansatzes sind zumindest alle Spiele im Katalog durch die Jahresgebühr von etwa 60€ inklusive. Außerdem gibt es so zum ersten Mal die Möglichkeit, eine unheilige Verbindung zu schaffen – Uncharted mit einem Xbox One Controller.

      Die Performance von PlayStation Now ist eher durchwachsen. Normalerweise laufen Exklusiv-Titel wie Uncharted 3 auf der PlayStation 3 mit genau 30fps sehr stabil und halten ihre Framerate konstant. Mit PlayStation Now bewegen wir uns aber irgendwo im 20er fps-Bereich und das merkt man. Eine kinoreife Flucht über die Dächer der Stadt führt so schnell zum Frust, weil man die Sequenz immer wieder von vorne beginnen muss. Checkpoints machen es besser, aber die Performance bricht so oft mit der Immersion, dass wenig Lust auf das Streaming aufkommt. Gleiches gilt auch für Multiplayer-Spiele. Ein schneller Shooter funktioniert selbst mit einer minimalen und teilweise spontan auftretenden Verzögerung einfach nicht.

      Google Stadia ist noch nicht fertig

      Google Stadia ist wohl der bekannteste Vorstoß, Videogame-Streaming in eure Häuser zu bringen. Alles, was ihr dafür braucht, ist ein Computer, der Google Chrome öffnen kann. Die Mindestanforderung an Chrome ist ein Intel Pentium 4-Prozessor. Das sollte für die meisten Nutzer machbar sein. Ansonsten nimmt Chrome alles, was ihr an Arbeitsspeicher habt – also wirklich alles.

      Die kostenlose Version von Google Stadia beinhaltet maximal 1080p bei 60fps und Stereosound. Wer sich für Google Stadia Pro entscheidet (10€/ Monat), bekommt bis zu 4K bei 60fps und 5.1-Sound. Allerdings skaliert Google einige Spiele-Streams von 1080p bzw. WQHD auf 4K – andere nicht. Es gibt aktuell keine Möglichkeit, vor dem Kauf eines Spieles zu sehen, ob es wirklich in 4K laufen wird oder ob es nur hochskaliert wird.

      Der wirkliche Haken an Google Stadia ist allerdings das geschlossene System. Alle Käufe müssen über Stadia abgewickelt werden und es obliegt Google, ob sie beispielsweise einen Sale anbieten oder nicht. Genauso ist es nicht möglich, einen Game-Key von einer der vielen Webseiten zu kaufen oder ein Spiel von einem anderen Launcher zu übertragen. Habt ihr Doom Eternal schon bei Bethesda gekauft, müsst es für Stadia noch mal kaufen. Was mit den Spielen passiert, wenn Google das Interesse daran verliert, ist derzeit ebenfalls unklar. Wenn Google eines Tages entscheiden sollte, dass Stadia das Schicksal von Google+ teilen soll, kann niemand sagen, ob die gekauften Spiele für immer verloren sind.

      Die größte Schwachstelle ist allerdings die Auswahl an Games. Auch sechs Monate nach US-Launch sind weiterhin nur wenige Spiele in Stadias Streaming-Bibliothek zu finden. Google fügt regelmäßig neue Titel hinzu und stellt auch mehr und mehr kostenlose Spiele für Stadia Pro bereit, aber bei der aktuellen Geschwindigkeit wird es noch Jahre dauern, bis ein Katalog zusammenkommt, der auch nur halbwegs brauchbar ist.

      Außerdem sind viele Funktionen, die Google bereits zur Vorstellung von Stadia angekündigt hat, auch heute noch nicht zu finden oder wurden nur halbherzig implementiert. Wireless Controller laufen bspw. bis heute noch nicht 100%ig. Auch der Support für Android Phones ist aktuell auf 16 Modelle beschränkt (ohne die jeweils größeren +-Modelle), wobei sich das mit jedem Update der App ändern kann.

      Grafisch befinden sich Google-Stadia-Spiele auf dem Niveau einer PlayStation 4 Pro bzw. Xbox One X und HDR funktioniert ebenfalls sehr gut. Wenn Google aggressiver beim Katalogisieren von neuen und alten Spielen wird, hat das System noch Potential. Das gilt allerdings nur, wenn ihr gerade erst mit dem Gaming anfangt. Bis dahin solltet ihr vorerst die kostenlose Version von Google Stadia Pro mit Destiny 2 testen, um euch selbst ein Bild davon zu machen, wie die Performance beim Streaming von Singleplayer und Multiplayer bei euch läuft.
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      Nvidia GeForce Now ist für Gamer

      Dieser Service von Nvidia verfolgt einen gänzlich anderen Ansatz als Google Stadia. Hier streamt ihre eure Spiele, die ihr bereits auf anderen Plattformen besitzt. The Witcher 3 auf Steam, Control im Epic Game Store und Assassin´s Creed Origins bei Uplay? Kein Problem mit GeForce Now.

      Ein Problem ist hingegen die Liste der Spiele, die ihr über GeForce Now spielen könnt – denn es gibt keine. Auf der Webseite von GeForce Now könnt ihr nur überprüfen, ob eure Spiele dabei sind. Gleichzeitig hat der Spiele-Katalog in letzter Zeit eine echte Achterbahnfahrt hinter sich. Einige Publisher wie Bethesda und Activision haben ihre Spiele von der Plattform genommen, während andere Publisher wie Ubisoft dazugekommen sind. Nvidia arbeitet daran, die „verlorenen“ Publisher wieder in seinen Katalog aufzunehmen, aber bisher gibt es noch kein Update. Call of Duty oder Doom gibt es dementsprechend nicht bei GeForce Now – zumindest im Moment. Einen ersten Versuch, das Streaming-Angebot zu verbessern, hat Nvidia zusammen mit Valve unternommen.

      Ansonsten gibt es auch bei GeForce Now zwei unterschiedliche Versionen – eine kostenlose und eine kostenpflichtige. In der kostenlosen Version sind Spielesitzungen auf eine Stunde beschränkt. Für Premium Mitglieder (6,50€/ Monat) gibt es längere Spiele-Streaming-Sitzungen von bis zu sechs Stunden, Ray-Tracing und bevorzugten Zugriff. Gerade letzteres ist aktuell nicht zu unterschätzen, da man sich sonst in eine Warteschlange einreihen und darauf warten muss, bis ein Slot bei Nvidia frei wird. Beim Test hat das 10-15 Minuten gedauert, wobei der Zähler plötzlich von 83 Spielern vor mir auf 0 gesprungen ist. Aktuell gibt es keine Premium-Accounts für GeForce Now. Nvidia arbeitet daran, mehr Kapazitäten zu schaffen.

      Bei der Performance ist Nvidia jedenfalls auf einem guten Weg. Beim Erkunden der riesigen Welt von Assassin’s Creed Odyssey sind mir keine Unterschiede vom Streaming zu einem 1000€ PC aufgefallen – weder bei der Framerate noch bei den Details.

      Die Möglichkeit, die eigene Spielesammlung mitzubringen und auch einfach Spiele dort zu kaufen, wo man möchte, macht Nvidia GeForce Now aus Kundensicht sehr interessant. Die eigenen Spiele sind und bleiben die eigenen Spiele – unabhängig davon, was mit GeForce Now passiert.
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      Medion ERAZER Cloud steht noch am Anfang

      Ein Anbieter, den wahrscheinlich nur die Wenigsten auf dem Schirm haben, wenn es um Game-Streaming geht, ist Medion. Die zu Lenovo gehörende deutsche Medion AG versucht sich mit Medion ERAZER Cloud an einem eigenen Streaming-Dienst. Bisher befindet sich dieser noch in einem Beta-Stadium und Medion hat noch keine Angabe zu zukünftigen Preisen gemacht.

      Der erste Eindruck anhand von ABC-Murder – einem eher gemächlichen Point-and-Click-Adventure – ist durchwachsen. Die Framerate liegt im niedrigen 20er-Bereich. Außerdem wiederholt das Programm manchmal im Hintergrund den Trailer des Spieles, obwohl das Spiel bereits im Vordergrund via Streaming läuft. Wenn das passiert, muss das Programm über den Taskmanager geschlossen werden.

      Die Beta läuft also eher mittelmäßig. Multiplayer-Spiele machen aufgrund von hohen Latenzen und niedrigen Framerates zudem weniger Spaß als Singleplayer-Spiele. Da es sich bisher nur um die Beta handelt, kann da aber noch viel passieren.
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      Microsoft xCloud könnte das Netflix des Gamings werden

      Wo PlayStation und Nvidia sich tummeln, darf auch Microsoft nicht fehlen. Project xCloud ist der Name von Microsofts Spiele-Streaming-Service, der aktuell in einer Beta auf Android-Smartphones verfügbar ist. Für den Testlauf stehen verschiedene Spiele von Microsoft und auch anderen Publishern bereit.

      Für meinen Test habe ich mir das exzellente „Bloodstained: Ritual of the Night“ angesehen. Als 2D-Metroidvania hat es keine hohen System-Anforderungen und läuft entsprechend sehr gut. Grafisch anspruchsvoller ist die Gears of War Ultimate Edition. Als aufgehübschter Port des 2006 erschienenen Third-Person-Shooters hat es ein Genre geprägt und liefert – von ein paar kurzen Rucklern abgesehen – auch ein erstklassiges Erlebnis beim Streaming mit Project xCloud.

      Der finale Test erfolgt mit Halo 5: Guardians – und das macht richtig Spaß. Beim Einsatz des Partikelschwertes wird deutlich, wie gut die Grafik von Project xCloud bereits ist. Die Effekte, die über die Klinge laufen, sind bei hoher Bildrate gleichzeitig ausgesprochen detailliert. Halo 5: Guardians auf Project xCloud ist Halo – inklusive großartigem Gun-/ Gameplay und epischer Musik.

      Videogame Streaming 15

      Es ist nicht schwer, abzusehen, welches Ziel Microsoft mit seinem Videogame-Streaming verfolgt. Kunden bezahlen einen fixen Betrag für den Xbox Game Pass und erhalten neben dem Zugang zu vielen Spielen auf der Xbox und dem PC auch noch die Möglichkeit, diese Spiele auf schwächere Hardware zu streamen. Die neuesten Games von Publishern wie Ubisoft und EA sind nicht zum Release dabei, werden aber irgendwann in den Katalog aufgenommen.

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      Wer arbeitet noch am Videospiel-Streaming?

      Im Herbst 2018 gab EA bekannt, dass sie an Project Atlas arbeiten. Etwa ein Jahr später folgte ein geschlossener Test mit ausgewählten Mitgliedern der Origin-Community. Seitdem ist es um das Projekt still geworden. Welchen Fortschritt EA beim Streaming gemacht hat, werden wir auch nicht von den Teilnehmern des Testlaufs erfahren, da diese einer Verschwiegenheitserklärung zustimmen mussten – Danke EA.

      Fazit: Streaming ist für Singleplayer

      PlayStation Now macht den Eindruck, dass es den gleichen Innovationswillen wie die PlayStation 4 hat – nämlich keinen. Seit 2018 auf dem Markt, fehlen Spiele wie Uncharted 4 oder Horizon Zero Dawn im Katalog und der ganze Client ist unübersichtlich. Zusammen mit der Performance sollte man wirklich nur zu PlayStation Now greifen, wenn man unbedingt ein paar Exklusiv-Titel nachholen will und nicht extra dafür eine PlayStation kaufen möchte.

      Google Stadia arbeitet immer noch daran, seine Kinderkrankheiten auszumerzen. Wesentlich kritischer ist dagegen die geringe Anzahl an Spielen und die Ungewissheit, die bei neuen Google-Projekten immer mit von der Partie ist. Diese Sorge um die Zukunft gab es anfangs auch bei Steam, aber zumindest gab es damals eine klare Äußerung, was geschehen würde, wenn das Projekt scheitert. PC-Spiele nur digital zu besitzen, war damals ein ähnlich neues Konzept wie Videogame-Streaming heute.

      Medion ERAZER Cloud ist bei vielen Punkten auf dem richtigen Weg, aber aktuell ist der Client nur halb einsatzbereit und die Spieleauswahl auf kleinere Titel und Indies beschränkt. Auch die ungewisse Preispolitik ist derzeit eine Hürde, die Medion ERAZER Cloud beseitigen muss, um auf dem Streaming-Markt wirklich herauszustechen.

      Nvidia GeForce Now ist im Moment das wahrscheinlich beste Angebot aus Kundensicht. Die Spiele gehören dem Spieler und können auf der Plattform gekauft werden, die den besten Preis bietet. Die Ungewissheit über die zukünftige Zusammenarbeit mit Publishern könnte Spieler aber davon abhalten, sich wirklich auf GeForce Now einzulassen.

      Project xCloud von Microsoft hat das größte Potential, das Netflix des Videospiel-Streamings zu werden. Allerdings ist es aktuell noch im Beta-Stadium. Von daher ist es schwer abzusehen, ob Microsoft die Entscheidungen treffen wird, die Project xCloud zum besten und kundenfreundlichsten Angebot für die meisten Spieler machen wird.

      Ausblick

      Finanziell ist Videogame-Streaming auf jeden Fall interessant. Bei Anbietern wie Google Stadia mit einer monatlichen Gebühr von 10€ / Monat würde es ca. zehn Jahre dauern, bis sich die Kosten für einen 1200€ Gaming-PC rechnen. Wie gut ein solcher Gaming-PC nach zehn Jahren noch ist, kann sich jeder selbst denken. Bei günstigeren Anbietern wie GeForce Now müsste der 1200€-PC sogar mehr als 15 Jahre genutzt werden, um die bessere Wahl zu sein. Natürlich ist Gaming aber nicht alles, was man an einem Gaming-PC machen kann.

      Ich glaube, dass dem Streamen von Videospielen die Zukunft gehört. Das gilt zumindest für Single-Player-Spiele. Bei Spielen, in denen die Geschichte im Vordergrund steht, bedeutet ein wenig Latenz nicht zwangsweise das Ende der Welt. Ein Chromecast und ein Controller werden irgendwann alles sein, was Gamer benötigen, um in eine neue Welt einzutauchen.

      Schon heute sind die Erfahrungen bei GeForce Now und Project xCloud so überzeugend, dass man fast vergessen könnte, dass die Berechnungen nicht in den eigenen vier Wänden stattfinden. Für eingefleischte Multiplayer-Fans ist das System (noch) nichts. Die werden vermutlich noch jahrelang große, klobige, blinkende und teure Maschinen unter dem Schreibtisch zu stehen haben.

      Technisch gibt ein paar Sachen zu beachten. Welchen Einfluss zum Beispiel ein 5-GHz-Router auf die Spieleerfahrung hat, zeigen wir euch in einem kommenden Artikel. Bis das Videospiel-Streaming soweit ist, müssen die Anbieter aber noch herausfinden, wie sie ihr Konzept technisch umsetzen wollen. Wir als Konsumenten müssen zudem entscheiden, welchen Ansatz und Innovationswillen wir unterstützen wollen.

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